Höhepunkte der Ostsee – Teil 1/3

In diesem Jahr beschließt unsere Yakee travel-Reisegruppe, bei der Kreuzfahrt „Höhepunkte der Ostsee“ die Metropolen der Anrainerstaaten kennen zu lernen. Ganz besonders freuen wir uns auf den zweitägigen Aufenthalt in St. Petersburg. Als uns vor fünf Jahren die MS Maxim Gorki zum Nordkap gebracht hatte, war sich unsere Reisegruppe einig, dass es keine schönere und bequemere Art gibt, unsere herrliche Welt zu entdecken;denn wer nur durchs eigene Fenster schaut, lernt nie die Welt kennen ( russisches Sprichwort). Diese Vergangenheit ist  in diesem Jahr wieder für uns Gegenwart geworden. Auf dem Kreuzfahrtschiff fühlen wir uns wie zu Hause und können die Ereignisse und Erlebnisse der kommenden 14 Tage kaum erwarten.

1. Tag

Alle Teilnehmer/innen unserer erneuten Gruppenreise finden sich pünktlich am Treffpunkt unseres Heimatortes  ein, und auch der Busfahrer von Airport Express ist überpünktlich zur Stelle. Bereits um 5.20 Uhr sind wir in Karlsruhe und erwarten den Zubringerbus der Firma Steck nach Bremerhaven. Ohne Verzögerungen erreichen wir den Kolumbuskaje in Bremerhaven, wo uns die Reiseleitung begrüßt. können wir die Schon eine Stunde später beginnt unsere die Kreuzfahrt. Das Auslaufen genießen wir bei einem Drink an der Bar bei flotter Musik der Bordband. In legerer Kleidung finden wir uns schon um 19.30 Uhr zum „Gute-Reise-Abendessen“ ein. Schon am ersten Abend müssen wir die ersten Termine erfüllen: Buchung der Ausflüge an den drei Folgetagen. Jeder kann sich gemäß seiner individuellen Neigungen und Erwartungen entscheiden, und jeder lässt den ersten Abend auch auf seine Art ausklingen. Einige Teilnehmer bedauern allerdings, dass während der Nacht die Passage „Nord-Ostsee-Kanal“ erfolgt. Die Nordsee beginnt sich leicht zu regen und wiegt uns sanft in den verdienten Schlaf.

2. Tag

Bevor wir am Abend einschlafen konnten, hat uns die Reiseleitung noch wichtige Informationen über den Nord-Ostsee-Kanal übermittelt:

Der Kanal zwischen Nord- und Ostsee ist die drittgrößte und meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Mit rund 55000 Schiffen jährlich ist das Verkehrsaufkommen mehrfach höher als das des Suez- oder Panamakanals.  Das maritime Meisterwerk hat eine Länge von 98,7 km. Die Schleusen befinden sich in Kiel-Holtenau und Brunsbüttel. Der bekannteste Ort entlang des Kanals ist Rendsburg. Eröffnet wurde der Kanal 1895, wurde ständig erweitert und vertieft. Seine Tiefe beträgt ca. 11 m.Die Schleusenanlage von Holtenau ist mit 310 m Länge, 45 m Breite und 14 m Tiefe  weltweit die größte.

Bevor uns der „fröhlicher Bordwecker“ ab 7.30 Uhr in den neuen Tag begleitet, treffen sich die Frühaufsteher bereits um 7.00 Uhr auf den Außendecks. Fahles Licht verbreiten die Laternen, die den Uferpfad säumen. Und die Sonne bemüht sich, die dichte Wolkendecke zu durchdringen. Dann passieren wir auch schon die ersten Brücken. In einsamer Stille sitzen Fischer am Ufer und warten auf Anglerglück. Eine Schulklasse hat sich am Ufer eingefunden und begrüßt uns lautstark. Bald sind die Außendecks propervoll,  und an der Bugseite drängen sich die Massen in mehreren Reihen hintereinander. Unbeeindruckt von diesen Menschenmassen ziehen Schwäne am Uferbereich ihre Bahnen. Bald ist es 9.30 Uhr geworden. Die Brücke informiert uns über die gewaltige Schleusenanlage Kiel-Holstein, in die unser Kreuzfahrtschiff einfährt. Die kleinere Anlage bleibt den Segelschiffen und kleineren Booten vorbe-halten. Bei dem regen Verkehr hat die Crew alle Hände voll zu tun, muss sich erheblich konzentrieren. Bald fahren wir in das Hauptbecken ein, und das hintere Schleusentor schließt sich. Wenige Meter abgesenkt kann unser Schiff bald wieder ihre Fahrt in der Kieler Fjörde fortsetzen.

