Wie Reedereien und Häfen zusammenrücken

Costa Crociere hat nach der Freigabe des italienischen Flaggenstaates ihr neues umfassendes Betriebsprotokoll umgesetzt. Zur aktuellen Lage hat das Unternehmen folgendes Statement herausgegeben:

Costa Crociere setzt sich für ein sicheres und gesundes Reisen für alle Passagiere und die Besatzung an Bord ein. Auf Unternehmensebene (Costa Group) pflegen wir eine langfristige enge Zusammenarbeit mit den zuständigen internationalen Gesundheitsbehörden, und wir arbeiten daran, sicherzustellen, dass auf allen Kreuzfahrten strikte Gesundheits- vorkehrungen und -verfahren gelten.

Es ist unsere oberste Priorität, die Gesundheit und Sicherheit von Passagieren und Besatzung zu gewährleisten, daher werden während dieser Zeit zusätzlich folgende Maßnahmen durchgesetzt:

Alle Gäste mit einem Reisepass aus China/Taiwan/HK erhalten einen Gesundheitsfragebogen vor der Einschiffung, und medizinisches Personal steht zur Verfügung, um bei Bedarf zusätzliche Untersuchungen der Gäste, der Besatzung und der Besucher durchzuführen.

Wer eine Krankheit hat, die für die internationale öffentliche Gesundheit von Bedeutung ist, darf nicht an Bord gehen.

Costa arbeitet in enger Koordination mit der zuständigen Gesundheitsbehörde in jedem Hafen, der angelaufen wird, zusammen.

Wir schenken der aktuelle Lage und Entwicklung der Epidemie gemäß den Angaben der WHO und der CDC – immer in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Behörden und unseren lokalen Partnern vor Ort – größte Aufmerksamkeit.“

Diese positive Entwicklung ergibt auch die enge Zusammenarbeit mit den Häfen. So konnte Costa Crociere beispielsweise eng mit dem Hafen Piombino zusammenarbeiten. Innerhalb der Restartroute sind nunmehr noch die beiden italienischen Häfen Corigliano und Syrakus dazugekommen, die im normalen Betrieb nicht genutzt werden. Bislang klappte bereits die Zusammenarbeit mit italienischen Häfen insofern, als Costa Crociere regelmäßige Lebensmittelspenden für die italienische Tafel realisierte.

Kreuzfahrtbranche in schwerer See

Noch bis zum Jahreswechsel war die Kreuzfahrtbranche eine reine Goldgrube. Die Anbieter der Kreuzfahrten konnten die Nachfrage kaum befriedigen. Verschiedene Reedereien sahen sich i der Pflicht, immer größere Kreuzfahrtschiffe bauen zu lassen, und aus den übersichtlichen „schwimmenden Hotels“ wurden Riesenpötte, die bald an der 7000er-Grenze kratzten.

Ein kleiner Virus legt schwimmende Kleinstädte lahm

Doch dann legte das kleine Virus die mächtigen „schwimmenden Kleinstädte“ an die Leine. Seit März dümpelten die Kreuzfahrtschiffe meist in den Häfen. Die einzelnen Crews waren in ihre Heimatländer zurückgekehrt, lediglich eine geringe Schrumpfmannschaft blieb zur Unterhaltung und zur Durchführung kleinerer Reparaturen an Bord. Diese Entscheidungen mussten getroffen werden, weil das Ansteckungsrisiko an Bord auf engstem Raum zu groß war.

Reedereien reagieren mit Sicherheitskonzepten

Die Reedereien blieben allerdings nicht untätig. Detaillierte Sicherheits- und Hygienekonzepte wurden erarbeitet, und man hoffte auf einen Neuanfang, wenn auch mit geänderten Bedingungen und Beschränkungen, so beispielsweise lediglich mit einer 50%-igen Auslastung und dem Verzicht auf Landgänge. Einzelne Reedereien sind nun vorgeprescht und haben Minikreuzfahrten mit geringer Dauer und eingeschränktem Bewegungsradius angeboten.

Sicherlich hat jeder Verständnis dafür, dass die Reedereien sich besonders bemühen müssen, die Verluste, die das Virus bislang den Reedereien beschert hat, so gering wie möglich zu halten. Bereits heute mussten die Reedereien Verluste in zweistellige Milliardenhöhe hinnehmen. Kurzarbeiten in den Werften waren ebenfalls eine Folge . Für die bereits bestellten 100 Kreuzfahrtschiffe musste der Bauprozess verlangsamt werden. Bereits eine Vielzahl von älteren Kreuzfahrtschiffen wurden zur Verschrottung freigegeben.

