Kreuzfahrten: Unerträgliche Liegestuhl-Reservierungssucht auf Kreuzfahrten

Es gehört seit Jahrzehnten zur unerträglichen Gewohnheit vieler Kreuzfahrer, sich das „Recht“ herauszunehmen, für sich Liegestühle an Deck zu reservieren, ganz gleich, ob sie benutzt werden sollen oder als Alternative dienen, wenn auf der Kreuzfahrt die Sonne von der anderen Seite das Deck bescheint.

Da sind manche Kreuzfahrer recht „erfinderisch“. In aller Frühe, wenn Crewmitglieder noch beim Reinigen des Decks sind, „schleichen“ spärlich bekleidete Gäste an Deck, um an besonders geeigneten Stellen mindestens einen, in den meisten Fällen aber zwei Liegestühle zu platzieren und ihn dann mit „geeigneten“ Dingen zu sichern. Da werden Bademäntel aufgelegt, zwei Liegestühle mit einem Gurtband zusammengebunden, persönlichen Dinge (Brille, Buch …) auf die Liege gelegt, um allen anderen Kreuzfahrern zu demonstrieren: Hier ist mein Platz, diese Liege ist für mich reserviert.

Das Anspruchsdenken dieser Kreuzfahrer ist derart ausgeprägt, dass sie auch Handtücher kaufen und damit die Liegestühle für sich reservieren, die mit dem Aufdruck RESERVIERT – am besten noch in mehreren Sprachen – versehen ist. Damit wollen diese Kreuzfahrer ihr ganz spezielles Revier absichern.

Nun ist leider noch die Unsitte zu beobachten, dass manche Kreuzfahrer sowohl auf  der Backbord- als auch auf der Steuerbordseite Liegestühle aufstellen und gleichermaßen – wie bereits beschrieben – absichern.

Andere, bisweilen aber auch die gleichen Kreuzfahrer unterstreichen ihr „Anrecht“ auf einen bestimmten Platz und Liegestuhl damit, dass sie aus der Truhe die Poolhandtücher entnehmen und damit zusätzlich noch ihre Liegestühle „markieren“. Noch vor dem Frühstück sind dann diese eigensüchtigen Gestalten verschwunden, sind in ihre Kabine zurückgekehrt und gönnen sich noch eine zweite Runde Schlaf. Ihren Platz und Liegestuhl haben sie ja. An die Mitreisenden wird da kein Gedanke verschwendet.

Nach dem Frühstück erscheinen dann diese Egomanen und nutzen ihren Liegestuhl, meistens lediglich für eine kurze Zeit. Sind sie an Deck zu anderen Aktivitäten unterwegs, bleibt „ihr“ Liegestuhl reserviert. Diese Reservierungs-Sucht kennt keine Grenzen. Um auch nach dem Mittagessen den gesicherten Platz wieder nutzen zu können, egal auf der Backbord- oder Steuerbordseite, bleibt der Liegestuhl mit deutlichen Zeichen reserviert. Wer zu spät kommt, „bestraft“ der Mitreisende!

Die Frage, wie dieser Liegestuhl- effektiv begegnet werden könne, wir heiß und bisweilen kontrovers diskutiert. Die Unsitte, Liegestuhle für eine unangemessene Zeit zu reservieren, erregt das Missfallen aller Reedereien, die sich auch verschiedene Strategien einfallen lassen müssen, um dem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben. Die Anti-Reservierungskampagne auf den Kreuzfahrtschiffen ist ebenso erfinderisch wie das Gehabe von Kreuzfahrern, die nur an sich denken.

Methode 1

Crewmitglieder werden beauftragt, Handtücher mit der Aufschrift „Reserviert“ grundsätzlich abzuräumen. Die Besitzer demonstrieren doch ganz deutlich, dass sie den damit  „gekennzeichnete“ Liegestuhl allein für sich in Beschlag nehmen wollen. Die eingesammelten Handtücher kann der Gast dann an einer bestimmten Stelle wieder abholen und sich damit auch persönlich zu erkennen geben, was doch manchem Kreuzfahrer peinlich sein sollte.

Methode 2

Die Reederei entscheidet sich, die bordeigenen Poolhandtücher mit großen Ziffern zu bedrucken. Ein solches Poolhandtuch kann der Gast gegen eine Pfandgebühr beim Decksteward ausleihen. In eine Liste trägt der Decksteward dann Name des Gastes mit der Nummer des geliehenen Poolhandtuches ein. Damit kann jederzeit der Gast identifiziert werden. Leider gibt es allerdings auch Mitreisende, die Poolhandtücher von einem Liegestuhl entfernen und den Liegestuhl danach in eigene Besitz nehmen. Auch auf diese Unsitte stellt sich die Reederei ein. Crewmitglieder werden beauftragt, ständig die Liegestühle in Augenschein zu nehmen und solches ungerechtfertigtes Entfernen von Poolhandtüchern zu minimieren. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Handtuchverbrauch bei Registrierung wesentlich vermindert wird.

Methode 3

Im Tagesprogramm werden alle Gäste darauf hingewiesen, dass Crewmitglieder beauftragt sind, Poolhandtücher und persönliche Gegenstände von den Liegestühlen zu entfernen, die über einen vereinbarten Zeitraum – ggf. eine halbe Stunde – nicht belegt waren. Dieser Halbstundentakt zwingt die Kreuzfahrer zur tatsächlichen Nutzung und ermöglicht auch den anderen Gästen die Nutzung eines  Liegestuhls. Am Abend kann der Gast dann an einem Wühltisch seine persönlichen Gegenstände wieder abholen. Mit dieser Maßnahme werden  allen anderen Gästen, die sich zur Beobachtung eingefunden haben, die „Übeltäter“ vorgeführt.

Methode 4

Immer wieder weist die Reederei im Tagesprogramm darauf hin, dass alle Gäste dringend gebeten werden, von einem Reservieren von Liegestühlen Abstand zu nehmen. Diese Hinweise werden zwar gelesen, aber wie zuvor beschrieben, tagtäglich nicht beachtet. Doch wie kann der Kreuzfahrtdirektor mit seinem Team bewerkstelligen, dass dieser wiederholten Bitte auch entsprochen wird?

In einem Beitrag konnte dargestellt werden, dass  die Schiffsleitung dazu übergegangen ist, die an Bord befindlichen Kameras so auf die Decks auszurichten, dass alle Verstöße gegen diese Bitte aufgezeichnet werden.

Da kann man sich durchaus vorstellen, dass die Ankündigung, dass die Filmsequenzen jeden Abend vor Beginn des Abendprogramms auf eine Leinwand projiziert werden, das bisherige Verhalten der „Reservierer“ merklich beeinflussen.

Methode 5

Der Gast kann gegen eine Leihgebühr einen Liegestuhl ausleihen. Die Liegestühle sind nummeriert und in eine Liste werden der Name des Entleihers und die Nummer des betreffenden Liegestuhls eingetragen. Mit dieser Maßnahme erreicht die Schiffsleitung, dass jeder Gast sich für seinen Liegestuhl verantwortlich zeigt und ihn auch nicht ungenutzt an einem Platz stehen lässt. Sollte ein Liegestuhl trotz dieser Maßnahme von der Stelle entfernt werden, kann dem neuen „Besitzer“ durchaus seine Verfehlung bewiesen werden. Wichtig ist, dass die Schiffsleitung diese Maßnahme zur Sicherung der Liegestühle wiederholt im Tagesprogramm publiziert.

Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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