Wir sind beeindruckt von der gewaltigen Weite der Kieler Bucht, den zahlreichen Segelhäfen und den verschiedensten Schiffstypen, die unseren Weg kreuzen. Dann nimmt Laboe mit dem Marine-Ehrenmal und dem U-Boot-Museum sowie den langgestreckten Sandstränden unsere Aufmerksamkeit in Beschlag. Mittlerweile herrscht wieder das sprichwörtliche „Yakee-Wetter“. Die Sonne verwöhnt uns. Glatt liegt die Ostsee vor uns, als unser Kreuzfahrtschiff Fahrt zum ersten Reiseziel Gdynia aufnimmt. Zur Mittagszeit nimmt die Bewölkung leicht zu, aber wir haben ja die ersten „Verabredung“ mit dem Küchenchef, der sich mit gegrilltem Zackenbarsch und Schwäbischem Schweinenacken nicht sonderlich gut einführt.  Der Maitre de Hotel scheint über unsere „Kritik“ einigermaßen erstaunt zu sein, verspricht aber, dass der Service auf alle Fälle noch zu toppen sei, was, wie sich später herausstellt, auch zutrifft.

Für 14.15 Uhr ist ein für alle Gäste verbindliche Übungsalarm angesetzt. Dieser Alarm soll uns mit den Rettungseinrichtungen an Bord vertraut machen. Wir sollen die Schwimmwesten anlegen und vor der Kabine auf unsere Stewardess warten, die uns dann zum Bootsdeck zu dem zugewiesenen Rettungsboot führen wird. Nicht alle sind in der Lage, ihre Rettungsweste allein anzulegen. Doch die hilfsbereiten Stewardessen wissen Rat und helfen beim Anlegen. Je eine Stewardess ist jeder Gruppe am Anfang und Ende zugewiesen. Und auch an den Treppen und Gängen stehen Helfer bereit und leiten die Gruppen auf den richtigen Weg zu den Rettungsbooten. Reibungslos, so unser Eindruck, läuft dieser wichtige Übungsalarm ab.

Nach dem Übungsalarm ist keineswegs Ruhe angesagt. Ein volles Tagesprogramm erwartet uns:

15.00 Uhr Pässe mit Manifestnummer abholen (Kopie ist für den Landgang St. Petersburg)
15.10 Uhr Russisches TV_Studio „Danzig – Geschichte der alten Hansestadt und das heutige Danzig“
16.00 Uhr Landgangsinformationen über Danzig
17.00 Uhr „Auf ein Wort“; wichtige Informationen für alle Gäste rund um das Schiff und über die jetzige Reise
18.00 Uhr Persönliche Begrüßung aller Gäste in der Galerie vor dem Musiksalon durch den Kapitän und den Kreuzfahrtdirektor
19.00 Uhr Begrüßungscocktail
19.30 Uhr Kapitäns-Dinner in festlicher Atmosphäre in den Restaurants
21.45 Uhr „Welcome“: Die Künstler stellen sich vor, die uns auf dieser Reise begleiten, ebenfalls das Showorchester
22.30 Uhr Mitternachtssnack „Flambierte Früchte“
23.00 Uhr Die Nacht ist noch lange nicht zu Ende! Im Anschluss an die Willkommensshow legt ein DJ im Captain´s Club für die Nachtschwärmer Hits und Evergreens auf.

Beim Mitternachtssnack bleiben wir standhaft. Und in den Kabinen erwartet uns eine weitere Info-Flut. Nun müssen wir noch rasch alle Akkus aufladen bzw. während der Nacht die Geräte wechseln. Bevor wir zu Bett gehen, blicken wir noch aufs Meer hinaus. Der Vollmond wirft sein fahles Licht auf die Ostsee. Dann fallen uns aber doch noch die Augen zu.

3. Tag

Mit der Weckmelodie „Et les oiseaux chantaient“ aus der CD „Summer Dream“ von Sweet People stimmt uns der persönliche Bordwecker auf das Wochenende ein. Morgenmuffel haben bei ihr keine Chance. Nach aktuellen Infos über Wetter und Tagesprogramm sollen wir gut gelaunt in den neuen Tag starten. Um 7.30 Uhr treffen wir uns zum Frühstück, und um 9.00 Uhr kommen wir in Gdynia an. Überpünktlich macht sie am Kai fest. Die Sonne lädt uns zum Landgang ein.

