Norwegens schönste Fjode und Nordkap

 

Teil 3/3

Mittwoch, 09. Juni

Die Sonne ist schon sehr früh um 3.45 Uhr aufgegangen und hüllt die schneebedeckten Berggipfel mit einem rosa Mantel ein. Ab 4 Uhr hält uns nichts mehr in den Betten. Wir haben das Fenster geöffnet, denn wir wollen uns auf keinen Fall diese Fjordlandschaft entgehen lassen. Und außerdem sind die Fensterscheiben dicht mit Wassertropfen übersät.

Und bald informiert uns der Bordsprecher über die Einfahrt in den Geirangerfjord und begleitet diese besondere Wegstrecke mit interessanten Informationen. Kaum einer kann es fassen, dass nach der angekündigten Schlechtwetterfront uns ein „Kaiserwetter“ begleitet und auch nicht mehr so schnell verlässt. Kurz bevor unser Schiff den Anker setzt, wird unser Kreuzfahrtschiff vom Ufer aus mit drei Böllerschüssen willkommen geheißen. Und unser Kapitän erwidert diesen Willkommensgruß mit dreimaligem Sirenengeheul.

Zügig beginnt das Tendern bei glatter See. Schon um 8.30 Uhr sind wir an Land und besteigen den Bus, der uns über 48 Haarnadelkurven zum 1500 Meter hohen Dalsnibba bringt. Alle Versprechungen der verschiedenen Reiseführer erfüllen sich. Die Majestät der Bergwelt liegt uns zu Füßen. Das „Yakee-Wetter“ hält nach wie vor an. 16° herrschen draußen. Die Guides der Maxim Gorki können es nicht fassen, mit welchem Wetter unsere Gruppe gesegnet ist.

Wenke ist die örtliche Reiseführerin. Sie erzählt uns während der Fahrt über die Schwierigkeiten beim Bau des Straßensystems, bei dem 300 Arbeiter ganze neun Jahre zur Vollendung benötigten – bei einem Tageslohn von umgerechnet 63 €-Cent. 17 km ist heute diese Hochstraße lang. Beträchtliche Schneemassen lassen im Winter jeglichen Verkehr zum Erliegen kommen. Mächtige Schneeberge türmen sich heutzutage auf, wenn drei Männer in zehn Tagen das Straßensystem maschinell geräumt haben.

Bald lässt Menke den Bus halten. Wir haben Flydalsjuvet mit dem bekannten Blick über die Schlucht erreicht. Jeder versucht, das Ansichtskartenmotiv von Geiranger zu verewigen. Nach dem ersten Fotostopp bringt uns der Bus zur Aussichtsplattform des Dalsnibba auf 1500 Meter.

Der Blick über Gletscher, Hochgebirgsgipfel, die Straßenkehren, Geröllhalden und den im Tal liegenden Fjord ist beeindruckend. Kaum kann einer verstehen, weshalb wir hoch oben in dieser Märchenlandschaft zur Eile angetrieben werden. Lediglich 15 Minuten stehen uns zur Verfügung. Die Zeit gerade noch, um über ein Schneefeld zu huschen, die „Adlerschwingen“ auszufahren, wenn auch der harte Schnee sich einen Weg in die Unterwäsche sucht.

Dann fahren wir zum Dorf Geiranger zurück. Um abermals einen anderen Teil der Fjordberge zu besuchen. Lediglich 11 Haarnadelkurven muss der sichere Busfahrer bewältigen, aber er gönnt uns in 625 Meter Höhe einen längeren Aufenthalt. Die Meisten nutzen ihn für weitere Fotos auf unser Kreuzfahrtschiff und die umliegenden Wasserfälle. Andere, die im Tal nicht die Toilette aufsuchen konnten, suchen ein stilles Örtchen im Freien. Auf der Rückfahrt müssen wir uns neidlos eingestehen, dass kein anderer Fjord dem Geirangerfjord das Wasser reichen kann, was Ausstrahlung, Eindrücke und Naturschönheit betrifft. Auch wir erkennen, dass diese Aussicht in den von Schneegipfeln gesäumten Fjord in der Rangliste der Fotomotive ganz oben steht.

Der „Böllermann“ verabschiedet uns wieder mit dreifachem Salut, und später gesteht Isolde, dass sie auf der Kom-mandobrücke den letzten Signalton abgeben durfte.

