Seelsorger auf großer Fahrt

 

„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“

Der Rest einer vergangenen Epoche „christlicher Seefahrt“ findet sich heute noch auf Kreuzfahrtschiffen: die Bordgeistlichen. Mit dem früheren Schiffs-Prediger, dem „Seligmachermaat“, hat allerdings der heutige Urlaubs-seelsorger nichts mehr gemein.

Heute treten Kirchenbeamte, Pfarrer und Geistliche beider Konfessionen, auf einem Kreuzfahrtschiff ihren Dienst an. Ihr Gehalt läuft weiter, wenn der Geistliche seinen Dienst an Bord versieht. Für die Reederei ist dies eine günstige Lösung, geradezu billig, denn sie bezahlt lediglich in Naturalien: kostenloser Aufenthalt und kostenlose Vollpension. Der Geistliche, der sich auf ein Engagement „Bordseelsorge“ einlässt und an Bord den „Passagierstatus“ hat, weiß, dass er auf einem Kreuzfahrtschiff gegebenenfalls auch das „Kabinenwechselfieber“ bekommt. Je nach Belegung muss er auch einmal die Kabine wechseln, umziehen von Deck zu Deck, und wenn er Glück hat, darf er seine Zeit an Bord auch einmal in einer Suite verbringen.

Welche Aufgaben nimmt der Bordgeistliche wahr? Diese können recht vielfältig sein bzw. im Laufe der Kreuzfahrt werden. Zunächst beinhaltet die Bordseelsorge Gottesdienste, Andachten, Vorträge, seelsorgerliche Gespräche mit Passagieren und auch mit Besatzungsmitgliedern. Er bietet Seelsorge an, ist stets zu Gesprächen bereit. Als Bordpastor isdt er auch Ansprechpartner derjenigen, die ihre Kirche aus irgendwelchen Gründen verlassen haben.

Probleme reisen auf den Kreuzfahrten mit. Da ist der Bordpfarrer eine gute Ansprechadresse: eine Frau hat ihren krebskranken Mann verloren oder eine Frau/ein Mann betrauert die gescheiterte Ehe.  Da der Bordgeistliche zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, öffnen sich die Menschen an Bord leichter als in ihrer Heimatgemeinde.  Wichtig ist, dass solche seelsorgerliche Gespräche fast an jedem Ort des Kreuz-fahrtschiffes stattfinden können, denn der Bordgeistliche hat kein Amtszimmer. Auf Wunsch besucht er den Ratsuchenden auch in dessen Kabine. Wichtig ist, dass sich der Bordgeistliche Zeit nimmt und in zwangloser Atmosphäre Lösungen für die Fragen und Probleme sucht. Eine dramatische Ausnahmesituation ist ein Todesfall auf Kreuzfahrtschiffen. Da ist der Bordseelsorger gefragt, kümmert sich in aller Stille um die Angehörigen und beruhigt auch die Passagiere, welche den Todesfall mitbekommen haben.

Neben seiner Aufgabe als Trauerbegleiter und „Krisenmanager, Überbringer von schlechten Nachrichten, ist der Bordseelsorger aber auch Begleiter in freudigen Lebenssituationen. Manche Gäste haben sich für eine Kreuzfahrt entschlossen, um das freudige Ereignis einer Silbernen oder Goldenen Hochzeit in dieser Form zu begehen oder aber auch um Trauer und Krisen zu bewältigen oder zu verdrängen.

Im Eröffnungsprogramm, bei der Vorstellung des Kapitäns und der Offiziere, des Küchenchefs und das Unterhaltungsteam wird der Bordseelsorger auch den Passagieren vorgestellt. Dabei kann er auch seine Vorstellungen der seelsorgerlichen Betreuung vorstellen:

  • tägliche ökumenische Andachten
  • Hl. Messe an Sonntagen
  • Vorträge und Diskussionen
  • Sprechstunde an Bord
  • Hinweis auf das Wort zum Sonntag (Bord-TV)

Die Möglichkeiten den Bordpastor anzusprechen, sind vielfältig: nach den Gottesdiensten, an der Reling, beim Essen,auf Ausflügen, bei Landgängen – der Bordseelsorger übernimmt auch bisweilen den Job als Reiseleiter -, eigentlich immer, wenn man auf ihn trifft.

Der Bordgeistliche wird Seelsorge an Bord stets in ökumenischer Form anbieten. Wegen der hohen Temperaturen in entsprechenden Regionen verzichtet der Bordseelsorger gerne auf einen Talar. Die Erfahrung zeigt, dass gerade diese Entscheidung bisweilen den Zugang der Gäste zum Bordseelsorger erleichtert. Gerade an Seetagen, wenn die Gäste Zeit zur Muße haben, begegnen die Passagiere dem Bordseelsorger und suchen Aussprachen über eigene Probleme, über „Gott und die Welt“, über den Heimatpfarrer, über die Kirche im allgemeinen, über …

Der Bordseelsorger bietet aber auch dann, wenn sich alle Gäste von Bord bei Stadtbesichtigungen oder auf ganztätigen Ausflügen befinden, Crew-Gottesdienste an. Der Seelsorger sollte demnach auch in der Lage sein, fremdsprachig zu kommunizieren, denn die Crew stammt häufig aus aller Herren Länder. Diese Angebote sind wichtig, da die Besatzung oft zehn Monate an Bord ohne Urlaub ist, der Kontakt zur Familie – wenn überhaupt – nur aus Mails besteht und somit Heimweh und Konflikte an der Tagesordnung sind.

 

 

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Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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