Erste Kreuzfahrten finden wieder statt

Erste Kreuzfahrtschiffe sind aufs Wasser zurückgekehrt. Die Sehnsucht auf das Kreuzfahrterlebnis scheint ungetrübt zu sein. Doch es stellen sich viele Fragen nach dem Versuch, zur Normalität zurückzukehren. Fühlt sich eine Kreuzfahrt unter den strengen Sicherheits- und Hygienebedingungen noch an wie ein Urlaub? Was ist von der Sehnsucht Kreuzfahrt geblieben?

Richtig ist, dass solche Kreuzfahrten in engen Grenzen nach wie vor ein gewisses Risiko mit sich bringen. Wer derzeit eine Kreuzfahrt bucht, unternimmt sie auf eigene Gefahr. Nicht alle Passagere halten sich aber strikt an die Vorgaben. Die Besatzungsmitglieder haben den ersten Erfahrungen nach schon erhebliche Mühe, die strenge Auflagen durchzusetzen und die Passagiere immer wieder anzuhalten, sich gemäß der detaillierten neuen Konzepte zu verhalten. Um das Risiko einer Infizierung zu vermeiden, wird auf den Kreuzfahrtschiffen ständig und erheblich desinfiziert.

Kreuzfahrten ohne Landgänge

Landgänge bleiben nach wie vor tabu. Gerade deutschen Passagieren werden diese Bereiche der Urlaubsgestaltung aber fehlen. Auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen ist das Kreuzfahrtschiff das Ziel der reise, deutsche Passagiere erwarten aber die Begegnung mit fremden Menschen, Kulturen und Ländern.

MSC Grandiosa mit Gästen aus den Schengen-Ländern

Lange musste MSC Cruises auf den Restart warten, der nun endlich möglich wurde, nachdem der Flaggenstaat Italien die behördlichen Genehmigungen erteilte. Dem Unternehmen war es gelungen, das richtige Maßnahmenpaket und ein Schutzpaket zu entwickeln, um die Gesundheit und Sicherheit der Gäste, der Besatzungsmitglieder und auch der Menschen in den besuchten Orten zu schützen.

Jedem Passagier wurde ein eigenes Zeitfenster für die Einschiffung zugeteilt, um die umfangreichen Gesundheitskontrollen zu gewährleisten, so die Temperaturmessung vor der Einschiffung, den medizinischen Check des Gesundheitsfragebogens und einen Covid-19-Antikörper-Abstrichtest. Nach der Desinfektion des Handgepäcks und des aufgegebenen Gepäcks wurde den Gästen ein kostenloses Armband mit der MSC for Ma Smart-Ship-Technologie übergeben, damit die Passagiere an Bord kontaktlos die Kabinentür öffnen und auch die Bordservices bezahlen können.

Erstmals kann nun auch eine Reederei auf Landgängen besondere Attraktionen besuchen. Dies geschieht mit einem vorab desinfizierten Transferbus, in dem auch Social Distancing eingehalten wird.

Restart und Leinen los für Mein Schiff 2

Angesichts der Covic-19-Pademie bleibt die Zukunft der Kreuzfahrtbranche ungewiss. Die Diskussionen reißen nicht ab, Pessimisten und Optimisten überbieten sich in Argumenten für einen Restart oder den weiteren Stillstand. Da heißt es beispielsweise: „Wer derzeit eine Kreuzfahrt bucht, ist selber schuld.“ oder „Das ist doch kein Urlaub, wenn ich den ganzen Tag eine Maske tragen muss.“ Das Lager ist gespalten. Eine Reederei will den Beweis antreten, dass eine Kreuzfahrt auch unter Corona-Bedingungen funktioniert.

TUI Cruises hat den Schritt gewagt. Seit ein paar Tagen ist die „Mein Schiff2“ nach monatelanger Zwangspause mit 1200 Passagieren zu einer dreitägigen Mini-Kreuzfahrt unterwegs über die Nordsee in Richtung Norwegen. Ist diese Kreuzfahrt genau so wie früher oder eben doch ganz anders?