Auch auf der Rückfahrt aus dem Geirangerfjord juckt mein fotohungriger Finger, und ich fange nun von Bord aus weitere Fotomotive ein, so auch eine Stelle auf der Backbordseite, wo Schiffe auf der 500 Meter senkrecht aufsteigenden Felswand ihre Namen eingraviert haben. Leider zieht sich aber am Nachmittag der Himmel zu, und auch die Temperaturen sinken ab. Dennoch hoffen wir, dass das Wetter auch noch am letzten Ausflugstag hält.

Nach dem Abendessen teilt sich die Gruppe wieder auf. Während die einen einer Show der Illusionen mit dem österreichischen Staatsmeister der Magie zusehen, bevorzugen andere das klassische Konzert mit Musik des norwegischen Komponisten Grieg.

Die erwartete „Große Disco-Nacht“ fällt der allgemeinen Müdigkeit zum Opfer, und auch das Motto „Verschieben Sie Ihr Diät-Programm auf Zuhause“ lässt uns nahezu kalt, lediglich einige Naschkatzen unserer Gruppe können dem angepriesenen Kaiserschmarren nicht widerstehen. Der Wind pfeift ums Schiff und die hohen Wellenberge verbreiten doch ein wenig Unbehagen, als wir kurz nach Mitternacht in unsere Kabinen zurückkehren.

Donnerstag,10. Juni

Heute küsst uns Lutz musikalisch mit der Erkennungsmelodie wach. Während der Nacht hat der hohe Wellengang angehalten. Nicht jeder konnte die Nachtruhe genießen. Zu sehr hat unser Schiff geschaukelt. Die Wolkendecke ist nicht aufgerissen, was wir uns so sehr gewünscht haben. Erstmals können wir die Sonne am frühen Morgen nicht sehen. Werden wir wirklich einen Regentag erdulden müssen? So gehen wir aber zunächst einmal zum Frühstück. Das Wetter können wir ohnehin nicht beeinflussen.

Lutz beschwört nochmals mit dem Song „Guten Morgen, Sonnenschein“ das Wetter und „ermahnt“ uns mit dem Tagesspruch:„Wer nicht genießen kann, wird ungenießbar.“

Um 8.30 Uhr haben wir in Bergen festgemacht. Eine dichte Regendecke legt sich über die Stadt. Die Meisten unserer Gruppe haben sich für den Tagesausflug zum Hardangerfjord entschieden. Zunächst fahren wir durch Bergens Innenstadt. Der örtliche Reiseleiter Martin Henze gestaltet eine sehr einfühlsame, anregende und informative Stadtführung per Bus, und dabei vergessen wir zunächst das Tief, das sich in der Region bergen festgesetzt hat. Die Fahrt führt an der Festhalle vorbei, dem Rest der ehemaligen Hansahäuser, dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden pittoresken Fischmarkt, den wir allerdings erst nach Beendigung der Tagesfahrt besuchen wollen.

Wir schauen auf „Die Mauer“, das erste Wohnhaus, das aus Stein gebaut wurde, hören die Informationen über die besonders schweren Explosions- und Brandunglücke, die das heutige „Tor zu den norwegischen Fjorden“ heimsuchten.

Henze macht uns auch auf die Regenschirmautomaten aufmerksam, die derzeit in Bergen wie die Pilze aus dem Boden schießen, verständlich, wenn wir erfahren, dass Bergen die regenreichste Stadt Norwegens ist. Das Aquarium, so eine Art Unterwasserzoo, wird vornehmlich von der norwegischen Stammbevölkerung besucht. Als bedeutendstes Jugendstil-gebäude Skandinaviens  stellt uns der Reiseführer das Theater vor. Der in den 60er Jahren einsetzende Ölboom hat wesentlich zur Verbesserung der Infrastruktur beigetragen. Dem Hoch-technologiezentrum ist es zu verdanken, dass deren Forschungsergebnisse die Ausbeute bei der Ölförderung nahezu verdoppelt haben. Auch die Heilsarmee, so Henze weiter, unterhält in allen größeren Ortschaften einen Secondhand-Laden mit verbilligten Waren vorwiegend für Ruheständler. Auch die „amerikanische Botschaft“, ein Mc Donald, liegt am Weg, bevor wir die Stadt in südlicher Richtung verlassen und lediglich zu einem kurzen Fotostopp an den Ruinen des geschleiften Lyseklosters anhalten.

