Wer sich mit der Sicherheit an Bord von Kreuzfahrtschiffen befasst, unterscheidet zwei unterschiedliche Aspekte; zum einen sind es die Sicherheitsvorschriften und -maßnahmen zum Schutz vor Unfällen und Bränden, zum anderen Maßnahmen zum Schutz vor Terror und Kriminalität. Dieser Artikel befasst sich mit dem ersten Aspekt, denn nach den verhängnisvollen Ereignissen auf der Costa Concordia beschäftigen sich Kreuzfahrer derzeit im Besonderen mit den Sicherheitsaspekten an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Auf die Ursachen und die Schuldfragen im Zusammenhang mit der Tragödie vor der toskanischen Küste gehen die folgenden Ausführungen nicht ein, da ist die Justiz gefragt.
Safety First ist eines der wichtigsten Leitsätze der Seefahrt. Die Bestimmungen von SOLAS (Safety of Life at Sea) sind auf allen UN-Mitgliedssaaten auf Schiffen eingeführt worden. Der Kreuzfahrer kann davon ausgehen, dass Kreuzfahrten äußerst sicher sind und Zwischenfälle – auch mit tödlichem Ausgang – äußerst selten vorkommen. Durch das Drama auf der Costa Concordia darf auf keinen Fall die gesamte Breite der Kreuzfahrten unter Generalverdacht gestellt werden. Die hervorragende Sicherheitsstatistik unterstreicht das hohe Sicherheitsniveau der Kreuzfahrtbranche.
Die Sicherheitsaspekte sind mit der zunehmenden Größe der Kreuzfahrtschiffe ebenso kontinuierlich gewachsen, um Unfallrisiken zu minimieren. Bereits beim Bau der neuen Kreuzfahrtschiffe – auch der Mega-Liner – werden alle Baumaterialien und Komponenten überwacht und alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Die älteren Kreuzfahrtschiffe werden regelmäßig und vorschriftsmäßig gewartet. Das Unglück der Costa Concordia wird gewissenhaft analysiert, und die wichtigen Erkenntnisse werden bei den fortschreitenden Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigt.
Es wird alles unternommen, um die Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen kontinuierlich zu verbessern. Ein wichtiger Punkt dabei ist die professionelle Ausbildung der Besatzung und die ständig wiederkehrenden Sicherheitsübungen an Bord. Diese Seenotrettungsübungen werden baldmöglichst auf allen Kreuzfahrtschiffen vor Auslaufen aus dem Hafen, d.h. vor Beginn einer Kreuzfahrt, von ei9nigen Reedereien bereits realisiert. Andere Reedereien werden sich dem Beispiel von TUI Cruises und AIDA Cruises anschließen, und es wird erwartet, dass umgehend eine gesetzliche Regelung für alle Kreuzfahrtschiffe Realität wird und daher alle Kreuzfahrtschiffe ihre Gäste vor dem Auslaufen aus dem Hafen mit allen wichtigen Sicherheitsvorkehrungen und Maßnahmen bei einer Evakuierung vertraut machen.
Wichtig ist zu wissen, dass alle Kreuzfahrtschiffe zur Einhaltung der gleichen Sicherheits- und Evakuierungsstandards verpflichtet sind. Jedes Kreuzfahrtschiff führt in genau festgelegten Abständen auch für die Crew feste Übungs- und Trainingsprogramme durch, damit die Besatzungsmitglieder in der Lage sind, auf Unfälle und Notfallsituationen, in die ein Kreuzfahrtschiff gerät, angemessen reagieren zu können. Auf den Kreuzfahrtschiffen wurde darüber hinaus die Navigationsausrüstung, detaillierte Sicherheitsmanagementsysteme und die Rettungsausrüstung verbessert. Über das geltende Recht hinaus können die einzelnen Reedereien zusätzliche Vorschriften zur Optimierung der Sicherheit an Bord realisieren.