Recht flexibel geht man nun an Bord der „Mein Schiff 2“ mit den Mahlzeiten um. Nicht nur in den Restaurants gilt „Social Distancing“. Auch auf regelmäßiges Händewaschen und desinfizieren wird beonders geachtet. Die Kellner tragen Masken, und die Gäste nehmen an den Tischen, die mit ausreichend Abstand von einander platziert sind, Platz. Die bislang gewohnten Besteckständer gehören der Vergangenheit an. Jeder Gast erhält, nachdem er Platz genommen hat, dicht in Papier verpackt sein Besteck.

Jeder Gast kann dann aufstehen, ans Buffet gehen, dort seine individuellen Bestellungen aufgeben, die dann ein Kellner umgehend erfüllt. Kein Gast kann sich nun mehr selbst bedienen, das gewohnte Buffet gehört der Vergangenheit an. Die Gäste verhalten sich äußerst diszipliniert. Die Erwartungen der Reederei, die auf ein verantwortungsvolles Verhalten aller Gäste gezählt hat, erfüllen sich. Die Gäste legen immer dann die Masken an, wenn ein Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann.

Um die notwendigen Distanzregeln einzuhalten, müssen die Passagier, die ein Programmangebot annehmen möchten, über das kostenfreie Bordportal die Teilnahme reservieren lassen. Die Passagiere haben viel Platz, denn von möglichen 2.900 Passagieren sind lediglich 1.200 Gäste an Bord. Die Passagiere verlaufen sich an Bord, es ist – so die Beobachtungen – fast leer an Bord. Auch die Fahrstühle sind leer. Lediglich vier Personen dürfen gleichzeitig einen der geräumigen Fahrstühle benutzen. Was besonders an Bord außerdem auffällt, sind die Desinfektionsspender an allen Ecken. So wird Sicherheit geboten, und die Gäste, so werden die ersten Eindrücke geschildert, fühlen sich an Bord wohl und auch sicher.

Diese erste Ausfahrt der „Mein Schiff 2“ rechnet sich zwar nicht, doch die Reederei erhält ein wenig Liquidität in die stark lädierte Kasse, denn die Reedereien erwirtschaften ihre Gewinne nicht nur aus dem Preis für die Passage, sondern auch aus den besonderen Angeboten an Bord, aus der Gastronomie, den Boutiquen und den Landgängen, die allerdings bei diesem Neubeginn ausgeschlossen sind. Summa summarum: Die Zukunft der Kreuzfahrtbranche bleibt ungewiss, solange die Corona-Gefahr nicht gebannt ist.

Griechenland öffnet Häfen -ob das gut geht?

Die Berichte überschlagen sich, und nicht nur die Virologen äußern ihre Bedenken, dass durch die sich ständig mehrende Sorglosigkeit der Menschen nicht nur die Infektionszahlen steigen, sondern auch die Befürchtung einer zweiten Pandemie-Welle real wird. So wundert sich auch kaum jemand, dass beispielsweise Griechenland angesichts steigender Corona-Infektionszahlen zur allgemeinen Maskenpflicht in Geschäften und anderen geschlossenen öffentlichen Räumen zurückgekehrt ist.

Trotz der Tatsache, dass Griechenland im europäischen Vergleich eine relativ niedrige Ansteckungsrate aufweist, kommt die Nachricht relativ überraschend, dass Griechenland ab dem 1. August 2020 die sechs Häfen Piräus, Rhodos, Heraklion, Korfu, Katakolon und Volos für Kreuzfahrtschiffe öffnet.

Jeder weiß, dass Griechenland in besonderem Maße vom Tourismus abhängig ist. Griechenland ist nun das erste europäische Land, das nunmehr für den Anlauf von Kreuzfahrtschiffen in den sechs Häfen wirbt. Jeder, der aufmerksam die Nachrichten über die Bemühungen der einzelnen Reedereien verfolgt, einen Restart zu realisieren, weiß aber auch, dass bislang zwar Schnupper- und Minikreuzfahrten angeboten und auch durchgeführt werden, allerdings aber ohne Landgänge.

Nun einige Kreuzfahrt-Fans können sich vorstellen, eine längere Kreuzfahrt mit Maskenpflicht, besonderen Hygiene- und Sicherheitsregeln und ohne jegliche Landgänge zu buchen. Was bewegt aber dann Griechenland, sechs Häfen für Kreuzfahrtschiff-Anlandungen zu öffnen. Sind es allein kommerzielle Gründe, durch Hafengebühren und Versorgungslieferungen die lädierten Kassen aufzufüllen?