Unsere besondere Aufmerksamkeit nehmen die blühenden Rhododendron-Büsche in Anspruch. Kurz vor 11 Uhr überqueren wir bei strömendem Regen mit der Fähre den Samnanger-Fjord.  Das schlechte Wetter nutz unser örtlicher Reiseführer, uns über das Gastgeberland Norwegen zu informieren:

„ Norwegen ist das Land mit der höchsten Lebensqualität. Bei 42 Wochenarbeitsstunden erreichen die Norweger das Rentenalter erst mit 67 Jahren. Sie haben weit weniger Urlaub als deutsche Beschäftigte, ebenfalls weniger Feiertage. Die Lebenskosten sind allerdings doppelt so hoch. Ab 16 Jahren müssen die Zahnbehandlungen privat getragen werden. Der Krankenhausaufenthalt ist kostenlos und dauert immer nur wenige Tage. Die Patienten werden sehr rasch in die Obhut des Hausarztes zurückgegeben. 80% der Wohnungen sind in privater Hand.

Die Lebenserwartung liegt bei Frauen bei 82 Jahren, bei Männern durchschnittlich bei 79 Jahren. Ein enormer Druck geht auf junge Beziehungen aus. 50% der Paare leben ohne Trauschein. Von den restlichen 50% werden durchschnittlich wieder 46% der Ehen wieder geschieden.

Der Staat zeigt sich sehr kinderfreundlich. Frauen mit einem Kind können sich entscheiden, ob sie ein Jahr nach der Entbindung mit einer Vergütung von 80% des letzten Nettolohnes leben wollen oder dem Modell acht Monate bei 100% den Vorzug geben. Kinder werden schon mit einem Lebensjahr betreut, so dass auch die Mütter wieder ihren reservierten Arbeitsplatz einnehmen können.  Die Arbeitslosigkeit liegt bei 3,5 – 4,5%, wobei diese Arbeitslosigkeit zu 10% aus einer Unterqualifizierung resultiert. Der Ausländeranteil liegt bei 4,5%. Davon sind aber nur die Hälfte Nichteuropäer.“

Um 12.15 Uhr kommen wir am Hardangerfjord an. Es regnet immer noch. Er ist durchschnittlich 10 km breit und weist eine Tiefe von 800 Meter auf. Gegen Mittag erreichen wir die Ortschaft Norheimsund, wo für uns ein Mittagessen vorbereitet ist und zwar im gleichen Hotel Sandvern, wo schon Kaiser Wilhelm das erste Essen auf norwegischem Boden einnahm. Alle sind vom warmen und kalten Buffet begeistert und greifen auch mächtig zu.

Um 14.45 Uhr treten wir die Heimfahrt an. Der mächtige Steindalfossen-Wasserfall zieht uns bald in seinen Bann. Er ist der einzige seiner Art, hinter dem man auf die mächtigen Wassermassen blicken kann, die 20 Meter im freien Fall ins Tal stürzen. Die Fahrstraße führt danach durch die Takapille-Schlucht mit einem guten Dutzend Tunnels. Auch am Kvamskogen-Wasserfall drängen die Fotografen nach draußen.

Nach höchst interessanter Fahrt kehren wir nach Bergen zurück. Wir haben noch genügend Zeit bis zum Ablegen der Maxim Gorki. Der Busfahrer fährt die zehn „Unermüdlichen“ zum traditionellen Fischmarkt zurück, einem Anziehungspunkt, dem kaum ein Tourist widerstehen kann. Den 1,5 km langen Rückweg werden wir zu Fuß bewältigen. Um 18 Uhr sind wir schon wieder zurück, nehmen das Nachtessen ein und vereinbaren unseren zweiten Info-Treff.

Freitag, 11. Juni

Die Sonne ist zwar aufgegangen, aber vor lauter Müdigkeit und einer dichten Wolkenschicht konnten wir die Sonne nicht ausmachen. Gegen 7 Uhr, informiert uns der Bordsprecher, sind wir bereits in den Lysefjord eingefahren. Diese Einfahrt haben die Wenigsten mitbekommen. Unser Körper brauchte endlich einmal etwas Ruhe. Doch nach dem Frühstück werden wir putzmunter, als uns der Bordsprecher auf die Felsenkanzel Preikestolen aufmerksam macht, die 600 Meter senkrecht aus dem Fjord aufsteigt. Die Fjordlandschaft hat sich zwar verschleiert, doch im richtigen Augenblick haben wir freie Sicht auf diese Naturschönheit.

