Kreuzfahrtbranche: Rasch auf veränderte Umstände reagieren

Herausforderungen für die Kreuzfahrtbranche nach Corona
Herausfordernde Zeiten für die Kreuzfahrtbranche

Die Kreuzfahrtbranche war bis vor wenigen Wochen noch eine absolute Boomindustrie. Doch die Covid-19-Pandemie brachte den absoluten Stillstand. Lediglich noch einzelne Kreuzfahrtschiffe sind nach einer 14-tägigen Quarantäne unterwegs zu ihren Heimathäfen.

Manche Reedereien haben einen andere Lösung aus dieser Misere gefunden, haben ihre Passagiere und Crewmitglieder mit Charterflügen in die Heimatländer zurückgebracht oder haben ihre Kreuzfahrtschiffe in fernen Ländern ankern lassen, um nach Aufheben der Beschränkungen umgehend wieder den Reisebetrieb aufnehmen zu können.

Kriterien zur Wiederaufnahme von Kreuzfahrten

Entscheidend für die Wiederaufnahme der Kreuzfahrten wird die Abhängigkeit von Reisewarnungen und Restriktionen bei der Einreise sein. Die Tatsache, dass auf einem Kreuzfahrtschiff viele Tage, gar Wochen, Tausende von Menschen auf engem Raum zusammenleben und damit auch ideale Voraussetzungen zur Ausbreitung von Viren gegeben sind, lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Kreuzfahrtanbieter müssen sich mit diesen Tatsachen verbindlich auseinandersetzen und Lösungen finden, die eine Wiederaufnahme der Kreuzfahrten rechtfertigen.

Zur Zeit liegt die teilweise Öffnung von bisherigen Einschränkungen und Verboten im Trend, bisweilen herrscht sogar der Eindruck vor, dass sich in Deutschland einzelne Bundesländer mit schnellerem Aufheben der bisherigen Restriktionen gegenüber anderen Bundesländer abheben wollen. Manche Warnungen vor zu raschen Öffnungen verhallen und die Gefahr weiteren Pandemie-Wellen wird ignoriert.

Maßnahmen zur Sicherheit an Bord

Als Reaktion auf das Covid-19-Virus wird die gesamte Kreuzfahrtbranche entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten müssen, um die Sicherheit von Passagieren und der Besatzung nicht zu gefährden. Die Sicherheit aller auf den Kreuzfahrtschiffe mitreisenden Personen wird nach wie vor äußerste Priorität einnehmen.

So werden sich alle Passagiere vor Beginn der Kreuzfahrt einem detaillierten Gesundheitscheck unterziehen müssen, bei dem eine Überprüfung der Symptomanamnese auf Atembeschwerden, Fieber und Husten durchgeführt wird. Ebenfalls wird kontrolliert werden, wo sich der Passagier während der letzten 14 Tage vor Antritt einer Kreuzfahrt aufgehalten hat. Erfragt wird ebenso, ob sich in der Familie der Reisenden während der letzten beiden Wochen eine Person mit Covid-19-Erkrankung befunden hat oder der Passagier mit Personen Kontakt zu Personen hatte, bei denen der Verdacht auf Covid-19 bestand oder sogar Covid-19 diagnostiziert wurde.

Herausforderungen, die über das Händewaschen hinaus gehen

Die Kreuzfahrtbranche wird sich auf die besonderen Herausforderungen einstellen müssen. Ob es zu einer Vorlage eines Gesundheitszeugnisses oder einer erfolgten Impfung kommen wird, kann ebenso wenig derzeit schon beantwortet werden, wie die Realisierung weitgehender Änderungen an Bord der Kreuzfahrtschiffe. Zieht man die besonderen Vorschriften, die sich derzeit mit der Wiedereröffnung einzelner Sparten wie Frisör, Fußpflege oder auch Gastronomie in Betracht, wird es auf den Kreuzfahrtschiffen sicherlich ebenfalls zu detaillierten Maßnahmen kommen, um eine Gefährdung zu vermeiden: Mund- und Nasenschutz, Abstand, verstärkte Hygienemaßnahmen, „Einbahnwege“ auf Decks, mehrere Tischzeiten, Verbot der Selbstbedienung an Buffets, besondere Vorkehrung bei Abendshows …???

Kreuzfahrten haben nach wie vor eine Zukunft. Die Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs wird sicherlich auch davon abhängen, wie rasch es der Kreuzfahrtbranche gelingt, sich auf die veränderten Umstände einzustellen.

Traumreise der MS Amera wird zum Horrortrip

Kapitän Morten Hansen von Phoenix Reisen

Durch den weltweiten Corona-Alarm wird die von der „MS Amera“ geplante Südamerikareise zum Horrortrip. Um eine grenzenlose Welt zu genießen, machte sich Kapitän Elmar Mühlebach mit Kreuzfahrtdirektor Christoph Schädel mit 568 Passagieren und 423 Crewmitgliedern am 24. Februar 2020 in Argentinien auf mit Ziel und Ende einer unvergesslichen Kreuzfahrt nach Brasilien bis Manaus mitten im Amazonasgebiet.

Diese ganz besondere Kreuzfahrt verlief anfänglich prächtig, doch bald ändern sich Eindrücke und Stimmungen, als bekannt wird, dass immer mehr Häfen den Kreuzfahrtschiffen verschlossen bleiben und erste Corovid-19-Opfer in Europa zu beklagen sind. Das ganz große Brasilienabenteuer scheint zur größten Belastung werden, die ein Kreuzfahrtschiff jemals auszuhalten hatte.