Trauerspiel für Kreuzfahrtfans

Noch nie zuvor hat es in der Kreuzfahrtbranche einen Wandel gegeben, wie er sich derzeit den Kreuzfahrtfans offenbart. Zu Beginn der Coronakrise versuchten die großen Kreuzfahrtkonzerne, sich Liquiditäten zum Erhalt ihrer Flotten zu besorgen, mussten allerdings bald erkennen, dass weitere tiefgreifende Maßnahmen erforderlich werden, um den Abwärtstrend aufzuhalten und den Erhalt der Unternehmen zu sichern.

Bereits vor Wochen überraschten Meldungen die Kreuzfahrtfans, dass verschiedene Unternehmen damit beginnen, ihre Flotten zu verjüngen und auch zu verkleinern. Kleinere Unternehmen mussten bereits Insolvenz anmelden und haben den Kreuzfahrtbetrieb komplett eingestellt. Ein Schreckgespenst hat alle Kreuzfahrtfans aufgeschreckt: Verschrottung!

Die Meldungen überschlagen sich, teils haben sie sich längst bewahrheitet, andere sind noch in die Schublade „Gerüchte“ einzuordnen. Gesichert scheinen die Meldungen, dass die Costa Victoria, MS Monarch, MS Sovereign, MS Horizon, Carnival Fantasy und Carnical Inspiration bereits die Abwrackwerft Aliaga (Türkei) erreicht haben.

Unklarheit herrscht noch über das Schicksal der Carnival Fascination und Carnival Imagination: Verkauf oder Verschrottung?

Das Trauerspiel setzt sich ständig fort. Sicherlich werden auch weitere in Deutschland beliebte Kreuzfahrtschiffe vom Kreuzfahrtmarkt verschwinden. Belegbare Meldungen liegen allerdings noch nicht vor. So muss abgewartet werden, ob sich einige Konzerne oder deren Schiffe, wieder einen Neustart wagen oder vom Kreuzfahrtmarkt verschwinden werden.

Geglückter Restart von Flusskreuzfahrten, aber auch Rückschläge

Die ersten Flussreiseanbieter haben ihre Planungen realisieren können. Mitte Juni hat A-ROSA ihren Restart erfolgreich vollzogen. An Bord weilten einige Gruppen und FIT-Gäste, die zur Umsetzung des Sicherheits- und Hygienekonzepts ein erfreuliches Feedback gaben.

Auch Nicko Cruises zählte zu den ersten Anbietern von Flussreisen wegen der Corona-Pandemie. Doch leider musste der Anbieter einen herben Rückschlag hinnehmen. Die aktuelle Reise der Rhein Symphonie musste wegen eines Maschinenschadens abgesagt werden. Als Ersatz soll nunmehr die River Voyager eingesetzt werden.

Während die Anbieter von Flussreisen den Kreuzfahrt-Anbietern bereits ein paar Schritte voraus sind, komplettieren sich allmählich die Reihen der Flussreisen-Anbieter. Auch das Bonner Unternehmen Phoenix Reisen hat auf dem Fluss wieder den Betrieb aufgenommen. Mit der MS Switzerland war der Bonner Reiseveranstalter auf dem Rhein und der Mosel unterwegs.

Alle Anbieter haben ein detailliertes Sicherheits- und Hygienekonzept entwickelt, damit sie der Sicherheit ihrer Gäste höchste Priorität einräumen können. Dazu gehört u.a. das Ausfüllen eines Gesundheitsfragebogens, die Messung der Körpertemperatur, das Tragen eines Mund-Nasenschutzes in den öffentlichen Bereichen und auch die Einhaltung des Mindestabstandes.

Mit den ersten positiven Erfahrungen verbindet sich aber auch die Hoffnung, dass sich auf den Schiffen nicht die Nachlässigkeit bei der Beachtung erforderlicher Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Verbreitung des Corona-Virus einschleicht, die bereits vielerorts leider fast überall wieder zu beobachten ist.

Restart von Kreuzfahrten unter strengen Auflagen

Der Reiz einer Hochseekreuzfahrt ist verblichen. Zwar versuchen einzelne Reedereien mit Mini- und Kurzreisen zur Wiederbelebung der Kreuzfahrt beizusteuern, doch bleibt es bisweilen beim Versuch, wieder eine Rückkehr zur gewohnten Normalität zu erzeugen.