Nach dem Frühstück wollen wir unseren eigenen Fototermin realisieren. Leider hat unser Reisebegleiter vergessen, uns auf die Mitnahme der „Yakee travel – Mütze“ hinzuweisen, so müssen einige wieder zu den Kabinen zurückkehren. Aber für ein gutes, zudem billiges Foto, sind doch fast alle bereit, den Weg zur Kabine nochmals zu gehen. Zwei verschiedene Stellen haben wir ausgesucht: mit Blick auf den markanten Schornstein und mit Blick auf die offene See.

Kurz danach setzt die „Zitterpartie“ ein. Unser Reisebegleiter will den Videofilm über diese Nordlandreise mit kleinen Statements aller Gruppenmitglieder beenden. Es gibt kein richtiges Interview, und die Beiträge fallen recht unter-schiedlich aus. Peter will keinerlei Änderungen oder Abstriche vornehmen, und so sind alle schon auf die erste Vorführung gespannt, die allerdings einige Zeit auf sich warten lassen wird.

Den gestern noch erwünschten Sekt-Frühschoppen lassen wir ausfallen, reagieren flexibel auf die vorgebrachten Wünsche. Die gestrige Schnapsrunde war vielleicht doch zu viel, und wir wollen die heutigen Aktivitäten nochmals in vollen Zügen genießen.  Mit zwei besonderen Geschenken wartet die Reisegruppe für die beiden Reibegleiter auf. Die CD „The Best of Grieg“ wird bei der Vertonung der Video-Dokumentation beste Verwendung finden, und Irmgards Steinmännchen bekommt in der Vitrine einen Ehrenplatz.

Dann hat jeder große Mühe, die vielen Termine noch unter einen Hut zu bekommen:

10.00 Abholung der Reisepässe

10.15 Abholung der bestellten Bilder

10.30 Videofilm Nordkapreise

11.00 Abschiedsfrühschoppen

12.30 Mittagessen

15.30 Filmdokumentation

16.00 Kaffeestunde

17.30 ökumenischer Gottesdienst

19.00 Abschiedscocktail

19.30 Abschiedsessen

21.30 Do Swidanja

Langeweile kam auch an diesem Tag nicht auf, und am Nachmittag kam auch noch die Sonne durch. Nach der Abschiedsshow treffen wir uns nochmals im geblumten Separée und lassen gereimt die besonderen Ereignisse an uns vorüber ziehen.Der harte Kern will nicht vor Mitternacht die Kabinen aufsuchen, sondern wagt im Captains Club noch ein Tänzchen und genießt einen abschließenden Pfefferwodka. Die Koffer müssen spätestens um 4 Uhr vor der Kabine stehen. Die restliche Zeit reicht uns noch spielend.

Samstag, 12. Juni

Das heutige Tagesprogramm steht ganz auf Abschied. Auf der Vorderseite haben die verantwortlichen das schottische Abschiedslied  „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr“ abgedruckt. Kommt da nicht ein bisschen Wehmut auf, wenn wir die recht angenehme Zeit auf der Maxim Gorki   Revue passieren lassen?

Dann lesen wir aber auch eine chinesische Spruchweisheit:

„Leuchtende Tage, nicht weinen, dass sie vergangen,

lächeln, dass sie gewesen, denn Ihr habt sie gelebt!“

Jeder mag sich daran erinnern, was er gerade am letzten Tag gefühlt hat.

Äußerst interessant finden wir aber die Aufstellung über die zurückgelegte Reisestrecke und die Mengen des Verzehrs.  Unser Kreuzfahrtschiff hat auf dieser Reise „Nordkap und Norwegens schönste Fjorde“ eine Strecke von 3282 Seemeilen zurückgelegt. Dies entspricht einer Entfernung von 6078 Kilometern.

Überrascht sind wir , was auf dieser Reise verbraucht wurde:

Fisch 2350 kg; Fleisch 6140 kg; Gemüse 10200 kg; Obst 16350 kg; Speiseeis 1850 Liter; Eier 28650; Rotwein 2650 Liter; Weißwein 2540 Liter, Wodka 576 Liter; Fassbier 1380 Liter; Flaschenbier 1155.

 

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Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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