Unsere Yakee travel-Reisegruppe ist Bus 6 zugeteilt. Aurelia ist unsere örtliche Reiseleiterin, Wittek der Busfahrer. Auf der Fahrt nach Danzig gibt uns Aurelia einen Einblick in die bewegte Geschichte dieser Stadt:

Als Ostsee-Bollwerk mit 1000-jähriger Vergangenheit ist Danzig tief in der nordeuropäischen Seefahrertradition verwurzelt, Sie liegt am Schnittpunkt der einst wichtigen Handelswege, die ihr zum wirtschaftlichen Aufschwung verhalfen. Danzig wurde von den Deutschordensrittern erobert, war Mitglied der mächtigen Hanse und Zankapfel für Preußen und Slawen. Das Tauziehen um Danzig zwischen Deutschland und Polen mit „Zwischenspielen“ auswärtiger Mächte währte Jahrhunderte. Als Danzig 1945 unter polnische Verwaltung kam, lag es beinahe in Schutt und Asche. Seither ist das glanzvolle architektonische Erbe aus stattlichen städtischen Bauten und prächtigen alten Häusern jedoch weitgehend restauriert und wieder aufgebaut worden. Heute ist das polnische Gdansk das führende Schiffsbauzentrum des Landes, und zusammen mit dem benachbarten Badeort Zoppot und Gdingen, Polens wichtigstem Seehafen, bildet es die „Dreistadt“, einen dicht besiedelten, rund 30 km langen Küstenstreifen an der Danziger Bucht.

Bald spüren wir, dass wir japanischen Besuchergruppen längst ebenbürtig sind: aussteigen, anschauen, fotografieren, ein-steigen, weiterfahren! Dennoch nehmen wir interessante Informationen auf. Humorvoll weist uns Aurelia auf die erste westliche Botschaft, Mc Donald´s, hin, zeigt uns die Plattenbaukomplexe, die zur Linderung der Wohnungsnot bis zu 7000 Personen aufnahmen, verhehlt aber auch nicht die unter westlichem Einfluss geschaffenen Neubauten. Kurzweilig gestaltet sich die Fahrt nach Danzig. Der Rundgang durch diese außergewöhnliche Stadt beginnt am Krantor.

Und wir spüren die geheime Macht, die es schafft, dass jeder Besuch in Danzig unvergessliche Eindrücke hinterlässt und den Wunsch offenbart, wiederzukommen. Bei der Marienkirche stoßen wir auf ein „Marinefest“, können in einer Seitenstraße echte Bernsteinprodukte einkaufen und individuell zum vereinbarten Treffpunkt am Neptunsbrunnen schlendern. Über die Lindenallee (1700 Bäume) kehren wir zum Hafen zurück. Aurelia lässt es sich nicht nehmen, uns musikalisch zu verabschieden. Ihrem Urteil können wir uns anschließen, einen wunderschönen Vormittag in der wunderschönen Stadt verbracht zu haben, in einer Stadt von besonderer Schönheit, reich gesegnet an historischen Gebäuden und Plätzen, von einer imponierenden Architektur geprägt. Unser Dank gilt einer Reiseleiterin, die es verstanden hat, uns Danzig, Stadt ihrer Träume, nicht nur vorzustellen, sondern auch lieben zu lernen.

Nach dem Mittagessen bleibt wenig Freizeit, denn schon um 14.30 Uhr hält Patric einen Informationsvortrag mit 264 Dias über die Ausflugsmöglichkeiten in St. Petersburg bis Kopenhagen. Zur Wodka-Probe können sich nicht alle entscheiden, und auch zur „Russischen Teestunde“ mit leckeren Süßigkeiten finden sich nicht alle ein. Wir  sind zum Cocktail- und Plauderstündchen mit dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor eingeladen. Die Zeit verfliegt wie im Nu, und nach dem „Russischen Abendessen“ werden je nach den farbigen Landgangskarten zwei Abendveranstaltungen angeboten: der Crewabend und ein klassisches Konzert „Polowetzer Tänze“.

