Kreuzfahrten – Kreuzfahrtneuling erlebt Überraschungen

 
Da hat Beate so auf ihre Freundin Gerdi eingeredet, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. „Du musst dich aber schon informieren; denn eine Kreuzfahrt ist kein Hotelaufenthalt“, meinte Beate als erfahrene Kreuzfahrerin. Gerdi hat sich schließlich durchgerungen, auf jegliche Informationen vor der Buchung und auch vor Antritt der 14-tägigen Kreuzfahrt zu verzichten. Schließlich ist sie ja lebenserfahren und noch lange nicht zu alt, sich Neuem zu stellen.
 
Der Begrüßungsschluck gefiel Gerdi, suchte danach ihre Kabine auf und eilte nach der langen Busanreise zur Toilette. Da passierte ihr das erste Missgeschick. Sie verlor beim Betreten den Halt und stürzte über eine Stufe. Lediglich einige Prellungen diagnostizierte der Bordarzt. Die Gestürzte suchte anschließend die Reiseleiterin und beklagte das Fehlen eines Haltegriffes in der Kabine. Eine Entschädigung für die erlittenen Schmerzen müsste sie auf alle Fälle bekommen. Doch die stets freundliche Reiseleiterin Gigi machte ihr wenig Hoffnung auf Erfolg und meinte, die Rederei könne nicht unbedingt den Übergang von Kabine zur Nasszelle ohne Stufe konstruieren. Ziemlich verschnupft suchte Gerdi die Bar auf, fiel aber nicht vom Barhocker.
 
Nach zwei Tagen zog Sturm auf und es wurde Gerdi ziemlich ungemütlich auf dem Kreuzfahrtschiff. Kurzum, es dauerte nicht lange und die Seekrankheit hatte Gerdi voll im Griff. Sie konnte nichts mehr essen, lag in ihrem Bett und verfluchte Beate, die ihr so dringend zu einer Seereise geraten hatte. Erst nach weiteren zwei Tagen schleppte sie sich ermattet zur Reiseleiterin. Aber erneut wollte oder konnte Gigi ihr nicht helfen . Bei entsprechendem Wetter sei das Meer eben unruhig, und wenn sich die Wellen auftürmten, reagiere das Schiff eben auch. Das gelegentliche Schwanken sei aber normal und gehöre eben auch zu einer Schiffsreise. „Dumme Ziege“knurrend wandte sich Gerdi von der Reiseleiterin ab, sah sich aber nach wie vor im Recht und wollte sich zu Hause aber über Gigi beschweren und auf alle Fälle Schmerzensgeld beim Reisebüro geltend machen.
 
Diese erneute, für Gerdi unverständliche Absage ihrer doch berechtigten Forderungen trat bei Gerdi nun eine Lawine los. Nun konnte ihr niemand mehr etwas Recht machen. Ständig suchte sie verzweifelt nach Unregelmäßigkeiten und Mängeln. Sie ärgerte sich, dass der Ausflug zum Nordkap nicht genau sechs, sondern lediglich vier Stunden gedauert habe. Auch diese zeitliche Ausflugsminderung wollte sie zu Hause dem Reisebüro in Rechnung stellen. Nachts wachte Gerdi durch die weit entfernten Motorengeräusche auf. Sie nahm sich vor, zu Hause auch diesen entgangenen Schlaf zu monieren.
 
Bald legte sie auf ihrer Kabine einen Schreibblock bereit und notierte alle in ihren Augen aufgetretenen Mängel. Die Reiseleiterin Gigi suchte sie nicht mehr auf, das diese Person ihr ohnehin nicht helfen wollte. Das Beschwerdeblatt füllte sich innerhalb der nächsten Tage. Da schrieb sie auf:
 
  1. Tag: Fehlender Haltegriff in Nasszelle, Sturz und Prellungen
  2. Tag: Sturm, Wellengang, Seekrankheit, bettlägrig
  3. Tag: Ausflug Nordkap; vier statt sechs Stunden Ausflug
  4. Tag: Motorengeräusche, kaum Schlaf
  5. Tag: Gedränge am Buffet; lange Schlangen, Essen nur noch lauwarm
  6. Tag: Abendprogramm in der Lounge; nur noch Platz in hinterster Reihe
  7. Tag: Ausfall der Klimaanlage für drei Stunden während des Tages
  8. Tag: kein Liegestuhl an Deck
  9. Tag: heute keine Croissants zum Frühstück, nur Brötchen und verschiedene Brotsorten
  10. Tag: erneuter Stromausfall für eine Stunde
  11. Tag: Ausflug zu den Farœr-Inseln, kein Fensterplatz
  12. Tag: Nachmittagskaffee lediglich lauwarm, nicht heiß
  13. Tag: Koffer bis 03.00 Uhr unbeaufsichtigt vor die Kabine stellen müssen
 
Kaum war Gerdi wieder zu Hause, lud sie Beate zum Kaffee ein und berichtete ihr über unglaubliche Zustände auf dem Kreuzfahrtschiff. Beate bleib ganz ruhig, schließlich kannte sie ihre Freundin seit mehr als zwanzig Jahren. Als erfahrene Kreuzfahrerin könne sie Gerdi kaum Erfolg auf ihre aufgeschriebenen „Mängel“ machen. Leider habe sie ihre gut gemeinten Ratschläge ignoriert, sich vor der Kreuzfahrt mit dieser besonderen Urlaubsform auseinanderzusetzen. Sie könne zwar durchaus mit ihrem Reisebüro Kontakt aufnehmen, doch mit allen aufgezeigten Punkten müsse ein Gast auf einer Kreuzfahrt rechnen. Letztlich hielt Beate ihrer Freundin Gerdi deren eigenen Fehler vor Augen. Da sie Mängel bei der Reiseleiterin nicht umgehend angezeigt habe, könne sie nunmehr im Nachhinein auch keinerlei Ersatzansprüche anmelden.
 
Gerdi hat sich geschworen, nie mehr eine Kreuzfahrt zu unternehmen, statt dessen einen Hotelaufenthalt zu bevorzugen. Hoffentlich vergisst Gerdi nicht ihren Schreibblock, hat aus Fehlern gelernt und informiert vor Ort umgehend über aufgetretene Mängel, damit diese auch umgehend beseitigt werden können!
 
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Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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