Ein Grundsatz bleibt bestehen, das jeder Schiffsneubau in der Lage sein muss, nach einem Brand oder durch ein Leck verursachten Wassereinbruch sicher den nächsten Hafen anzulaufen. Jedes Kreuzfahrtschiff ist zunächst sein eigenes Rettungsboot, und es ist das Ziel, alle Passagiere an Bord zu behalten. Doch bei einem Großbrand oder einer gewaltigen Katastrophe muss das Kreuzfahrtschiff evakuiert werden.
Wichtig ist die professionelle Ausbildung der Crew und der Qualifizierung der Kapitäne. Als Kapitän kann der Erste Offizier eines Kreuzfahrtschiffes nach einjähriger Bewährung als Wachoffizier und danach erst wieder nach einer einjährigen Bewährung auf hoher See ernannt werden. Wenn ein Kapitän im Notfall ausfällt, übernimmt der 1. Offizier die Verantwortung und weist die Besatzungsmitglieder für alle Maßnahmen zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Pflichten an. An Bord eines Kreuzfahrtschiffes gibt es mehrere Offiziere mit der Qualifizierung, ein Schiff zu navigieren., und die Wachmannschaft an Bord kann jederzeit dem eingeteilten Nautischen Offizier assistieren.
An Bord der Kreuzfahrtschiffe befinden sich stets aktualisierte Seekarten, sowohl die elektronische als auch die vorschriftsmäßig aktuelle und gedruckte. Der wachhabende Offizier überblickt von seinem Arbeitsplatz aus alle navigatorisch relevanten Daten, und trotz der üblichen Vier-Stunden-Schichten ist der Kapitän jederzeit erreichbar.
Bevor die Entscheidung im Notfall getroffen wird, das Schiff zu evakuieren, wird jedes Schiff zunächst versuchen, den nächsten Hafen anzulaufen, um dem Risiko einer Not-Evakuierung zu entgehen. Per Lautsprecherdurchsagen und durch verbindliche Notsignale wird die Entscheidung zur Evakuierung den Gästen und Crewmitgliedern mitgeteilt. Die Entscheidung zur Evakuierung trifft der Kapitän. Die Crew koordiniert alle Rettungsmaßnahmen an Deck, lässt die Rettungsboote ins Wasser und aktiviert darüber hinaus die Rettungsflöße.Durch regelmäßige Übungen wird die Crew in die Lage versetzt, ihre Pflichten und Aufgaben angemessen zu erfüllen.
Im Falle einer erforderlichen Evakuierung muss sichergestellt sein, das innerhalb einer halben Stunde nach dem Signal des Kapitäns alle Passagiere das Kreuzfahrtschiff verlassen haben und vom Kreuzfahrtschiff wegmanövriert werden. Diese Regel gilt für alle Kreuzfahrtschiffe ohne Ausnahme, für die kleinen ebenso wie für die Mega-Liner. Jedoch darf nicht verschwiegen werden, dass die mit einer Evakuierung verbundenen Verwirrung – ggf- sogar einer Panik – nicht alle Passagiere sich am jeweils zugewiesenen Rettungsboot einfinden und nach erfolgter Evakuierung sich auch nicht an den Sammelstellen an Land zurückmelden. Dies erschwert die genaue Registrierung.
Alle Kreuzfahrer können sich sicher sein, dass die Gründe, die zur Havarie der Costa Concordia geführt haben, und die Schwierigkeiten der erfolgten Evakuierung der Costa Concordia genau untersucht und analysiert werden. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen wird die Kreuzfahrtbranche auf alle Fälle für weitere Verbesserungen der Sicherheit nutzen. Zu wünschen bleibt jedoch, dass sich die verantwortlichen Stellen dafür entscheiden, sich allen mit der Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen relevanten Fragen stellen, die entsprechenden Antworten finden und allen Kreuzfahrern künftighin diese Informationen in einer Broschüre zur Verfügung stellen.