Schlagworte wie „Borderlebnis pur“ können nicht darüber weg täuschen, dass Kreuzfahrten ohne Landgänge, ohne besondere Attraktionen und Ausflüge, aber mit Social Distancing, Maskenpflicht und Hygieneregeln keine Rückkehr zur Normalität bedeutet.

Eingeschränkt bleiben an Bord das soziale Leben und die Unterhaltung, und jeder Gast, der sich auf das Wagnis Kreuzfahrt einlässt, muss die Frage, ob diese derzeitige Form von Urlaub auf See noch attraktiv ist, für sich selbst beantworten.

Die Reedereien haben zwar Notfallpläne ausgearbeitet, um bei Verdachtsfällen Gäste schnellstmöglich an Bord zu isolieren und zur Weiterbehandlung in ein geeignetes Krankenhaus an Land bringen zu können, doch können diese Strategien kaum die bislang gewohnte Sicherheit gewährleisten. Sicher ist, dass Kreuzfahrten erst dann wieder wie vor der Krise gelingen können, wenn der ersehnte Impfstoff vorhanden ist.

Wenn auch die Kreuzfahrt langsam wieder angelaufen ist, gibt es ebenso rasch auch wieder Rückschläge. So wurden vier Besatzungsmitglieder der Roald Amundsen (Hurtigruten) positiv auf das Coronavirus getestet, und alle 160 Crewmitglieder ging es umgehend in Quarantäne. Doch Hurtigruten ist nicht der einige Kreuzfahrt-Anbieter, bei dem sich Probleme mit dem Restart ergeben haben. Auch bei Crewmitgliedern anderer Redereien, die von ihren fernen Heimatländern eingeflogen wurden, wurden Infektionen festgestellt.

Auf manche Reedereien stürzen noch weit größere Probleme ein. Manche Reedereien geben einige ihrer Kreuzfahrtschiffe zur Verschrottung bei. Die Liste der Schiffe, die auf dem Weg zur Abwrackwerft Aliaga (Türkei) sind bzw. bereits dort angelangt sind, wird stetig größer.

Kreuzfahrt – Quo vadis?

Dass die Corona-Flaute der Kreuzfahrtbranche erheblich zu schaffen macht, liegt auf der Hand. Das Covid-19-Virus hat die Kreuzfahrtindustrie in die Knie gezwungen. Statt den erwarteten Einnahmen schlagen nunmehr recht hohe Ausgaben zu Buche. Allein das Bonner Kreuzfahrtunternehmen Phoenix Reisen muss mehr als fünf Millionen Euro für ihre Flotte investieren, die in den Häfen bzw. auf den Docks kleinere Reparaturaufgaben erledigen. Hinzu kamen bislang noch ca. 15 Millionen Euro für die Rückführung der auf den Weltmeeren gestrandeten Gäste und Crewmitglieder sowie für die Rückerstattungen der abgesagten Schiffsreisen. Aber nicht nur Phoenix Reisen musste bereits mehrstellige Millionen-Kredite bei den Banken anfordern.

Obwohl die Schiffe beispielsweise in den Docks Millionen Euro täglich verschlingen, setzen die Reedereien alles daran, ihre Schiffe für den Betrieb nach einem Restart zu erhalten, und sie nutzen die Zeit auch für die Zukunft. Es ist allerdings nicht leicht, machbare Lösungen für den Wiedereinstieg zu finden, da es nicht leicht fällt, die unterschiedlichsten Konzepte zu koordinieren.

Die Pandemie hat aber nicht nur die Konzerte in mehrerer Hinsicht getroffen. Allein in Deutschland stecken mehr als 11.000 Reisebüros in der größten Krise der Reisewirtschaft. Christian Baumann, beispielsweise, der jahrelang als Zweiter Offizier bei Phoenix Reisen zur See gefahren ist, setzte nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst auf das stetige Wachstum der Kreuzfahrtbranche. Doch das Covid-19-Virus zerbrach ein lohnendes Geschäft und statt Verkaufen von Kreuzfahrten heißt es nunmehr nur noch vertrösten. Lediglich die Tatsache, dass statt Storno der Reisen nun auch Umbuchungen stattfanden, ließ die Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Pandemie wieder aufkeimen.