Offenheit damit die Lage an Bord nicht eskaliert

Kapitän Elmar Mühlebach bespricht sich intensiv mit seiner Führungsmannschaft, als auch Brasilien alle Häfen und Flughäfen schließt und in Montevideo kein Austausch der Crew geschieht, werden ständig von den neuen Entwicklungen unterrichtet. Informationen hält er nicht zurück, setzt aber alles daran, dass die Lage an Bord nicht eskaliert. Die Küchencrew verwöhnt weiterhin die Gäste, und die Phoenix Reiseleitung lässt sich ständig neue Unterhaltungsangebote einfallen, um allen Gästen doch noch eine angenehme Kreuzfahrt zu ermöglichen.

Zügiger Kurs auf Manaus

Ziel und Ende dieser Traumreise ist Manaus mitten im Amazonasgebiet, und Kapitän Elmar Mühlebach setzt nun alles daran, zügig den Amazonas zu erreichen, damit die Passagiere heim fliegen können. Der Kapitän will dann mit der Crew allein die Rückreise nach Deutschland antreten. Doch diese Planung geht nicht auf. Zweimal überprüft die Brasilianische Gesundheitsbehörde intensiv den Gesundheitszustand an Bord und erklärt ihn auch für unbedenklich und virusfrei, doch der Gouverneur des Bundesstaates verbietet die Ausschiffung.

Eingesperrt an Bord

Damit steht fest: Alle 568 Passagiere und 423 Crewmitglieder bleiben an Bord eingesperrt, sind auf der MS Amera gefangen, kein Landgang ist möglich. 18 Tage ohne Landgang, 18 Tage ohne Warenaufnahme und ebenfalls 18 tage ohne Müllentsorgung. Der Proviantmeister hat aber glücklicherweise bestens vorgesorgt, Sorgen allein bereitet der ständig wachsende Müllberg, der nicht entsorgt werden kann. Noch niemals mussten Passagiere und die Crew so viele Seetage am Stück aushalten, noch niemals standen sie vor solch großen Problemstellungen mit einer unsicheren Zukunft. Doch das Glück bleibt trotz alledem der MS Amera erhalten, an Bord entsteht keinerlei Panik, Spekulationen kommen erst gar nicht auf, alle besorgten Passagiere und Crewmitglieder werden ungeschönt über alle Ereignisse und Folgen laufend informiert.

Das Warten auf die Tankschiffe

Nun gilt es nur noch ein Problem zu lösen. Die MS Amera liegt in Belém, der zweitgrößten Stadt im Amazonasgebiet auf Reede und wartet stündlich auf die Ankunft zweier Tankschiffe. Insgesamt muss Kapitän Mühlebach 700 Tonnen Treibstoff tanken, doch das erste Tankschiff bietet nur eine Ladung von 350 Tonnen an. Bis das erforderliche zweite Tankschiff andockt, vergehen unendlich lange Stunden.

Informationen und Beschäftigung gegen den Bordkoller

Unnötigen Spekulationen begegnet Kapitän Mühlebach wieder mit detaillierten Informationen. Das Warten zehrt an den Nerven. Große Erleichterung bei allen stellt sich ein, als die MS Amera endlich vollgetankt ist und die MS Amera auch mit den erforderlichen Medikamenten versorgt ist. Nun liegen nochmals zwölf Seetage vor den Passagieren und der Crew.

Beklemmungen machen sich aber breit, als die ersten Informationen, was dem Bruderschiff MS Artania im australischen Freemantle zustößt, die Runde machen. Kreuzfahrtdirektor Christoph Schädel trommelt an Bord alle Personen zusammen und schickt der MS Artania einen ganz besonderen akustischen Gruß. Sorgen ums Überleben sind ebenso berechtigt wie auch um die Weiterverwendung und Beschäftigung der Crewmitglieder, wenn die MS Amera nach 12-tägiger Reise endlich den Heimathafen Bremerhaven anlandet.

Abgelenkt werden Crew und Passagier während der Überfahrt durch ungewöhnliche Aktionen. Während der „Schiffsquarantäne“ erbrachte ein Spendenaufruf mehr als 40.000 Euro, die für die Crew gesammelt wurden und als Spende an den Crew Welfare Fund überwiesen wurden.

Glückliches Ende und ein schwerer Abschied

Bis zur letzten Minute der höchst ungewöhnlichen Kreuzfahrt wird geplant. Beim Verlassen des Kreuzfahrtschiffes erhalten alle Personen eine Maske. Die Gäste werden in kleinen Gruppen nach Hause gebracht. Lediglich 20 Personen sind pro Bus vorgesehen, daher hat Phoenix Reisen statt 5 nunmehr 16 Busse bestellt. Alle Gäste sind sich ganz besonders sicher und auch glücklich, als die MS Amera am 1. April 2020 in Höhe von Porto angekommen ist. Den letzten Abend an Bord wird niemand vergessen, und Kapitän Elmar Mühlebach fällt der Abschied von allen Passagieren und Crewmitgliedern besonders schwer. Der Horrortrip ist zu Ende, doch geblieben sind nunmehr die Existenznöte vieler Crewmitglieder.