Wir dürfen uns auf den Crew-Abend freuen, der die „Versteckten Talente“ der russischen und ukrainischen Besatzung längst entdeckt hat. Alle Mitwirkende liefern eine begeisternde Show ab. Lange bleibt die Erinnerung in uns haften, was Tamara und Svetlana gesanglich angeboten haben. Und die Tanzgruppe überzeugte durch Natürlichkeit, Witz und „Einfällen“. Bereits auf unserer Nordlandreise durften wir diese Gruppe bewundern und konnten in diesem Jahr eine wesentliche und beachtliche  Steigerung feststellen Galina führt einfühlsam in dieses besondere Programm ein und bittet alle Gäste, die Darbietungen nicht als „Profi-Show“ zu werten, sondern lediglich im Blick auf die Berufe der Akteure zu würdigen.Nach dieser erfrischenden Crew-Show gehen wir zur Black&White-Party, und bald füllt sich die Tanzfläche. Wieder ist es Mitternacht geworden, und wir sind kein bisschen müde. Bevor wir aber zu Bett gehen, müssen wir die Uhren noch eine Stunde vorstellen.

4. Tag

Ab 7.30 Uhr versucht der stets gut gelaunte Bordwecker, uns munter in den „Wahlsonntag“ einzustimmen. Zur musikalischen Morgendusche hält sie eine irische Künstlerin bereit. Ein Blick aus dem Kabinenfenster bestätigt wiederum unser „Yakee-Wetter“. Butterzopf und süße Crepes locken uns zum Frühstücksbuffet. Und danach begebe ich mich auf „Fotojagd“ an Deck. Sportliche Aktivitäten möchte ich einfangen. Doch die allermeisten unserer Gruppe halten sich äußerst bedeckt. Einige Gruppenmitglieder ziehen im Außenpool ihre Runden. Andere haben sich in den Fitness-Raum zurückgezogen. Und ganz Mutige freuen sich auf die Bauch-Beine-Po-Gymnastik. Da wird das Mittagessen um 12.00 Uhr doppelt so gut schmecken.

Die Ausflüge plündern ganz schön unsere Geldbörsen. Aber wenn wir schon zu den Metropolen an der Ostsee unterwegs sind, wollen wir auch die vielseitigen Angebote nutzen. Wir haben uns heute für den Ausflug „Jurmala & Altstadt Riga“ entschieden. Das Juwel des Baltikums wollen wir uns nicht entgehen lassen. Stolz steht die alte Handelsniederlassung Riga in der gleich-namigen Bucht an den Ufern der Daugava. Bald können wir uns davon überzeugen, weshalb die lettische Hauptstadt als eine der schönsten Städte im Nordwesten Europas gilt. Ungewöhnlich ist ihre architektonische Vielfalt: Bauwerke aus Romanik und Gotik, Renaissance und Barock, Klassizistik und Jugendstil, daneben auch die sowjetischen Plattenbauten und Wolkenkratzer.

Das außergewöhnlich schöne alte Zentrum wurde anlässlich des 800. Geburtstages von Riga im Jahre 2001 einer umfassenden Restauration unterzogen. Mit seinen Kopfsteinpflastergassen mit hanseatischen Speicherhäusern, schiefergedeckten Giebel-bauten und gotischen Kirchen zählt es zu den prächtigsten mittellterlichen Gebäudeensembles von Nordeuropa und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Kaum 20 km von Riga entfernt liegt der populärste Badeort Jurmala am Golf von Riga. Neben altwürdigen Jugendstilhäusern fallen uns aber auch die prächtigen Neubauten wohlhabender Russen auf. 35 km Sandstrand erwarten uns. Der Spaziergang an der frischen Luft und später entlang der Einkaufsstraße, in der vornehmlich Frauen selbstgefertigte Waren anbieten, bekommt uns. Nach Rückkehr müssen wir uns in eine lange Warteschlange einreihen. Alle Busse sind fast gleichzeitig zurückgekehrt.

Bald ruft auch schon wieder das Abendessen, und den Abend gestalten die Pawlowskis mit einem politischen Kabarett „Verblüffende Nebenwirkungen“. Vater und Sohn beantworten die Frage, welche Nebenwirkungen es haben könnte, wenn man sich entschließt, morgens aus dem Bett zu steigen mit der Absicht, auf einem Wahlzettel ein Kreuzchen zu machen. Ihre Beiträge „Jammerseminar“, „Wir operieren jetzt zu Haus“ und das moderne Märchen „Rotkäppchen“ lösen Heiterkeit aus, und als beide Akteure die Anti-Aging-Sucht mit dem Beitrag „Altbausanierung“ aufs Korn nehmen, quittieren Gäste diesen Beitrag mit „standing ovations“.  In der Bar beschließen wir den mit Highlights angereicherten Abend mit einem Schlummertrunk. Die Seestärke hat zugenommen. Es wird eine unruhige Nacht geben.

Erfahren Sie im nächsten Teil wie es weiter geht.

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Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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