Vor wenigen Tagen wurde über das Unglück der „Louis Majesty“ berichtet, die im westlichen Mittelmeer von drei Riesenwellen erfasst wurde und neben zwei Toten noch 14 Verletzte zu beklagen hatte. Weitaus glimpflicher erging es der „Costa Pacifica“, die vor der Insel Rhodos in einen schweren Sturm geriet, die Wellen aber das Kreuzfahrtschiff in keine Gefahr brachten.
Nicht erst seit diesen jüngst bekannten Ereignissen sind Monsterwellen belegt, wenn sie auch lange Zeit als reine Erfindungen, Seemannsgarn, abgetan wurden. Als Naturphänomen wirklich ernst genommen werden die Monsterwellen erst seit dem Jahre 1995, als in der Neujahrsnacht von der automatischen Wellenmess-Anlage der norwegischen Ölplattform Draupner-E während eines Sturms in der Nordsee eine einzelne Welle mit 26 Meter Höhe registriert wurde.
Was ist nun eine Monsterwelle? Einfach ausgedrückt: Eine Monsterwelle ist eine außergewöhnlich hohe Wasserwelle, die etwa doppelt so hoch ist wie gewöhnlich hohe Wellen. Unterschieden werden drei Arten von Monsterwellen:
- der Kaventsmann (eine große, relativ schnelle Welle, die nicht der Richtung des normalen Seegangs folgt),
- die Drei Schwestern (drei schnell aufeinander folgende große Wellen),
- die Weiße Wand (eine sehr steile Welle).
Monsterwellen haben aber mit Tsunamnis nichts gemein, die durch die Bewegung des Meeresbodens entstehen und als Verdrängungswasser beim Auftreffen auf Flachwasser sich als eine Wasserwand bis 50 Meter Höhe auftürmen können. Auf offener See ist die Wellenhöhe eines Tsunamis recht niedrig und läuft unter einem Schiff sanft durch.
Monsterwellen, die sich Dutzende von Metern auftürmen können, zerschmettern durchaus Schiffe wie Spielzeug. So wird berichtet, dass in den letzten zwanzig Jahren mehr als 200 Supertanker und Containerschiffe auf den Weltmeeren gesunken seien. Im Gegensatz zu den Ozeanen gilt das Mittelmeer unter Experten nicht als riesenwellengefährdet. Bekannt für Monsterwellen ist der Atlantik, in dem sich statistisch betrachtet täglich bis zu drei Riesenwellen bilden können. Monsterwellen gibt es aber auch in der Nordsee, wo sie im Schnitt alle drei bis fünf Jahre einmal auftreten.
Während der letzten hundert Jahre sind viele Berichte über Schiffskatastrophen bekannt geworden, u.a.:
| 18.09.1901 | Schnelldampfer „Kronprinz Wilhelm“ |
| Februar 1909 | britischer Schnelldampfer „Lusitania“ |
| Februar 1926 | “RMS Olympia” |
| 1934 | “RMS Majestic” |
| Weihnachten 1978 | Frachtschiff „München“ |
| 09.09.1980 | britischer Massengutfrachter „Derbyshire“ |
| 15.02.1982 | Bohrinsel „Ocean Ranger“ |
| Oktober 1991 | Trawler „Andrea Gail“ |
| Neujahrsnacht 1995 | Ölplattform „Draupner-E“ |
| 11.09.1995 | Luxusliner „Queen Elisabeth 2“ |
| 22.02.2001 | Kreuzfahrtschiff „Bremen“ |
| 02.03.2001 | Kreuzfahrtschiff „Caledonian Star“ |
| 16.04.2005 | Kreuzfahrtschiff „Norwegian Dawn“ |
| 23.06.2008 | japanischer Fischkutter „Suwa Maru“ |
| 03.03.2010 | Kreuzfahrtschiff „Louis Majesty“ |
Die Tatsache, dass Monsterwellen viel häufiger auftreten als bisher angenommen wurde, stellen die Schiffsbauer vor erhebliche Probleme.
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