Für den Naturschutzbund Deutschland ist der Stopp der Kreuzfahrtindustrie ein zweischneidiges Schwert. Die CO2-Emission der Kreuzfahrtschiffe wurde zwar durch den allseitigen Stopp drastisch reduziert, doch diese Verbesserungen sind keineswegs nachhaltig. Sobald die Kreuzfahrtbranche wieder in sichere Fahrwasser gelangt, treten die gleichen Probleme wieder zutage. Der Schadstoffausstoß durch die Luft belastet nach wie vor die Städte, in den die Kreuzfahrtschiffe gerade liegen.

In der Zwischenzeit geht die Suche nach alternativen Brennstoffen weiter. Statt Schweröl wird künftig vorwiegend Marineöl eingesetzt. Die Kreuzfahrtindustrie übernimmt quasi eine Vorreiterrolle für die gesamte Schifffahrt, ist der Innovationstreiber. Durch den öffentlichen Druck zielen die gesamten Entscheidungen in die richtige Richtung. Wichtig ist aber auch, zu wissen, dass ohne das Geld aus der Kreuzfahrtbranchen nicht in umweltfreundliche Antriebe investiert wird. Fehlen die Milliarden aus der Kreuzfahrtbranche, kommt es zu einem Stillstand bei der Suche nach umweltfreundlicheren Technologien.

Dem Branchenverband CLIA (Cruise Line International Association) stiegen in den letzten zehn Jahren die jährlichen Passagierzahlen von 17,8 Millionen auf 30 Millionen. Auch für 2020 ging CLIA von einer weiteren Steigerung aus. Doch das Corona-Virus zwang die Kreuzfahrt in die Knie. Wie es wirklich weitergehen wird, ist schwer einzuschätzen. Von einer Euphorie ist nichts zu spüren. Doch die Hoffnung bleibt erhalten, zumal die Zahl der Vorbuchungen für Kreuzfahrten enorm ist. Weltweit muss es zu einheitlicheren Regelungen beim Umgang mit der Pandemie kommen. Die Frage bleib, ob es tatsächlich zu einem zeitnahen Comeback ohne einen wirksamen Impfstoff kommen kann. Geplant sind eine Weiterfahrt mit Social Distancing-Plänen, einer geringeren Auslastung von ca. 50 bis 60%, ständigen Temperaturmessungen, Absage an Buffets, keine Landgänge und eine effiziente Umsetzung detaillierter Hygiene- und Sicherheitskonzepte an Bord.

Die Frage bleibt: Sind Passagiere, Länder und Städte für diese geplanten Maßnahmen schon bereit? Wird die Maßzahl „Mehr Meer statt mehr Land?“ die erwartete Akzeptanz finden? Quo vadis Kreuzfahrt? Wer kennt schon eine verbindliche Antwort?

TUI Cruises: Cruises to Nowhere

TUI Cruises to Nowhere

Die gesamte Kreuzfahrtbranche, sowohl für Flussreisen als auch für Hochseereisen, hat nach dem gewaltigen Schock, den die Covod-19-Pandemie auslöste, detaillierte neue Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt, um bei einem Restart die Sicherheit von Gästen und Crew zu gewährleisten. Nachdem einige Flussreiseanbieter erfolgreich erste Flussreisen absolvierten, folgte AIDA Cruises mit der Ankündigung, Hochseereisen in drei Phasen anzubieten.

Nun steigt auch TUI Cruises wieder in das Hochseegeschäft ein und bietet ab Ende Juli bis Anfang August besondere Schiffsreisen unter dem Titel “Cruises to Nowhere“ an, bei denen ausschließlich Seetage stattfinden, Landgänge aber ausgeschlossen werden. Im Unterschied zu den bisherigen routinemäßigen Seereisen starten und enden diese kürzeren Schiffsreisen in deutschen Häfen.

Bei diesen neuen Schiffsreisen steht das Mein-Schiff-Erlebnis im Vordergrund. Die Gäste sollen sich endlich wieder eine Auszeit auf dem Meer gönnen können bei einem angepassten und erweiterten Gesundheits- und Sicherheitskonzept.

Neu ist auch, dass die Belegung der Schiffe auf 60% begrenzt ist. Die Unterbringung der Gäste erfolgt ausschließlich in Balkonkabinen und Suiten. Passagiere ab 65 Jahren müssen durch ein ärztliches Attest ihren Gesundheitszustand nachweisen,, der die Teilnahme an einer Schiffsreise rechtfertigt. Durch die Möglichkeit, an Bord Schnelltests zu Covid19 durchzuführen, können erkrankte Gäste umgehend in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden.