Norwegens schönste Fjorde und Nordkap

 

Teil 2/3

Sonntag, 05. Juni

Heute rüttelt uns Paula wach und informiert uns über Kanal 2 über die Tagesaktivitäten, die gegen 1.30 Uhr mit einer „Deftigen Erbsensuppe und Spaghetti Carbonara“  für die „hungrigen Heimkehrer“ vom Nordkap ein sättigendes Ende nehmen werden. Nicht alle hören dem Bordwecker zu. Längst haben sie die Duschen verlassen, stürzen sich in den Außenpool oder beginnen mit Patric den Kampf gegen die überflüssigen Kreuzfahrtpfunde. Vor dem Frühstück schauen wir an der Rezeption vorbei und drucken uns die verschiedenen Stempel in unser Tagebuch. Von wegen freier Sonntag! Die individuelle Planung fällt bei dem Riesenangebot an Gestaltungsmöglich-keiten nicht leicht. Noch 127 Seemeilen gilt es noch bis Honningsvag zu bewältigen. Gegen 17.30 Uhr werden wir  das Nordkap passieren. Und der Bordsprecher weist auf die heutigen Highlights hin:

10.30 Uhr: Festliche Tafeldekoration mit Maitre d´Hotel Maritta

11.30 Uhr: Phantastisches aus Eis mit dem philippinischen Küchenartisten Juan

14.00 Uhr: Gemüseschnitzereien mit Juan

15.30 Uhr: Dia-Show „ Der nicht ganz nördlichste Punkt Europas“

17.30 Uhr: Nordkap

Das Glockenspiel ruft uns zum Mittagessen, das heute mit kleinen Verwirrungen verläuft.: Bestellungen werden falsch verstanden, die Steaks müssen nachgerichtet werden. Doch zur Gemüseschnitzerei reicht es immer noch, und wir können sehen, wie Juan mit wenigen Handgriffen aus Obst eine Ente, einen Pinguin und einen Hasen zaubert. Konditorin Roberta möchte dann noch Marzipan-Figürchen modellieren und ruft die Zuschauer an ihren Arbeitstisch. Doch hat sie wenig über die Folgen nachgedacht, denn bald versperrt eine dichte Menschen-traube jegliche Sicht auf ihre Arbeit und die Produkte.

Danach freuen wir uns wieder auf die Vortragsreihe mit Georg Hahn: „Von Tromsö zum Nordkap – eine Begegnung mit dem Land der Mitternachtssonne“. Mit geschliffener und prägnanter Sprache begleitet Hahn seine Diashow und macht uns richtig heiß auf die Begegnung mit dem Nordkap. Lediglich einige Stichworte seiner exzellenten  Ausführungen möchten wir hier wiedergeben, die uns an seinen Vortrag erinnern lassen:

Schlachtschiff Tirpitz, Paris des Nordens, Pforte zum Eismeer, Eismeerkathedrale, Finanzierungssystem verschiedener Projekte, Ausgangspunkt mehrerer Expeditionen, Skischanzen, mildes Klima, Seilbahn zum Aussichtsplateau Storsteinen,  Nomaden. Rentier, zerklüftete Küstenlinie, Nordkapplateau, falscher Berechnungspunkt, Auswirkung der deutschen Besatzung.

Kaum ist dieser Vortrag zu Ende, stürmt die Masse zur Kuchentheke, was ja verständlich ist, zumal das Mittagessen wiederum sooooo knapp bemessen war. Kurz nach 17 Uhr ruft uns der Kapitän an Deck. In einer Viertelstunde wird das Nordkap in Sicht kommen. In einem geringen Abstand wird die Maxim Gorki an dem Felsenmassiv vorbeifahren. Erwartungsvoll gehen wir an Deck. Es ist bitterkalt. Der Sturm und auch der Regen lassen kaum Besichtigungsfreude aufkommen. Das Felsenmassiv liegt unter einer dichten Dunstwand. Kaum können wir das Observatorium und die Meridiankugel ausmachen.

Das kann heute keine Fotoausbeute geben. Enttäuschung macht sich breit. Sollte der Traum, am Nordkap zu stehen, die Mitternachtssonne zu genießen und einen herrlichen Blick von Europas Nordspitze aufs Meer wirklich peitschendem Regen zum Opfer fallen? Wir haben kaum noch Hoffnung, vertrauen aber immer noch – wenn auch fast aussichtslos erscheinend – auf unsere „Yakee-Travel_Wetterformel“.

Ernüchtert kehren wir dem Deck den Rücken. Die Damen haben sich zwischenzeitlich selbst in Stress gebracht. Mit „Strahlend leuchtenden Augen“ wollen sie nach einer Einmalbehandlung die Männerwelt betören.  Auch da ist berechtigter Zweifel angesagt. Doch das kostenlose Gesichtsseminar mit einer Gesichtsmassage lässt bei den Damen kein Zweifeln zu. Die Männer jedoch bleiben in der Zuversicht zurück, die so „Behan-delten“ am Abend doch wieder zu erkennen.

Unser Reisebegleiter hat durch die Außenaufnahmen kalte Hände bekommen.. Nach zwei Tobis kehrt eine angenehme Wärme in die abgekühlten Gliedmaßen zurück. Nach dem Abendessen gibt es wieder die ersten Landgangsinformationen. Tatsächlich erreichen wir um 21 Uhr Honningsvag, und 20 Minuten später am Pier fest gemacht. Der Landgang richtet sich nach der Farbe der Landgangskarte. Unsere Reisegruppe ist an 1. und 3. Stelle. Bei 3° und anhaltendem Regen sind warme Kleidung und Regenschutz angesagt. Wir haben die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass sich die Wetterlage noch bessert und wir den erhofften Höhepunkt dieser Reise auch genießen können. Zuerst gibt es aber Schneeregen. Dann keimt doch noch ein Hoffnungsschimmer auf. Die Sonne bricht durch. Mit Yakee travel unterwegs, da muss es einfach schön sein! Und die Fahrt in den Bussen beginnt tatsächlich mit Sonnenschein. Unser Wetter hat sich durchgesetzt. Die Faszination dieser nördlichsten Landmasse hält uns so lange gefangen, bis wir endlich den grauschwarzen, von tiefen Rissen durchfurchten Schieferklotz erreichen, und zunächst noch fest eingehüllt gelangen wir zur Meridiankugel, die 1978 hier aufgestellt wurde und seitdem zum Symbol des Nordkaps wurde.

Unterwegs legen wir aber noch eine kleine Pause bei einer Nomadenfamilie ein, die uns in ihrer rotblauen, farbig-bestickten Tracht empfangen. Geduldig stellt sich das Familienoberhaupt  mit seinem „Polarhirsch“ dem Blitzlichtgewitter.  Und es ist gar nicht so einfach, ein Foto zu schießen, da die allermeisten Gäste ohne Augen und ohne Gefühl für die Mitreisenden den Fotografen ständig vor die Linse rennen.

Dann haben wir es aber nach einer Fahrt über das sonnendurchflutete Hochland geschafft. Um 22 Uhr stehen wir auf dem Plateau mit nur spärlichem Bewuchs. Zum Meer fällt der Schieferklotz abrupt ab. Die Menschenmassen jagen zum Globus, erklimmen das Monument und lassen sich vorwiegend im Gegenlicht ablichten. Stille, Einsamkeit und mächtige Natur kann man hier oben kaum genießen.

Das Denkmal „Kinder dieser Erde“ aus dem Jahre 1989, von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Erde gestaltet, weckt ebenfalls unser Interesse. Und eine Gedenktafel erklärt, dass diese „Räder“ die grenzenlose Gemeinschaft, Freundschaft, Hoffnung und Freude symbolisieren.

Leider haben wir – wie so oft an bedeutenden Stellen –  zu wenig Zeit, um heute die Mitternachtssonne zu genießen, zumal uns auch alle Verantwortlichen immer wieder erklären, selten einen solch schönen Tag hier oben erlebt zu haben. Doch schon ruft wieder der Bus. Um 0.30 Uhr sind wir auf der Maxim Gorki zurück. Ins Bett will noch niemand gehen. Zu sehr hat uns dieses Ereignis aufgewühlt. Wir überschlagen uns in Superlativen: diese Sonne, diese Aussicht, dieses Wetter, diese Einmaligkeit …!

Wir nutzen erstmals das Angebot der Küche für die „hungrigen Heimkehrer vom Nordkap“. Bei einem kühlen Bier legt sich allmählich die Aufregung. Leider kehren die einzelnen Gruppen wieder zu unterschiedlichen Zeiten zurück, so dass wir lediglich in Kleingruppen unsere Gedanken und Empfindungen austauschen können. Problemlos legt die Maxim Gorki aber wieder ab und verabschiedet sich von Honningsvag. Mittlerweile ist es schon längst Sonntag geworden.

Sonntag, 06. Juni

Auf der Weiterfahrt durch die norwegische Fjordenwelt nach Tromsö nutzt unser Kapitän die ruhige Innenpassage.. Nach 178 sm werden wir gegen 14.30 Uhr in Tromsö ankommen. So können wir endlich mal wieder ausschlafen, zumal wir so spät ins Bett gekommen sind. „Grau in Grau“ heißt der erste Kommentar nach einem Blick aus dem Bullauge. Thomas hat es aber doch wieder geschafft, um 7.30 Uhr alle zum Aufstehen zu bewegen. Das angekündigte Tagesprogramm verspricht wieder einen ausgefüllten Tag. Wieder nichts mit Ausschlafen! Langsam kommen wir nach fünf Stunden Schlaf zu uns und können über den Tagesspruch nachdenken:

„ Klug ist, wer nur die Hälfte von dem glaubt, was er hört. Noch klüger ist, wer erkennt, welche Hälfte die richtige ist.“

Heute müssen wir die Temperatur in der Kabine erhöhen. Es ist kalt geworden, und der wenige Schlaf verstärkt noch unser Kälteempfinden. Um 9 Uhr schneit es sogar. Doch schon eine Stunde später meldet sich die Sonne zurück.

„Kirchweih“ an Deck ab 11 Uhr! Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Das Promenadendeck wird zur Schausteller-Attraktion. „Sportlich“ wird es bald hier zugehen. Jeder kann seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen, und mit Belohnungen will die Crew nicht sparen. Auch für das leibliche Wohl ist vortrefflich gesorgt. Und wer die vielen aktiven Eindrücke noch mit der phantastischen Inselwelt bereichern möchte, der heftet seinen Blick auf das gemächlich vorbeiziehende Panorama.

Unbemerkt von vielen Gästen hat unser Kreuzfahrtschiff während des Mittagessens Tromsö erreicht und mit der Backbordseite am Pier festgemacht.  Die meisten unserer Reisegruppe haben sich für den Ausflug „Storsteinen“ entschieden. Aber zunächst werden wir mit einem abenteuerlichen Wetter begrüßt. Ein heftiger Schneeregen hat die Gegend eingezuckert.  So erinnern wir uns zunächst an die Informationen, die wir über diese Stadt erhalten haben:

„ Die größte Stadt Nordnorwegens liegt auf einer kleinen Insel, die mit dem Festland durch eine 1036 m lange und 43 m hohe Brücke verbunden ist. Tromsö war und ist ein Ausgangspunkt für Expeditionen in die Arktis. Sehenswert ist die architektonisch interessante Tromsdalen-Kirche ( Eismeerkathedrale, 1965 erbaut ). Im Volkspark liegt das Tromsö-Museum mit natur- und völkerkundlichen Sammlungen und Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Nahebei liegt das dazugehörige Seeaquarium Am Stortorget liegt die nördlichste katholische Kirche. Eine Besonderheit der Flora  ist die bis zu zwei Meter hoch werdende Tromsö-Palme

Die Reisebeschreibungen lügen nicht. Wir können uns von der besonderen Lage auf der Insel sowie von den umgebenden Schneegipfeln überzeugen. Den ersten Stopp legt unsere Gruppe bei der Eismeerkathedrale ein. Der örtliche Guide kennt sich glücklicherweise gut aus.

Er erklärt uns:

Der 7. Dezember 1955 war ein wichtiger Meilenstein. An diesem Tag beschloss der Gemeinderat von Tromsö den besonderen Kirchenbau und beauftragte den Architekten Inge Hovig mit der Planung. Die Bauarbeiten begannen aber erst am 1. April 1964. Eismeerkathedrale heißt die Kirche im Volksmund. Die Vorderseite ist 35 Meter hoch. Das Dach besteht aus Betonplatten, die bis zum Erdboden reichen und mit lackiertem, perlgrauem Aluminium beschichtet sind. Leuchtröhren an den Fenstern strahlen die Platten von außen an und geben dem Kircheninneren gleichzeitig Licht. Das Glasmosaik wurde 1972 geweiht. Es ist 23 Meter hoch und bedeckt eine Fläche von 140 m². Seine Dreieckform füllt die gesamte Ostwand der Kirche. Hauptmotiv des Mosaiks ist Christi Wiederkehr in Herrlichkeit.“

Über die 1036 m lange Brücke gelangen wir zur Fjellheisen-Bergbahn, deren Kabinen uns in wenigen Minuten zu dem 420 m ü.M. gelegenen Aussichtspunkt „Storsteinen“ bringen.  An der Talstation macht sich bei der letzten Gruppe Unmut breit. Plötzlich hüllt eine dichte Nebelwand die Bergstation völlig ein. Das war´s wohl mit der prophezeiten fantastischen Aussicht auf die „eingebettete“ Stadt.

Die erste Gruppe hat weit mehr Glück und kann den Zauber der Aussicht noch genießen, bevor auch sie in das warme Bergrestaurant flieht und die bekannte Waffel-Delikatesse versucht. Erst nach Rückkehr in die Stadt verzieht sich das Schneetreiben.

Nach dem Besuch des natur- und völkerkundlichen Museums, in dem man uns im Besonderen die Lebensweise der Samen erklärt, kehren wir zum Kreuzfahrtschiff zurück und verlassen pünktlich um 19 Uhr Tromsö in Richtung Leknes auf den Lofoten.

Noch über zwei Stunden bleiben uns, bis uns die russische und ukrainische Besatzung mit einem ausgewogenen Unter–haltungsprogramm  überraschen wird. Elizaveta führt durchs Programm. Die Kabinenstewardess Olga hat die Hauptlast des Abends zu tragen.  Dieser Abend mit Musik, Gesang und Tänzen aus der Heimat der Laienkünstler kommt bei allen Gästen gut an. Noch vor Mitternacht kommen wir ausnahmsweise in unsere Kabinen zurück.

Das Meer ist unruhig geworden. Dem Schwanken müssen wir unsere Gehweise anpassen. Der Pfefferwodka kann auch kein Gegengewicht bringen. Niemand kommt zu Schaden und findet auch seine Kabine. Wir schlafen mit dem Wunsch ein, dass auf dem Rest der 316 sm langen Passage zu den Lofoten Neptun beruhigend auf sein Element einwirkt.

Montag, 07. Juni

„Nimm den Frauen das letzte Wort und erinnere die Männer an ihr erstes“. Mit diesem Part eines alten Gebets weckt uns der fröhliche Bordwecker Güli. Das Meer ist nahezu glatt, und die Sonne wird die momentane Außentemperatur von 5° noch anheben können, bis wir gegen 14 Uhr die schroff aus dem Meer aufragenden Lofoten erreichen und mit den Tenderbooten bei Leknes an Land gebracht werden.  Und falls das gute Wetter anhält, werden uns die gezackten, jäh aus dem Meer bis in eine Höhe von 1000 m emporragenden Gipfel ein Naturschauspiel vom Feinsten anbieten.

Doch lesen wir zunächst, wie der Reiseveranstalter das heutige Reiseziel beschreibt:

„ Die Lofoten bestehen aus einer durch den Vesrfjord vom Festland getrennten bergigen Inselkette, die fast 150 km lang ist und sich von Nordosten nach Südwesten in den Ozean hinauszieht.

 Die vier großen Inseln Austvagoy, Vestvagoy, Moskanesoy und Flakstadoy sowie einige mittelgroße Inseln schließen sich so nahe aneinander an, dass sie aus der Ferne den Eindruck eines lang gestreckten Gebirgskammes erwecken. Den Haupterwerbszweig bilden der Fischfang und die damit verbundene Industrie. Daneben wird stellenweise noch etwas Schafzucht betrieben. Der Fremdenverkehr spielt auf den Inseln zu allen Jahreszeiten eine große Rolle.“

Nach dem Frühstück wird dann noch Georg Hahn einen spannenden Diavortrag „Die Lofoten und ein Inselparadies im Polarmeer“ halten und uns dann mit diesem Wissen in die Realität entlassen. Auch über diesen Vortrag halten wir die wichtigsten Stichwörter fest:

Gemäßigtes Klima, Name bedeutet Luchsfuß, steinzeitliche Besiedlung, Asphaltschafe, Stützpunkt der Wikinger, Dorschsaison, derzeit nur noch 4000 Fischer, Unterwassertunnel, Boote in den Kirchen, Stockfisch.

Die Sonne hat uns heute wieder lieb. Auf Deck suchen wir nach den windgeschützten Stellen, um diese erneute Sonnengabe nutzen zu können.

Mit dem Fotoshop konnte ich einen Termin für ein professionelles Gruppenfoto vereinbaren. Die Bordband SKIFS trifft den vollen Geschmack vieler Gäste, die sich zum Frühschoppen um 11 Uhr mit Leberkäse und Kartoffelsalat an der Neptun-Bar eingefunden haben und wenig später das Mittagessen nicht verschmähen.

Unser Kreuzfahrtschiff ist sehr gut vorangekommen, muss daher eine ganze Weile vor den Lofoten kreuzen, bis der Lotse an Bord kommt und sie nach Leknes leitet. Auch wir müssen uns noch ein wenig gedulden, bis wir vor Reede liegen und die Tenderboote uns an Land bringen dürfen.

Unser Tagesausflug beginnt zwar mit einer Stunde Verspätung, bringt uns aber durch eine landschaftlich wunderschöne Umgebung. Erste Attraktion ist der 1800 m lange Tunnel unter dem Nappstrom hindurch. Die Fahrbahn befindet sich nunmehr 65 Meter unter der Wasseroberfläche und 30 Meter unter dem Meeresboden. Bei der Ausfahrt auf die Insel Flakstadoy erwartet uns bei strahlendem Sonnenschein ein beein-druckendes Landschaftsbild. Bizarr ragen die Bergzinnen bis nahezu 1000 Meter in den Himmel, die Hänge sind teilweise tief durchfurcht, teilweise glatt wie poliert. Grüne Täler und tiefblaue Bergseen wechseln einander ab. Die Berghänge sind teilweise mit gedrungenen Bergkiefern und Birken bewaldet. Auffällig sind auch die zahllosen Findlinge, hinter und auf denen sich bisweilen kleinere Schafherden verbergen. Bisweilen treten die Bergflanken auch zur Seite und geben den Blick auf das offene Meer und bei Ramberg sogar auf einen einzigartigen weißen Sandstrand frei.

Unsere Reiseführerin Karina ist der deutschen Sprache mächtig und schiebt auf dieser Erkundungsfahrt immer wieder Stopps für die Fotografen ein. Und neben den bereits aufgezeigten landschaftlichen Besonderheiten fällt unser Blick auch auf die mit Wollgras übersäten Wiesenflächen.

In Sund besichtigen wir eine Kunstschmiede, und einige suchen auch das Museum heim. Andere zieht es über die Bergkuppe mit Blick auf die rot gestrichenen Holzhäuser – meist auf Stelzen errichtet. Karina erklärt uns auch, weshalb hier die Bewohner in Holzhäusern leben und für Heizung und Licht Elektrizität eingespeist wird. Besonders fallen uns aber auch die mit Gras bewachsenen Häuser auf, die manchmal Ziegen einen willkommenen Futterplatz bieten. Allerdings können wir uns kaum erklären, wie diese Tiere auf die hohen Dächer gelangen konnten. Das wechselhafte Wetter kann uns auch heute nichts anhaben. Nach allen Stopps erreichen wir trocken unseren Reisebus. Der nächste Stopp ist von besonderem Interesse. Auf einer freien Wiesenfläche steht die Flakstad-Kirche, die – wie uns Karina erläutert – 1780 in Blockbauweise erstellt wurde. Im letzten Jahrhundert wurde diese Kirche stark verändert. Man baute Emporen ein, versetzte den Kirchturm und wählte eine andere Farbe zur Bemalung.

Auch die Flakstad-Kirche hat als typisches Kennzeichen den über dem Kreuz erbauten, zwiebelförmigen, spitzen Turm. Im Chor steht der Altar. Das Hauptbild aus dem Jahre 1765 ist dem Abendmahl gewidmet. Es wird flankiert von Moses und Aaron, während das darüber platzierte Bild Christi Himmelfahrt darstellt.

Mit dem Besuch des Fischerdorfes Nusfjord betreten wir Boden und Region, die auf der UNESCO-Liste für erhaltungswürdiges Kulturerbe steht. Nirgends in Nordnorwegen hat sich die Atmosphäre eines Fischerdorfes so authentisch erhalten. Die scharfen Schreie der Möwen begleiten uns auf unserem Rundgang, und auf einer Tafel entdecke ich folgenden Text:

„ Nusfjord besteht aus einer Ansammlung gut erhaltener alter Häuser aus der Zeit, als die „Dorfkönige“ auf den Lofoten herrschten. Im Architekturschutzjahr 1975 war Nusfjord ein Pilotprojekt, und das Fischerdorf steht auf der UNESCO-Liste über erhaltene Baumilieus.“

Kaum biegen wir um die Ecke, begrüßen uns getrocknete Fischköpfe  und machen auf die Bedeutung des Fischfangs aufmerksam. Karina erläutert die Zusammenhänge:

„ Die gilt dem arktischen Dorsch ( jungen Kabeljau ), der zwischen Januar und April zum Laichen aus der Barentsee in den Vestfjord kommt, während der Küstendorsch das ganze Jahr über gefangen wird. Getrocknet als Trockenfisch war der Dorsch lange Zeit Exportartikel, der besonders in die Mittelmeerländer verkauft wurde. Die Zahl der Fischer und auch der Fangquoten haben erheblich abgenommen, und mit dieser Entwicklung wuchs die Bedeutung der Fischzucht.“

Wir haben Glück. Auf einer kleinen Anhöhe entdecken wir die Gestelle mit Hunderten getrockneter Fischköpfe, die später zu Fischmehl verarbeitet werden. Der unverkennbare Geruch vermischt sich mit dem des Meeres und Tangs. Ebenso beeindruckend sind die zahlreichen Fischkutter, die im Hafen liegen, und die blutrot gestrichenen Fischerhütten auf Stelzen ( Rorbuer), die allerdings nun ihrem ureigenen Zweck entfremdet den Touristen als Unterkunft dienen.

Noch rechtzeitig vor Regenbeginn erreichen wir wieder unseren Bus. Doch an der Anlegestelle erwartet uns wieder Sonnenschein. Mit den Tenderbooten kehren wir an Bord der zurück. Viel Freizeit bleibt uns nicht. Das Abendessen beginnt. Eigentlich wollten wir ja anschließend Manuels Zaubershow ansehen, doch durch die verschiedenen Ankunftszeiten der Ausflügler verschiebt sich nicht nur der Beginn. Als wir uns in der Rossia-Lounge einfinden, bekommt unsere Gruppe keinen Platz mehr. Lange brauchen wir nicht zu überlegen. Wir siedeln auf das Promenadendeck um. In aller Ruhe lassen wir diesen ereignisreichen Tag ausklingen. Doch für mich ist es schon wieder 1.30 Uhr geworden, bis der laufende Tagesbericht ergänzt und aktualisiert ist. Nun heißt es wieder schnell zu schlafen, bis der Seetag, der längst angebrochen ist, wiederum mit vielfältigen Aktivitäten aufwartet. 

Dienstag, 08. Juni

Da heute Seetag ist und keine Eile besteht, hat Joe die Aufgabe übernommen, uns heute aus den Federn zu locken. Aber er hat ein leichtes Spiel, denn die Devise „Fit in den Tag beim Frühsport mit Patric“ haben sich einige Reiseteilnehmer längst auf ihre Fahnen geschrieben. Andere haben das „Wellenbad“ entdeckt und verwöhnen ihren Körper im 32° warmen Element.

Unbemerkt haben wir um 5 Uhr wieder den Polarkreis überquert, die Temperaturen haben wieder zugenommen und für 23.37 Uhr ist wieder Sonnenuntergang angekündigt, eine gute Nachricht für diejenigen, denen bei Tageslicht das Schlafvermögen etwas abhanden gekommen ist.

Joe geht mit uns den Tagesplan durch, und trotz „Ruhetag“ sind wir sicher, dass es bei manchen zu terminlichen Überschnei-dungen kommen wird. Nur ein Termin ist heute für die Gruppe zunächst verbindlich: 12.15 Uhr Gruppenfoto.

Zum Serviettenfalten treffen sich um 10.30 Uhr einige Reiseteilnehmer im Restaurant Odessa. Maritta hat aber mit diesem Zuspruch nicht gerechnet. Glücklicherweise kann sie auf zwei Helferinnen zurückgreifen, die vor Ort unterstützend eingreifen und zum Gelingen beitragen. Um 11 Uhr wollen wir die Plauderstunde mit dem Kreuzfahrtdirektor nicht verpassen.

Problemlos können wir nun aber dem Fototermin entgegen sehen. Der Bordfotograf ist sehr pünktlich. Wegen des regnerischen Wetters will er eine Innenaufnahme  als Gruppenbild gestalten.  Er geleitet uns in den Club Zhiguli und drapiert uns um die große Weltkugel. Kaum sind die Fotos geschossen, ruft uns das Glockenspiel zum Mittagessen.

Eine weitere Veranstaltung wartet auf uns. Im Fernsehen wird die Dokumentation „Die schwersten Stunden der Maxim im Eismeer“ über die Kollision im Eismeer im Jahre 1989 gezeigt. Uns kann dies glücklicherweise nicht passieren!

Georg Hahn ruft uns um 15.30 Uhr in die Realität zurück. Mit seinem Vortrag „Eine Fjordlandexpedition – der Geirangerfjord und sein Umland“ stimmt er uns bestens auf den morgigen Ausflug ein und versorgt uns mit dem erforderlichen Grundwissen über diese beeindruckende Destination. Ab 16.15 Uhr fiebern wir der großen Tombola mit Preisen aus den Schiffsboutiquen entgegen. Vielleicht hat heute Margit wieder eine glückliche Hand. Schon gestern hatte sie beim Ratespiel den einzigen Preis, ein geschmiedetes Blatt, gewonnen. Und? Margit ist wieder bei den Gewinnern. Die anderen werden von der Moderatorin, die mit viel Witz, Charme und sprachlichen Holpersteinen die Verlosung leitet, am Schluss dieser Veranstaltung damit getröstet, dass sie vielleicht Pech beim Spiel aber umso mehr „Gluck in die Liebe“ haben werden.

Noch um 17.30 Uhr ist es auf Deck recht warm. Der Wind hat sich gelegt. Wir genießen die wärmenden Sonnenstrahlen, und vorwiegend die Damen walken wieder eine Meile.

Dann dürfen wir das Gala-Buffet fotografieren und filmen. Die Köche haben wieder ein glänzendes Ergebnis abgeliefert. Die Gäste geraten ins Schwärmen und überlegen dabei, welche Dekorationen sie zu Hause bei eigenen Festlichkeiten nachahmen könnten.

Beim Essen sind wir für die zweite Gruppe eingeteilt. Die „Schlacht“ beginnt bei uns erst später um 20.30 Uhr. Besonders geben wir Acht, dass die Augen nicht größer als der Magen sind, picken uns Leckerbissen aus dem Angebot heraus und haben schließlich doch wieder viel zu viel gegessen. Nun würde uns Bewegung überhaupt nicht schaden, doch wir steigen in den Gala-Show-Express und anerkennen die wesentliche Steigerung der Künstlerdarbietungen gegenüber der Eröffnungsshow. Mittlerweile ist es 23 Uhr geworden. Die Sonne hat den ganzen Tag durchgehalten und wird uns erst um 23.37 Uhr verlassen, um aber bereits wieder um 3.45 Uhr uns aus dem Schlaf zu rütteln. Ab 6.30 Uhr soll es schon Frühstück geben, damit wir gegen 7 Uhr nicht die Einfahrt in den Geirangerfjord verpassen. Das Tendern zu den Landausflügen ist bereits auf 8.15 Uhr festgesetzt.   Wir rufen vor dem Schlafengehen uns nochmals die Informationen zurück, die wir am Nachmittag bei der Diashow erhalten haben, und hoffen auf ein beständiges Sonnenwetter.

In der Info-Schrift steht:

„Der Geirangerfjord ist der südlichste Arm des Storfjords und zählt mit der ihn umgebenden Landschaft zu den größten Naturschönheiten Norwegens. Über dem ca 16 km langen Fjord steigt eine riesige Felswand auf, von der imposante Wasserfälle herunterstürzen, darunter „die sieben Schwestern“, „der Freier“ und „die Brautschleier“.“

Und wir erinnern uns auch an den Vortrag von Georg Hahn. Er meinte u.a.:

„ Der lange, tiefe und steilwandige Geirangerfjord bietet die ganze landschaftliche Pracht, die Norwegen berühmt gemacht hat. Das Schauspiel beginnt schon draußen auf offener See, wo die Kreuzfahrtschiffe in der Nähe des Runde-Felsens einen Lotsen an Bord holen. In diesem Naturschutzgebiet nisten über 70 Vogelarten. Hunderttausende von Seevögeln kann man hier beobachten, wie sie auf den Klippen sitzen oder wie Schneeflocken über dem dunklen Wasser wirbeln…

Ab Stranda werden die Fjordwände immer steiler, und nach einer starken Linkskurve können Sie die ganze Pracht norwegischer Landschaften „geballt“ bewundern: senkrechte Felswände, Wasserfälle im Gegenlicht, Fjordbauernhöfe im Briefmarkenformat, die verwegen an den Felswänden kleben.“

 

Teil 3 des Reiseberichtes „Norwegens schönste Fjorde und Nordkap“ folgt.

 

Norwegens schönste Fjorde und Nordkap

 

Teil 1/3

Montag, 31. Mai

Die schönsten Fjorde Norwegens und das Nordkap sind Ziel unserer gemeinsamen Nordlandtour. Unser Kreuzfahrtschiff haben wir bereits per Video kennen gelernt, und mit Hilfe diverser schriftlicher Informationen konnten wir uns auf diese besondere Reise vorbereiten. Unsicherheiten blieben aber dennoch, weil wir das Wetter nicht einschätzen konnten. Noch vor unserem Treff wiesen die „Wetterfrösche“ auf Tempera-turen um 5° hin, und auch die heute noch kurzfristig abgeru-fenen Wetterinformationen gaben zwar für den Süden Norwegens 18° an, allerdings hielten die kalten Temperaturen im Norden an. So konnten wir die Probleme beim Packen nicht beseitigen: Sommer- und Winterkleidung mussten mitgenom-men werden. Die letzten Plätzchen im Koffer waren ausgefüllt. Aber wir mussten die Koffer ja nicht schleppen. Der angebotene Service stimmte uns froh. Heute Abend können wir bei unseren Reisebegleitern die Koffer bereits einstellen, morgen fährt Fa Schneider unser Gepäck nach Karlsruhe, und wir brauchen uns weiterhin um unser Gepäck nicht mehr zu kümmern. Wir sehen es erst wieder in unserer Kabine. Alle wichtigen Unterlagen haben wir mehrfach kontrolliert, und nun können wir uns beruhigt zurücklehnen. Um 3.30 Uhr müssen wir aufstehen. Das wird eine kurze Nacht werden.

Unsere Gedanken beschäftigen sich nun noch mehr damit, was uns diese Reise bieten wird; auf alle Fälle einen Farbrausch der Natur und Wechselspiele des Lichts. „Ja, wir lieben dieses Land … „, so beginnt die norwegische Nationalhymne. Und die meisten von uns sind sich heute schon sicher, dass dieses faszinierende Land uns in seinen Bann schlagen wird und dass auch wir uns diesem „Urteil“ anschließen werden.

Dienstag, 01. Juni

Der Reisetag ist angebrochen: ein besonderer Tag, nicht nur wegen der Werbegags von Mediamarkt „Wenn Deutschland Europameister wird, erhalten alle Käufer, die am 1. Juni  einen TV erwerben, den vollen Kaufpreis zurück“. Wenig Schlaf war uns vergönnt. Die ersten Teilnehmer kommen bereits um 4 Uhr. Die „Kofferausstellung“ steht bald auf der Straße, und unser Transferdienst ist ebenfalls wie gewohnt pünktlich. Er kümmert sich allein um das Verladen des Gepäcks, und wir machen uns auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Alles klappt wie am Schnürchen. Um 5.08 Uhr kommen wir am Karlsruher Hauptbahnhof an, und wir durchqueren in wenigen Minuten die Bahnhofshalle. Unsere Plätze finden wir im „Oberdeck“. Pünktlich um 5.30 Uhr starten wir, begleitet von einem Sonnenaufgang. Dies wird sich hoffentlich als gutes Omen für unsere Reise erweisen!

Der Busfahrer erklärt wichtige Verhaltensregeln im Bus. Kaffee wird bereits zubereitet. 6.20 Uhr haben wir Heidelberg erreicht. Einige Reisegäste steigen hier zu. Um 8.00 Uhr kommen wir am Frankfurter Flughafen an. Weitere Reisegäste füllen allmählich unseren Reisebus. In Kirchheim wird „Die Reisekutsche“ die letzten Gäste aus München aufnehmen. Um 10 Uhr trifft der Zubringer ein. Als wir diese Gruppe erstmals sehen, beginnt eine Vorahnung zu keimen: Für die nächsten beiden Wochen wird unser Kreuzfahrtschiff zum „schwimmenden Altersheim“. Ab 11.30 Uhr verdichtet sich die Bewölkung, die Sonne duckt sich, aber kein Regen fällt, wenigstens vorerst nicht. Doch bereits eine Stunde später nimmt uns der Regen fast die Sicht. Zügig kommen unsere Fahrer voran, legen Pausen ein und auch die Schlangen vor den „Dufthöhlen“ werden immer länger. Als wir noch 100 km von Bremerhaven entfernt sind, lässt sich die Sonne wieder sehen. Um 16.30 Uhr hält unser Bus am Kolumbuskai.

Glücklicherweise müssen wir uns wirklich nicht um unser Gepäck kümmern. Der Weitertransport ist durchorganisiert. Wir werden bereits erwartet. Thomas geleitet uns  problemlos durch den Zoll, und an Bord übernehmen uns zwei Stewardessen. Sie geleitet uns sicher zu unserer Kabine.

Erste Unsicherheiten machen sich breit. Peter wird sich um die Tischreservierung kümmern. Wir erhalten die Tische 33, 34 und 35 im Odessa-Restaurant. Schon bald aber ist unsere Vereinbarung wieder vergessen, als einzelne Reiseteilnehmer ebenfalls zum Oberdeck geschickt werden, um die Tische im Restaurant zu buchen. So müssen bald Doppelreservierungen rückgängig gemacht werden. Das Telefon bei unseren Reisebegleitern steht nicht mehr still. Doch nicht alle werden in ihren Kabinen angetroffen und können auch nicht umgehend darüber informiert werden, dass ein Glas Sekt sie am Oberdeck erwartet. Um 19 Uhr können wir dann im Odessa-Restaurant unsere zugewiesenen Plätze einnehmen. Unsere Kellnerinnen heißen Elena, Olga und Larisa. Das Abendessen ist vielseitig, und die mehrfachen Auswahlmöglichkeiten machen die kleinen Portionen wieder wett. Getränke erhalten wir gegen Beleg, der Wein aber ist kostenlos.

Der erste Bordtag hat  es in sich. Beim Auslaufen regnet es. Und dann werden auch schon die ersten „Klagen“ laut: Wie kann man die Klimaanlagen abschalten? Wo finde ich den Hauptschalter für das Kabinenlicht? Wie funktioniert der Tresor? Wie erhalte ich fehlende Handtücher? Wann und wo gibt es das Frühstück? Wo buche ich den ersten Ausflug? Da heißt es wieder einmal: Ruhe bewahren! Morgen sieht die Welt wieder anders aus. Auch alle Probleme werden dann auch ausgeräumt sein.

Nach dem Nachtessen unternehmen wir einen kleinen Rundgang. An Deck erfreuen wir uns an der kühlen Brise. Wir entdecken die Einkaufsmeile auf dem Promenadendeck. An der Rezeption lassen sich sogleich auch einige Fragen klären. In der Bildergalerie werden bereits die Begrüßungsbilder präsentiert. Obwohl uns der Anreisetag doch ziemlich belastet hat, bringen wir noch die Kabine in Ordnung und machen uns mit dem Tagesprogramm des nächsten Tages vertraut. Gegen 23 Uhr aber unterbrechen wir unsere Aktivitäten und suchen die Nachtruhe bei hoffentlich ruhiger See.

Mittwoch, 02. Juni

Mitten im Schlaf – trotz harter Unterlage – spürt der Körper eine Veränderung. Als wir die Augen öffnen, dringt Helligkeit in unsere Kabine. Es ist kurz nach 5 Uhr. Die Sonne ist um 4.55 Uhr aufgegangen. Am fernen Horizont grüßt ein glühend roter Ball und sendet seine Strahlen wie wärmende Boten über das Meer direkt in unsere Kabine. Wir haben die Bullaugen-Fenster geöffnet und genießen die angenehme Frische. Trotz gestriger Anstrengungen fällt das Aufstehen nicht schwer. Erste Wolken ziehen am Himmel auf. Hoffentlich bleiben wir vom Regen verschont!

Um 7.30 Uhr meldet sich der fröhliche Bordwecker . Er zeigt sich über die ruhige See ganz begeistert. Dies sei für diese Gegend völlig ungewöhnlich. Die Temperatur der Luft beträgt 12°, der Außenpool ist mit 32° warmem Wasser gefüllt worden.

Heute ist auch Buchungsschluss für die Ausflüge. Man empfiehlt uns aber dringend, erst dem Diavortrag über alle Ausflugsmöglichkeiten zu folgen  und danach erst eine Entscheidung zu treffen. Nach einer sehr informativen Dia-Show treffen wir uns auf dem Sonnendeck, um  über die diversen Destinationen zu beraten. Wir haben glücklicherweise noch ausreichend Zeit bis zur endgültigen Entscheidung.

Der Tagesplan lässt heute kaum längere Pausen zu. Schon ruft das Mittagessen: vielseitig und Häppchenportionen!  Lange können wir uns heute ohnehin nicht im Restaurant aufhalten. Der obligatorische Übungsalarm steht bevor.

Kaum haben wir die Rettungswesten übergestreift, werden wir vor der Kabine abgeholt und zum Hauptgang geleitet.  Durch eine Generaldurchsage werden wir mit den verschiedenen Rettungseinrichtungen vertraut gemacht. Danach – der Sitz der Rettungsweste wurde bei jedem kontrolliert – führt man uns zum ausgewiesenen Borddeck. Die Übung ist kurz, und jeder hofft, dass er hoffentlich niemals mit einer ernsten Situation konfrontiert wird.

In der Kabine studieren wir erneut den Tagesplan. Bereits in einer Stunde beginnt der Diavortrag „Durch den Sognefjord nach Flam“, mit dem uns Georg Hahn auf das erste Ausflugsziel unserer Reise einstimmt. Eine Stunde später informiert uns Kreuzfahrtdirektor umfassend über den Gesamtablauf der Reise und gibt uns wichtige Informationen.

Bei der Weitläufigkeit des Schiffes ist es nicht leicht, die Gruppe zusammenzuhalten, so wird telefonisch zunächst ein-mal ein weiterer Treff vereinbart, wann wir uns zur ersten Abendveranstaltung treffen wollen.

Bald reihen wir uns in die lange Schlange der „Begrüßungswilligen“ ein, stehen uns die Beine fast in den Bauch, bevor sich die Menschentraube verjüngt und wir den Kapitän und den Kreuzfahrtdirektor persönlich begrüßen dür-fen. Der Musiksalon – für ca 380 Gäste konzipiert – platzt aus allen Nähten, muss er doch alle 600 Gäste aufnehmen. Der angekündigte Begrüßungscocktail ist in reiner Sektlaune. Nach Vorstellung aller Verantwortlichen bringt der Kapitän die Erwartung an die Kreuzfahrt auf den Punkt: „Wenn wir dabei die Daumen drücken, kommt alles bestimmt.“ Der meiste Beifall brandet allerdings bei der Vorstellung des Chefkochs auf.

Noch eine ganze Weile müssen wir es noch in unserer „Gala-Uniform“ aushalten. Beim Kapitäns-Dinner ist sogar der Kapitän persönlich anwesend und sitzt in unserer unmittelbaren Nähe an gesondertem Tisch, mit „ausgewählten“ Gästen, bei beson-derem Gedeck, Service und Ablauf. Für alle Reiseteilnehmer ist die heutige Menükarte besonders lang.

Auf der anschließenden Eröffnungs-Bühnen-Show stellt uns Bärbel Reif die Künstler vor. Das erwartete Feuerwerk bleibt aber am Boden. Die Darbietungen können kaum überzeugen. Doch wir sind höfliche Menschen und halten bis zum Schluss durch. Gefallen hat uns schon die Ballettgruppe „Advance“, doch den ehemaligen Tenor Sergej Rybin werden wir uns nicht weiterhin „gönnen“. Den angebotenen Mitternachtssnack verweigern wir, gehen lieber noch ein bißchen an die frische Luft, während andere ihre Fußballleidenschaft beim Testspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz befriedigen können. Mittlerweile ist es 23 Uhr. Die Sonne ist endlich untergegangen. Morgen steht die Fahrt mit der Flambahn an. Erstmals werden wir morgen norwegischen Boden betreten.

Donnerstag, 03. Juni

Obwohl ich erst durch das Berichteschreiben kurz nach Mitternacht zum Schlafen gekommen bin, werde ich um 4 Uhr hellwach. Die Sonne geht auf und taucht den „Königsfjord“ in eine warme, leuchtende Szenerie. Strahlend blauer Himmel signalisiert einen heiteren und trockenen Tag. Langsam gleitet die Maxim Gorki den „König der Fjorde“ entlang und gibt den Blick frei auf „verschlafene“ Dörfer, kleine Wasserfälle und schneebedeckte Bergregionen.

Nur allmählich erreicht die Sonne das grün schimmernde Schmelzwasser. Die Berghänge präsentieren sich allerdings noch im Halbschatten. Die bizarren Felsformationen sind zum Greifen nahe. Die ersten Möwen begleiten uns.

Gegen 8 Uhr werden wir Flam erreichen. Doch zuvor genießen wir das Farbenspiel, das uns die Sonne aufs Fjordwasser zaubert. Immer wieder stürzen Wassermassen in die Tiefe und nähren den Fjord. Unser Blick wandert immer wieder vom Fuß der Bergtäler bis hínauf in die höchsten Schneeregionen.

Mit zunehmender Tagdauer erreicht das Sonnenlicht nun auch die gesamte Wasseroberfläche und gibt in doppelten Bildern die Fjordlandschaft preis.  Kurz nach 6 Uhr verlangsamt unser Kreuzfahrtschiff seine Fahrt und biegt in einen Seitenarm, den Aurlandfjord, ein. Möwen machen kreischend auf ihre Flugvorführungen aufmerksam. Das Anlegemanöver dauert, doch es kommt keinerlei Hektik auf.

Gemächlich lassen wir den Tag angehen. Wir könnten zwar alle noch schlafen, da wir erst um 10 Uhr die Flambahn zur 866 m hoch gelegenen Bahnstation Myrdal nehmen, doch der heutige ereignisreiche Tag lässt alle Schlafspuren hinter sich, und um 9 Uhr verlassen wir bereits unser Schiff bei strahlendem „Yakee“- Wetter.

Eine Übersichtskarte hilft uns bei der Orientierung. Sie gibt uns auch Aufschluss über die besonderen Gegebenheiten auf der 20,200 km langen Strecke, die die Flambahn in knapp einer Stunde – die höchste 20%ige Steigung mit eingerechnet – bewältigt. Ein örtlicher Guide macht uns auf die 1667 erbaute Flamkirche ebenso aufmerksam wie auf den prächtigen Wasserfall Rjoandefossen, der senkrecht 140 Meter den Berg hinabstürzt. An der Einfahrt des Baklitunnels hält der Zug an, und wir begeben uns zu Fuß zum Wasserfall Kjosfossen.

Auf halber Höhe betört „Hilda“ mit anmutigem Gesang die Gäste. Ebenfalls auf der linken Seite blicken wir auf der Weiterfahrt auf den wunderschön gelegenen See Reinungavatnet, und schließlich erreichen wir pünktlich den Verkehrsknotenpunkt Myrdal an dem Streckenabzweig nach Oslo. Leider sind uns nur 8 Minuten Aufenthalt „genehmigt“ worden, und statt der erhofften Kaffeepause erhält jeder Fahrgast eine Vergütung von 5 €. Dennoch haben wir eine unvergessliche Eisenbahnfahrt erlebt, die Jahr für Jahr Menschen aus aller Herren Länder anlockt und zu den eindruckvollsten Touristenattraktionen Norwegens zählt. Besonders beeindruckt sind wir durch die Tatsache, dass der Fluss Flam durch Tunnels unter die Bahnlinie hindurch geleitet wird, demnach keine Brücken für die Flambahn erforderlich waren.

Auf unser Kreuzfahrtschiff zurückgekehrt, dauert es fast eine Stunde, bis unser Kreuzfahrtschiff gewendet hat. Auf der Rückfahrt können wir nochmals das atemberaubende Panorama mit den wilden Bergregionen bewundern. Dennoch müssen wir uns kurz vor 14 Uhr von den tiefen Schluchten, den Wasserfällen, den schroffen Felshängen und den schnee-bedeckten Bergen losreißen: Das Mittagessen beginnt. Danach müssen wir die restlichen Tickets für die Ausflüge abholen. In die Kabine zurückgekehrt, finden wir endlich Zeit, das Tagesprogramm zu studieren, in dem u.a. eine Beschreibung des Tageshighlights angefügt ist:

 

„Der Sognefjord, auch ´König der Fjorde ` genannt, liegt am Fuße der höchsten norwegischen Gebirgsgipfel und des größten festlandeuropäischen Gletschers ( Jostedalsbreen ) und ist ein Fjord der Superlative – breit und karg an seinem Ausgang, wild und dramatisch im Innern. Hauptattraktion der kleinen Ortschaft Flam, die am innersten Ende des Aurlandfjordes gelegen ist, ist die Flambahn, die sich auf einer Strecke von nur 20 km durch das enge und steile Flamstal hinauf nach Myrdal windet, das in einer Höhe von 867 m liegt. Das größte Streckengefälle beträgt ca 20% ( die Bahn ist mit fünf voneinander unabhängigen Bremssystemen ausgestattet, die jedes für sich in der Lage sein sollen, den Zug zum Stehen zu bringen ). Die Flambahn wurde bereits gegen Ende des 19. Jhs. geplant, Baubeginn war dann aber erst Mitte der 20er Jahre. Der Bau des Streckennetzes dauerte 20 Jahre, die erste Fahrt fand am 1. August 1940 statt. Inzwischen zählt die Bahnfahrt, die durch 20 Tunnels führt, zu den meistbesuchten Touristenattraktionen des Fjordlandes.“

Der Sognefjord nimmt zusehends an Breite zu. Bald sind die steilen Felspartien verschwunden. Ortschaften schmiegen sich nun an die schmalen Küstenstreifen. Die Sonnenhungrigen haben ein ideales Plätzchen gesucht, andere bevorzugen den Bordkaffee, wieder andere widmen sich Bordaktivitäten wie Sprachkurs und „Walk a mile“ mit Patric, der sich allerdings zunächst wieder nicht am vereinbarten Treffpunkt einfindet. Als auch eine Suche nach dem „Fitnesstrainer“ erfolglos verläuft, stürzen sich einige in den offiziellen Fitnessraum.

Es dauert noch eine Weile, bis unsere „schwimmende Wohnung“   die Rückfahrt durch den Sognefjord bis ins offene Meer bewältigt hat. Um 19 Uhr ist es geschafft.

Zum gleichen Zeitpunkt ist Nachtessen angesagt. Es gibt allerhand zu berichten. Das Wasser im Außenpool ist ziemlich dunkel. Keiner vermag die geäußerten Vermutungen bestätigen. Und nach der „russischen Reinigungsmethode“ gibt Larisa, nachdem sie Peter die Himbeersoße auf die Hosen gekippt hat, den Tipp: „Wasser ist in Clo.“ Der guten Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Nach dem Essen finden wir Platz zum „Neck“-Tar-Treff im Blumenkabinett neben der Neptun-Bar. Kredenzt werden Schlehe, Topi und Zwetschgenwasser Margarete überrascht noch mit einer Flasche Sekt, doch den heben wir uns für einen anderen Anlass auf.  Es will heute nicht Nacht werden. Noch um 23.30 Uhr ist es draußen taghell. Wie soll man da schlafen können! Doch die Müdigkeit holt uns ein.

Freitag, 04. Juni

Ab 1 Uhr wird es kalt und kälter. Durch das offene Fester zieht kalter Wind herein. Nun müssen wir im abgeschlossenen Raum den Schlaf versuchen. Es gelingt. Um 3.40 Uhr hüllt sich das Firmament mit einem roten bizarren Mantel ein. Eine nahezu geschlossene Wolkendecke hindert die Sonnestrahlen, bis zu unserem Kreuzfahrtschiff zu gelangen. Genüsslich können wir uns in unserem Bett räkeln und noch eine Mütze Schlaf nehmen, bis der Außenpool mit einer Temperatur von 34°  – die Luft ist erst 12° warm – ruft. Die ganz Sportlichen hat das „Patric-Fieber“  gepackt, und sie drehen auf Deck ihre Runden. Eine Meile ist aber schon Pflicht!

Mit dem fast Einzigen, was hier an Bord noch fehlt, einem angenehmem Vogelgezwitscher, werden wir von Kerstin, dem heutigen Bordwecker, in den frischen Tag geführt. Heute ist zwar Seetag, dennoch gilt es eine Menge „Termine“ zu erfüllen.

Sportlich kann es den ganzen Tag zugehen: Frühsport ab 8.00 Uhr, Dartturnier ab 9.00 Uhr.  Weiteren  Aufschluss über die möglichen Tagesaktivitäten gibt wieder die Bordzeitung. Doch wir lassen uns in keinen „Date“-Zwang bringen, sondern werden uns erst einmal beim Frühstück auf die vielseitigen Angebote einstimmen.  So geht nach dem lukullischen Morgenstart jeder seinen persönlichen Interessen nach.

Der Wind hat zwischenzeitlich aufgefrischt. Seit Flam hat unser Schiff 370 Seemeilen zurückgelegt, doch bis Honningsvag sind es noch 585 sm. Gegen 16.15 Uhr, lautet die Prognose, werden wir den Polarkreis überqueren. Dann gibt es für einige Tage keinen Sonnenaufgang und auch keinen Sonnenuntergang mehr. Wir sehen rasch in der Bordzeitung an, wie am heutigen Tag diese Polartaufe angekündigt wird:

„Neptung, die Hoheit der Meere, und sein Gefolge kommen heute an Bord. Alle vom irdischen Staub Beschmutzten werden untersucht, gestempelt und mit lauterem Wasser gereinigt und in sein eisiges Reich eingelassen, sofern sie für würdig gefunden… Im Anschluss an die Polartaufe können sich alle Gäste im Lido-Café bei einem Glühwein von dem Schrecken erholen.“

Als wir uns im Musiksalon einfinden, wissen wir immer noch nichts über den Verlauf dieser Zeremonie. Der gesamte Boden ist mit blauer Folie ausgelegt. Da schießen doch Passagen der Vorankündigung uns in den Kopf: „Eisig“  „gereinigt“! Was da auf uns zukommt! Bald ist es soweit. Die Massen sind geströmt. Kein Platz ist im Musiksalon mehr frei. Neptun zieht mit Gefolge unter lauter „Musik“ ein und nimmt auf seinem Thron Platz. Nachdem sich die Schiffscrew unterwürfig unter die Herrschaft der Meereshoheit gestellt hat, erhält sie den Goldenen Schlüssel zum Überqueren des Polarkreises. Neptun wendet sich dann an alle Neulinge, zwingt zunächst eine Vertreterin der Reiseleitung zur Erfüllung der vorgeschriebenen Weihungszeremonie und lässt dann sein Gefolge alle Neulinge einfangen und vor den Thron schleppen. Nach Erfüllung der Reinigungszeremonie – ist nicht jedermanns Geschmack – werden dann die Prüflinge mit dem Meeressiegel entlassen.

Es geht recht turbulent zu. Auch Irmgard und Anita geraten in den Sog der „Willigen“. Auch sie werden eingeseift, müssen Fisch und den Fuß der Meeresjungfrau küssen, erhalten den Stempel und werden schließlich von Käthe noch ins rechte Bild gesetzt. Nach diesem Spektakel gibt´s manches zu bereden. Doch wir haben Termin beim Kapitän auf der navigatorischen Kommandozentrale. Die meisten Informationen sind nicht nur akustisch nicht zu verstehen, sondern wir sind eher von der ausgeführten Technik und der Vielfalt der Geräte verwirrt.

Was darf´s am Nachmittag sein: ein Vortrag über Lachs und Grieg, Bingo oder Russischunterricht, eine Weinprobe oder Bilderausstellung? Die Möglichkeiten reißen nicht ab. Die Entscheidung, ein Sonnenbad zu nehmen, scheitert allerdings am Wind. Doch jeder findet eine individuelle Lösung und genießt für sich den eigenen Nachmittag bis zum gemein-samen Abendessen um 19 Uhr.

So ist es auch nicht leicht, die Gruppe am Nachmittag aufzuspüren. Einen erneuten Versuch starten die Reisebegleiter dann zur Kaffeestunde. Ganz stolz sind wir, dass wir dabei zehn Teilnehmer unserer Gruppe im Musiksalon antreffen bzw. „vereinen“ können. Da ja alle, wie wir wissen, extrem schlank sind, kommen die süßen Stückchen gerade recht. Und anschließend lernen wir erstmals Bingo kennen. Käthe und Irmgard sind aber leider nicht bei den Gewinnern.

Um 18.30 Uhr sind wir wieder in der Kabine, um auf Kanal 1 des Russischen TV-Studios die Landganginformationen über Honningsvag zu bekommen:

Heimat der Trolle, imposante Wasserfälle, Reich des Nordlichts, zauberhafte Landschaft, Fahrt zum Nordkap, alte samische Lebensweise, Meridiankugel, 71°10´21´´, Mitternachtssonne! Allein diese Ankündigung verspricht einen besonders erlebnisreichen und interessanten Ausflug.

Nach dem Abendessen nutzt jeder wieder seine Entscheidungsfreiheit. Die Reisebegleiter sehen sich im Theater den Film „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“  an, der allerdings 166 Minuten dauert und erhebliche Konzentration und Ausdauer verlangt. Andere gehen zur Black&White-Party.

Das Zauberwort „Mitternachtssonne“ liegt in der Luft. Doch wir können sie an Steuerbord nicht sehen. Doch ein Blick auf die Lofoten, deren Schneegipfel ein rosa Kleid angelegt haben, lassen uns mit der Kamera nach Backbord eilen. Phantastisch! 

Die Mitternachtssonne taucht Schiff, Wasser und die Inselgruppe in ein noch nie gesehenes Gold. Viele Gäste sind trotz eisiger Kälte an Deck geeilt, haben ihre Fotoapparate gezückt und halten dieses Naturschauspiel fest. Gerne hätten wir an Deck noch länger verweilt, doch der durch den Fahrtwind noch verstärke Wind und eine Außentemperatur von kaum 4° reißen uns aus der Betrachtung und schicken uns in die geschlossene Wärme zurück.

Aber auch von der Kabine aus schweift unser Blick nochmals über die faszinierende Partie der lang gestreckten Lofoten-Inselgruppe im Atlantik, bevor wir schließlich nach 1.30 Uhr das Bett aufsuchen. Da wir unsere anderen Teilnehmer nirgends finden konnten, hoffen wir, dass alle anderen dieses Naturereignis auch zu Gesicht bekamen. Morgen beim Frühstück werden wir sie befragen.

 

Teil 2 des Reiseberichtes „Norwegens schönste Fjorde und Nordkap“ folgt.

Zum ewigen Eis nach Spitzbergen

 

Teil 2/3

Samstag, 25. 06.

Die Anstrengung der beiden letzten Tage sind auch bei Winfried Prinz nicht spurlos vorüber gegangen. Er wirkt etwas müde. Wir haben uns in der Zeit vertan und sind bereits um 6.45 Uhr fertig und an Deck. Die ganze Nacht sind wir an der Eiskante entlang gefahren. Kapitän John Moule hat für alle ein weiteres Highlight bereit. Er fährt nochmals ins Eis hinein, und wir können kaum glauben, was wir zu Gesicht bekommen.

Tausende von Sattelrobben liegen auf den Eisschollen. Die “Alex” nähert sich ganz vorsichtig den Tieren.  Erst kurz bevor dem Bug die Eisscholle berührt, kommt Bewegung in die Massen, und die Sattelrobben tauchen nacheinander unter, tauchen etwas später wieder auf und schwimmen in gleichem Rhythmus zu einer anderen sicheren Eisscholle. Es herrschen zwar nur 0,5° Außentemperatur, doch keiner der “Kreuzfahrer” rührt sich von seinem Beobachtungsplatz.

Fast lautlos steuert John Moulds die “Alex” durch die Eisgrenze. Immer wieder liegen kleinere und größere Gruppen von Sattelrobben auf diesen Plattformen, verharren, starren auf den nahenden Koloss, doch dann ist die Fluchtdistanz erreicht. Sie tauchen unter.

Auf der Brücke ist man sich einig, noch niemals zuvor auf den vielen Nordlandreisen eine solche Ansammlung von Robbenkolonien gesehen zu haben. Die Finger sind bei der Temperatur um den Nullpunkt klamm geworden, und wir ziehen uns kurz in unsere Kabine zurück, um uns aufzuwärmen. Der Himmel ist wieder total bewölkt. Wir nutzen nun die Zeit vor dem Mittagessen mit einem Einkaufsbummel. Isolde benötigt dringend eine Uhr und eine dicke, windabweisende Fliesjacke.

 Um 11 Uhr werden wir zu Winfrieds “Plauderstunde” gehen. Im Musiksalon angekommen, spüren wir erstmals die Bewegungen der “Alex”. Beim Blick durch die großen Fenster senkt und hebt sich der Horizont merklich. Dennoch verspüren wir noch keine unangenehmen Gefühle. In seiner “Plauderstunde” streift Winfried viele Themen wie auch die Havarie 1989 im Eis, stellt alle Schiffe – auch die neue  MS Amadea – vor.

 Die Alexander von Humboldt ist ein äußerst familiäres Kreuzfahrtschiff. Gerade die letzten Tage haben auch gezeigt, dass mit dem Expeditionsschiff viel mehr als mit den anderen zu machen ist. Für Ende Juni gab es ungewöhnlich viel Eis an der Südspitze des Eisfjords. Es gab keine Möglichkeit, in den Hornsund einzufahren. Die beiden anderen Phoenix-Schiffe. Maxim Gorki und Albatros, waren zeitweise im Eis gefangen, denn die Meeresströmung hatte den Eingang zum Eisfjord ver-schlossen. Sie verloren viel Zeit und müssen Landgänge ausfallen lassen, um die Zeit wieder einzuholen. Viel mehr Glück war aber der “Alex” beschieden. Sie weist zwar mit 1B eine hohe Eisklasse auf, ist aber kein Eisbrecher.

Das Flaggschiff Maxim Gorki genießt in Deutschland große Popularität. 1988 wurde sie von Neckermann abgegeben und nahtlos von PhoenixReisen übernommen. Es gibt wohl kein Schiff, das so viele Weltreisen unternommen hat. Derzeit werden Ge-spräche geführt, um über das Jahr 2007 einen Verlän-gerungsvertrag abschließen zu können. Die Albatros ist das günstigste Schiff bei PhoenixReisen.

Die Alexander von Humboldt bietet lediglich eine Tischzeit an. 1996 als Minerva gebaut, fuhr sie als Saga Pearl und seit Jahren bei den USA als Discovery 2. Mitte November bis März eines Jahres bleibt die “Alex” in der Antarktis. Kapitän und Besatzung bleiben aber ganzjährig.

Das neue Schiff mit Namen Asuka wurde 1991 gebaut. Sie ist knapp 200 Meter lang und weist eine Breite von sieben Metern auf. Von den 300 Kabinen sind 108 mit Balkon ausgestattet, was allerdings auch einen Nachteil mit sich bringt; denn das Sozialleben an Bord wird doch merklich beeinträchtigt. Die Asuka, bei Phoenix nunmehr MS Amadea, hat ein offenes Promenadendeck. Ab 7. März 2006 wird sie in Diensten von PhoenixReisen ganzjährig auch die klassischen Routen befahren. Bei der neuen MS Amadea werden günstige Preisangebote angestrebt, die zwischen Maxim Gorki und Albatros liegen werden.

Auch auf den anhaltenden Trend der Flusskreuzfahrten geht Winfried in der “Plauderstunde” ein. Allein 48 Schiffe fahren in Diensten von PhoenixReisen.

Zum Schluss seiner Ausführungen gerät Winfried nochmals ins Schwärmen. “Auf der Alexander von Humboldt  macht die Arbeit einfach Spaß. Die Antarktis ist das Schönste, das beste, was man machen kann.” Die Intensität der Erlebnisse sei nicht mehr zu toppen. Man staune nur über die gigantische Naturkulisse. Vom Eis gehe eine unvorstellbare Attraktivität und Anziehungskraft aus.

Der filmische Rückblick auf Spitzbergen von Sven Achtermann ergänzt am Nachmittag die überwältigenden Eindrücke dieser Fahrt. Auch für den Lektor Achtermann war diese Reise nach Spitzbergen gespickt mit Highlights:

  • die Beobachtung der Minkwale, die mehrfach aus dem Wasser sprangen und fast senkrecht wieder eintauchten.
  • Jagd der Belugawale
  • Bartrobbe auf einer Eisscholle
  • Kolonie der Sattelrobben – Fellwechsel – “Sattelrobben on the rocks”
  • Walrösser auf der Insel Moffen
  • Abdruck einer Bärentatze
  • Verteidigung der Brutgelege durch die Küstenmöven
  • Jagdverhalten der Schmarotzerraubmöven
  • Treibholz aus Sibirien
  • Küstenseeschwalben im Nebel
  • Färbungsvarianten der Eisschollen
  • gewandter Flug der Eissturmvögel
  • fliegende Zäpfchen in Gruppen
  • Papageientaucher mit dem markanten Schnabel

Mitten im Vortrag unterbricht Winfried Prinz für eine wichtige Mitteilung. Wir eilen an Deck und dürfen die unglaubliche Jagd zweier Buckelwale verfolgen.

Die großen Meeressäuger treiben den Fischschwarm an die Wasseroberfläche, legen einen Blasring und schlagen auch mit der Schwanzflosse auf den Fischschwarm. Das Wasser nimmt eine andere Färbung an, weithin sichtbar. Die Fische sind bewe-gungsunfähig geworden und landen größtenteils im Maul der Jäger. Die übrigen Fische werden Beute der  die Jagd begleitenden Dreizehenmöven. Immer wieder stellen wir uns die Frage, wo die Buckelwale nochmals auftauchen werden. Die Kameras sind aufs Meer gerichtet, und das Warten wird auch belohnt.

Nach der Naturbeobachtung steht auch Fußball auf dem Programm. In der Halbzeitpause widmen wir uns dem “Russischen Nachtessen”, allerdings nur dem Salatbuffet und einem Dessert.  Sehr attraktiv ist heute das Angebot ausnahmsweise nicht. Nach der zweiten Halbzeit steht es 3:2 für Brasilien. Doch die deutschen Fans sind nicht enttäuscht. Sie haben eine kämpferische und einsatzwillige deutsche Elf gesehen. Das trübe Wetter lockt uns nach der Sportschau nichts mehr nach draußen.

O mit O² ( Olga mit Oper und Operette ) schenken wir uns. In der Pianobar ist es heute besonders laut. So treffen wir die richtige Entscheidung und gehen um 22.30 Uhr ins Bett, um wieder einmal richtig auszuschlafen.

Teil 3 des Reiseberichtes „Zum ewigen Eis nach Spitzbergen“ folgt.

Vom einzigartigen Schauspiel der Mitternachtssonne begleitet

 

Als ich das letzte Mal mit einem Kreuzfahrtschiff Spitzbergen besuchte, war ich an Bord der lieb gewonnenen „Maxi“, die derzeit leider in Indien abgewrackt wird. Der Bonner Anbieter Phoenix Reisen  wird in der Zeit vom 17. Juli bis 3.August 2009 die Nordliebhaber mit der MS Amadea ab Bremerhaven nach Spitzbergen bringen. In der Reiseausschreibung heißt es:

Kommen Sie mit auf eine Reise, die Sie nicht vergessen werden! Gewaltige, vielseitige Naturschauspiele, riesige Gletscher, die Mitternachtssonne und die eindrucksvolle Küsten- und Fjordwelt Norwegens haben bereits Tausende von Kreuzfahrern in ihren Bann gezogen. Ihre Reise nach Spitzbergen beginnt und endet in Bremerhaven.
Nach einem erholsamen Seetag, auf dem Sie die gesunde Seeluft genießen und die Bordeinrichtungen sowie das vielseitige Bordleben kennenlernen, kommen Sie auf die Färöer Inseln und auf die Westmänner Inseln. Weiter geht die Schiffsreise nach Island, der Insel aus Feuer und Eis. Die Hauptstadt Reykjavik ist Ausgangspunkt für eine 2-Tagestour über diese an Naturschönheiten reiche Insel oder Sie machen einen Ausflug zum tosenden Gullfoss-Wasserfall und zu schäumenden Geysiren. Weitere Ziele sind die hübsch gelegenen  Hafenstädte Isafjördur und Akureyri mit hervorragenden  Ausflugsmöglichkeiten. Mit Kurs Nord bringt MS Amadea Sie über den Polarkreis. Feiern Sie die Polartaufe auf dem Sonnendeck! Noch am gleichen Tag passieren Sie die Vulkaninsel Jan Mayen, bevor Sie die nahe am Nordpol gelegene Inselgruppe von Spitzbergen erreichen. Die Passage durch die eindrucksvollen Fjorde mit ihren majestätischen Gletschern gehört wohl zu den aufregendsten Erlebnissen dieser Reise. Auf Ihrer Fahrt werden Sie von dem einzigartigen Schauspiel der Mitternachtssonne begleitet. Dann besuchen Sie das Nordkap zu mitternächtlicher Stunde. Ab hier beginnt eine erlebnisreiche  Küstenfahrt durch die Innenpassage auf den Spuren der Postschiffe mit Zwischenstopp im hübschen Tromsø und Bodø. Zum Abschluss Ihrer Reise lernen Sie die norwegische Hafenstadt Bergen kennen. Neben vielen Eindrücken an Land gibt es Tage der Erholung, an denen Sie die gute Seeluft des hohen Nordens genießen. Selbstverständlich bieten wir Ihnen ein umfangreiches Bordprogramm an, so dass keine Langeweile aufkommt.“

In meinem dreiteiligen Reisebericht „Zum ewigen Eis nach Spitzbergen“ berichte ich über meine Erfahrungen, Erlebnisse und Ereignisse auf der „Maxi“.  Ich bin sicher, dass auch die 17-tägige Spitzbergen-Tour in der Zeit vom 17.07. bis 03.08.2009 auf der MS Amadea zu einem unvergesslichen Erlebnis werden wird.

Zum ewigen Eis nach Spitzbergen

 

Teil 1/3

Kurz entschlossen wollten auch wir den “Vorstoß in den weißen Kosmos” wagen. Unsere Reise wird in der nördlichsten Siedlung der Welt, in Longyearbyen, beginnen. Dort soll es alles geben, außer genügend Sonnenlicht, an 112 Tages des Jahres nur Finsternis. Und weitere interessante Informationen liefert uns das Internet:

Die Zivilisation ist nur eine hauchfeine Schicht über der unerbittlichen arktischen Natur. Als man auf Spitzbergen Steinkohle entdeckt, rückten die ersten Grubengesellschaften an, und mit ihnen kam der Bostoner Geschäftsmann  Munro Longyear, der 1906 seinen Claim dort absteckte, wo heute die Stadt Longyearbyen liegt. 80 Jahre war Longyearbyen nicht mehr als eine triste Bergarbeiter-Siedlung, rund 1200 km vor dem Nordpol.

Neben wunderschönen Lanschaftsformen, bizarren Glet-scherformationen, einer wundersamen Welt aus “weißen Scherben”, einer Stille der Einsamkeit erwarten wir aber auch aufregende Tierbeobachtungen. Aber erzählen wir zunächst einmal von vorn.

Mittwoch, 22. 06.

In knapp 5 Stunden fliegt uns die HHI von Frankfurt nach Longyearbyen. Erst kurz vor der Landung reißt die Wolkendecke auf und gibt einen Blick auf Spitzbergen, die Inselgruppe im Nördlichen Eismeer, frei.

Es ist zwar bereits Mitternacht vorbei, doch fahles Tageslicht beleuchtet die Szenerie, die vom Kohleabbau bestimmt ist.  Das Panorama ist nicht berauschend. Wir blicken auf Förderbänder, Kohlenhalden und Blech- und Holzhütten. Da uns dieser Anblick ohnehin nicht gefangen nimmt, wenden wir uns unmittelbar nach der Landung dem Begrüßungskomitee und der Phoenix-Reiseleitung zu, die fröstelnd auf uns gewartet haben. Longyearbyen ist, so erklärt man uns auf der kurzen Fahrt zur Schiffsanlegestelle,  die größte norwegische Siedlung auf Spitzbergen.

Donnerstag, 23. 06.

Eigentlich ist es ja schon Morgen, als wir kurz vor dem Pier anhalten, von Kreuzfahrtdirektor Winfried Prinz persönlich begrüßt werden und nach kurzer Erledigung der Formalitäten unsere Kabine aufsuchen. Auf das Gepäck müssen wir noch warten. So gönnen wir uns so wie auch die anderen 146 Neuankömmlinge im Veranda-Restaurant – es ist mittlerweile 01-00 Uhr geworden – eine heiße Suppe und schauen von der Reling auf die unmittelbare Umgebung von Longyearbyen, die sich im Sonnenschein von uns verabschieden möchte.

Nach einem kurzen ersten Erkundungsgang suchen wir unsere Kabine ( A 31 ) auf. Die Koffer sind zwischen-zeitlich gebracht worden. So können wir auch schon einräumen und uns häuslich in unserem Domizil für die nächste Woche niederlassen.  Um 3.00 Uhr nimmt die Alexander von Humboldt Fahrt auf mit Kurs auf den 146 sm entfernten Magdalenenfjord.

Schlaf haben wir in der ersten Nacht kaum gefunden. Und als wir unsere Kabine zum Frühstück verlassen, lernen wir auch unserer Stewardess Princess kennen. Trotz Spritzen, die ich mir in der Heimat vom Hausarzt noch geben ließ, haben sich die Beschwerden nicht gebessert. Kaum kann ich mich bewegen. Doch an Bord ist glücklicherweise ein Arzt. Und das Glück ist mir doppelt hold. Dr. Koller ist Orthopäde und gleichzeitig auch Mannschaftsarzt der Nationalelf der deutschen Hockeydamen. Da bin ich ja in besten Händen. Acht Spritzen werden mir sicherlich Linderung verschaffen.

Die obligatorische Rettungsübung ist unmittelbar nach dem Frühstück angesetzt. Im Musiksalon zeigt man uns das richtige Anlegen der Rettungswesten und erläutert uns das richtige Verhalten im Notfalle. Einen weiten Raum nimmt dann auch die Instruktion für die Benutzung der Zodiacs ein.

Mit seinem Beitrag “Auf ein Wort” beschließt Winfried Prinz die Morgenveranstaltungen, und wir können schon erahnen, was auf uns zukommt, als Winfried Prinz zitiert: “Wir sind nicht hier zum Schlafen, sondern um etwas zu erleben.”

Auf dieser Route werden wir, so Winfried Prinz, nicht die einzelnen Punkte des Katalogangebots abhaken, sondern nach Rücksprache mit Behörden und bei Anpassung an die situativen Bedingungen Änderungen vornehmen, um allen Gästen einzigartige Erlebnisse anzubieten. Die Alexander von Humboldt ist ein Expeditionsschiff mit hoher Eisklasse 1B. Durch seine hohe Manövrierfähigkeit kann es noch in Fjorde einfahren und wenden, was andere Kreuz-fahrtschiffe nicht realisieren können. Von großem Vorteil erweist sich das Promenadendeck, das alle Passagiere umlaufen können. Das großzügige Kino bieten 98 Personen Platz, und die Bibliothek ist bestens, wenn auch vorwiegend mit englischer Literatur, ausgestattet.

Dem Urteil, dass es sich bei der Alexander von Humboldt um ein gemütliches Schiff handelt, können wir uns nur anschließen. Auch die lockere Ordnung bei den Mahlzeiten kommt an. Die aktuellen Informationen von der Brücke kann jeder Gast gut in seiner Kabine über Kanal 1 empfangen. Auch das sensible Thema “Trinkgeld” spricht Winfried Prinz an.

Noch vor dem Mittagessen werfen wir einen Blick auf die Fjord- und Küstenlandschaft. Leider scheinen uns dichte Nebelschwaden diese besonderen Landschaftsformen verwehren zu wollen. Und während des Mittagessens aktiviert eine Borddurchsage “Walross backbord” die Massen. Auch uns erfasst dieser Sog. Doch wir bekommen nur Robben auf treibenden Eisschollen zu Gesicht und vor die Linse.

Dann dreht die “Alex” auch schon bei und geht im Magdalenenfjord auf Reede. In landschaftlicher Hinsicht ist dieser vergleichsweise kleine Fjord wohl der bekannteste Spitzbergens, da eine Mischung aus alpiner Bergwelt, steilen Fjordwänden und in den Fjord abstürzenden Gletscher sehr reizvoll ist.

Auf der Südseite ragt eine kleine flache Landzunge in den Fjord, auf die mehrere alte Gräber zusammengelegt wurden und vom norwegischen Staat 1930 mit einem Gedenkstein an die Walfänger versehen wurden, die dort vor 200 – 300 Jahren während der “Großen Jagd” ihr Leben verloren.

Trotz Nebel erweist sich diese Anlegestelle als eine Topadresse für alle Kreuzfahrtschiffe. Auch wir sind begeistert. Die vielfältig geformten und gefärbten Eisschollen erzeugen im Sonnenlicht märchenhafte Farb- und Lichtimpressionen.

Das Meer ist weiterhin recht ruhig. Meeresvögel demonstrieren uns bei der Einfahrt ihre Flugkünste.

Leblos erscheinen uns die Berge,  aber bei genauerem Hinsehen mit dem Fernglas entdecken wir Flecken von Moos und Flechten. Kleinere und größere Gletscherzungen sind bis zum Meer vorgedrungen. Kleinere Bruchstücke – grob als auch bizarr – weiß bis türkisblau gefärbt ziehen an uns vorüber

Und wir haben erneutes Glück. Seevögel und Robben zeigen uns ihre “Wohnungen”.

Zodiac-Boote bringen jeweils zehn Personen auf die öde, felsenübersäte Halbinsel an Land und wir gelangen auf einem “breiten Pfad” (jeder sucht sich einen  Weg ) zum Denkmal in der Nähe der Hütte, die den Sysselmannen als Quartier dient.

Vier Ranger achten auf die Einhaltung der Verhaltensregeln in diesem Naturschutzgebiet und achten aber auch im Besonderen darauf, dass keine Eisbären für eine unliebsame Überraschung sorgen. Spuren von Eisbären sind sehr wohl in der Nähe, der frische Abdruck einer Tatze und Fellhaare, die ein Bär beim Wälzen auf dem Boden hinterlassen hat. Aber nicht alle haben ein Auge für diese kleinen Überraschungen: Der Glühweinstand und auch die Würstchenbude lockt manche an.

Vor Betreten dieses Naturschutzgebietes wurden wir speziell auch darum gebeten, auf die brütenden Meeresvögel zu achten, doch mancher der Gäste muss am eigenen Körper erfahren, wie hartnäckig und wirkungsvoll diese Tiere ihr Gelege verteidigen und die “Angreifer” oder zumindest “Eindringlinge” in die Flucht schlagen.

Lediglich eine Stunde dauert der erste Landgang. Wir kehren auf die Alexander von Humboldt zurück, bleiben aber an Deck und blicken auf die Gletscher und Gebirgszüge des Festlandes zurück. Welche Ruhe strahlt diese majestätische Landschaft aus! Bald lichten sich die Nebelschwaden und geben den Blick frei auf die prächtige Bergwelt.  Unbeeindruckt von uns “Störenfrieden” treibt eine Robbe auf einer Eisscholle vorbei.  Mit der Ruhe ist es aber vorbei, als die Borddurchsage “Beluga backbord” alle aufschreckt . Doch der “Sänger der Meere” ist längst wieder abgetaucht, bis alle fotohungrigen Gäste mit Fotoapparat und Videokamera bewaffnet an Deck erscheinen. Der Beluga bleibt in seinem Revier. Eine Borddurchsage muntert uns auf. Wir sollen nicht traurig sein, wenn wir dieses Mal  keinen Erfolg beim Beobachten hatten. Wir sollten uns viel häufiger an Deck aufhalten, das Meer mit dem Fernglas absuchen.

Die “Alex” nimmt um 16.30 Uhr wieder Fahrt auf und erreicht eine Stunde später das offene Meer Richtung Norden. In vier Stunden soll der zweite Landgang erfolgen. Isolde widmet sich kaum den Durchsagen. Sie will einfach raus, hält es in der Kabine nicht mehr aus. Doch alle Informationen sind auf dem ganzen Schiff zu hören, als Winfried Prinz die weitere Planung bekannt gibt.

Gegen 19.40 Uhr wurde die Wasa-Halbinsel umrundet, und die “Alex” fährt nun in den Raudfjord ein. Derzeit herrscht eine Außentemperatur von 1°Celsius. Eine Entscheidung wird erst gegen 21 Uhr getroffen. So hofft jeder, dass sich der dichte Nebel lichtet und uns die prächtigen Ausblicke nicht weiterhin verschließt. Gegen 20 Uhr ist es spannend geworden. Auf der Steuerbordseite machen wir die Hügel- und Bergketten der Fjordlandschaft aus. Darüber hängt aber immer noch eine dichte Dunstglocke, und die Sonne hält sich weiterhin verborgen, was Winfried Prinz lakonisch kommentiert: ”Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.” Wir erfahren, dass an dieser Stelle der Fjord fünf Kilometer breit ist und die Berge bis 800 Meter ansteigen.

Dann startet ein Scoutboot um 20.30 Uhr mit den vier Rangern, Winfried Prinz, dem Vizekapitän Michael Block sowie den beiden Lektoren. Und sie kehren mit erfreu-licher Nachricht zurück. Sie haben eine günstige Anlegestelle gefunden.

Überraschend viele Mitreisende entscheiden sich für diesen Landgang, eine Fahrt mit den Zodiacs auf eine Insel, die mit Geröll, Schnee- und Eisflächen, Baumstämmen aus Sibirien und auch Wohlstandsmüll übersät ist. Selbst kleine Korallenästchen finden wir auf diesem Eiland. Das Packeis muss sie von weither hergebracht haben. Der Nebel ist noch dichter geworden. Unser Zodiacfahrer orientiert sich mit dem Kompass und trifft auch ohne Umschweife auf die Alexander von Humboldt.

Die Eindrücke müssen wir erst noch verarbeiten und suchen die Bar auf. Ein “Blue ice” und ein Bier werden uns in den Schlaf wiegen, Doch mein Rücken schmerzt auch noch nach der zweiten Spritzenbehandlung.

Freitag, 24. 06.

Mit einer frühen Durchsage um 7.15 Uhr bringt uns Winfried Prinz auf die Beine. Bereits um 5 Uhr war die “Alex” am Lieftefjord angekommen, aber bald wieder umgekehrt, weil keine Sichtweite garantiert war. Dann trifft die Crew eine folgerichtige Entscheidung. Kapitän John Moulds will seinen Gästen unbedingt etwas bieten und fährt ganz in den Norden Spitzbergens zur Insel Moffen. Und tatsächlich: ein Volltreffer!

Eine Walrosskolonie sonnt sich auf der flachen Insel. Bis 700 Meter kann John Moulds das Schiff heranbringen, und all die Gäste sind im Vorteil, die mit einem besonderen Fotoequipment ausgestattet sind und die Walrösser heranzoomen können.

Gegen 12 Uhr brechen wir zum Magdalenenfjord auf. John Moulds will dicht an die Gletscher heranfahren, sofern der Fjord überhaupt eisfrei ist. Und die Fahrt wird nicht langweilig. Viele Naturbeobachtungen erweitern unseren Horizont. So beobachten wir beispielsweise, wie eine Raubmöve eine Eidermöve tötet.

Mit seinem Vortrag über die Region gibt uns Sven Achtermann Einblick in die klimatischen Zusammenhänge und das reichliche Tierleben. Im Gegensatz zur Antarktis ist das Nordpolarmeer von Land umgeben. Bei 80° Nördlicher Breite haucht der Golfstrom seinen letzten Atem aus, bevor er bei Spitzbergen abknickt und Richtung Süden auf eine salzreiche Tiefenströmung trifft. Während des Vortrags passieren wir die Däneninsel, die sich hinter einer gewaltigen Nebelbank versteckt. Unsere “Alex” wird von allerlei Meeresvögeln begleitet, die ihre Flugkünste vorführen.

Und beim Mittagessen fahren wir in den Madgalenenfjord ein. Der Kapitän hat die richtige Entscheidung getroffen. Bei strahlendem Sonnenschein und bester Sicht nähert sich die “Alex” – vorbei an der gestrigen Anlegestelle –  bis auf 700 Meter an den Gletscher Gullybreen und dann noch vorbei am mächtigen Waggonwaybreen. Deutlich können wir die Bruchkante der Gletscher erkennen und diese tollen Motive auf die Platte bannen.

Gemächlich dreht die “Alex”,  und wir fahren wieder aufs offene Meer hinaus. Mächtige und bizarre Eisschollen bilden eine fotogene Eskorte.

Um 15 Uhr hält Joe einen Informationsvortrag über die geplanten Ausflüge, die der Bericht lediglich stichwortartig erfasst:

Tromso.

Stadtrundfahrt mit Eismeerkathedrale, Botanischer Garten, Universitätsstadt, Tromso-Palme, typische bunte Holzhäuser, teures Urlaubsland, Seefahrerdenkmal am Marktplatz, größter Holzdom Norwegens, Roald Amundsen-Denkmal, 1036 m lange Brücke zur Eismeerkathedrale mit 140 m² Glasfenster.

Tromso.

Stadtrundfahrt mit Storsteinen, Dom, Denkmale, Museum mit Samen, Tromso-Brücke, Eis-meerkathedrale, Kabinenfahrt zu den Storsteinen.

Lofoten.

Fahrt nach Svolvaer und Henningsvaer, Lofotenaquarium, Kunstausstellung mit Filmvorführung.

Kristiansund.

Panoramafahrt zum Klippfischmuseum, interessanter Friedhof (spanische Erde ).

Olden.

Briksdalgletscher, Oldensee mit schönen Fotomotiven, Fußweg zum Gletscher oder Fahrt mit einem Elektrofahrzeug; oder: Jostedalgletscher mit Nationalpark, Fahrt mit 19 Serpentinen und 600 Höhenmetern, Botanischer Garten, Filmdokumentation, danach traditionelles Gebäck “Svele”.

Da im Musiksalon recht “arktische” Temperaturen herrschten, bevorzugen wir nach kurzem Nachmittagskaffee eine heiße Dusche in unserer Kabine. Seit Stunden zieht die “Alex” an Landschaften vorbei, die wir allerdings wegen des Nebels nicht zu Gesicht bekommen. Gut erwärmt  begeben wir uns dann schon um 18 Uhr zum Polar-Galadinner, bei dem alle Gäste, die in Longyearbyen zugestiegen sind,  erwartet werden. Kleidersorgen hat Isolde ausnahmsweise überhaupt keine!

Um 19.30 Uhr werden alle neuen Gäste offiziell durch Kapitän John Moulds und Kreuzfahrtdirektor Winfried Prinz begrüßt, die uns ihre jeweilige Crew vorstellen. John Moulds ist – wie er selbst bestätigt – ein typischer Engländer. Er beherrscht lediglich eine Sprache, kennt aber das deutsche Wort “Buckelwal” und arbeitet derzeit am zweiten Wort “Zwergwal”. Seine Crewmitglieder beherrschen allerdings mindestens zwei Sprachen, viele sogar bis zu sieben Sprachen.   Winfried Prinz bringt in seinen Begrüßungsworten  die Ereignisse der letzten beiden Tage auf den Punkt: “Die letzten beiden Tage sind wir durch Himmel und Hölle gegangen. Nach der Phase der Depression folgte glücklicherweise nun die der Euphorie.” Alle Gäste konnten in dieser kurzen Zeit bereits wichtige und einmalige Highlights erleben getreu des Mottos: das Beste für die Gäste! Trotz neuer Orientierungen und Abstimmungen sei die “Alex” im Zeitplan. Eine echte und gute Teamarbeit habe die beste Lösung  zwischen Anspruch und Machbarkeit gefunden.

Im Anschluss an die Begrüßung nehmen wir die Beiträge der Polar-Galashow mit Künstlern wie Olga Caspruk und Oscar Vadillo auf, die mit einem bunten Potpourri unter der musikalischen Begleitung der Metrogold-Band einen bunten Melodienstrauß offeriert.

 Während wir uns während der Happy Hour noch einen Drink in der Bar genehmigen, denken wir auch über das heutige Motto nach. “Man sollte nie die gleiche Dummheit zweimal machen – die Auswahl ist groß genug.”

Mitternacht ist längst vorbei. Doch die Faszination über ein unglaubliches Panorama lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Die Sonne hat sich zwar hinter einer dichten Wolkenbank versteckt, doch ist es immer noch taghell. Die Eisbarriere begleitet uns an der Backbordseite. Hier am 80. Breitengrad erstreckt sie sich nicht als feste Eismasse, sondern in Form Tausender dicht gedrängter Eisschollen.                         

Dieses “Pfannkucheneis” umschwirren zahlreiche Meeresvögel. Dann müssen wir noch Abschied von den beiden Sysselmannen nehmen.

                                                                                                                    Ein Zodiac nimmt die beiden treuen Begleiter an Bord, wassert und fährt sie einem anderen Boot entgegen, das sich aus der Tiefe nähert. Es dauert, bis beide nebeneinander anlegen können. Die “Fahrrinne” ist ständig blockiert, aber die wendigen Boote haben keine Mühe, sich durch die Eisbrocken zu bahnen.

Der zweite Teil des Reiseberichtes „Zum ewigen Eis nach Spitzbergen“ folgt.

Höhepunkte der Ostsee – Teil 3/3

9. Tag

Wer ließe sich morgens nicht gerne wachküssen! Musikalisch besorgt dies um 7.30 Uhr unser Bordwecker, doch nicht uns, denn bereits ab 6,15 Uhr sind wir in die Schärenlandschaft Schwedens eingefahren und genießen diese Landschaft. Wir widmen uns nach dem Aufstehen dem Frühstücksbuffet und haben dann noch genügend Zeit, bis uns die örtliche Reiseleiterin zur Stadtrundfahrt verbunden mit einem Altstadtrundgang abholt. Erstmals erleben wir leider eine völlig inkompetente Botschafterin ihres Landes. Doch wir haben uns glücklicherweise vorinformiert und können dennoch bei der unverständlichen Hektik mit nur einem Fotostopp Schwedens Metropole kennen  lernen. In eindrucksvoller Lage, dort, wo sich das Kobaltblau des Mälarsees mit den dunkleren Ostseewassern mischt, breitet sich die Stadt mit über 14 Inseln aus, die 40 Brücken miteinander verbinden. Die verschiedenen Eilande gleichen sich oft so wenig, dass sie wie eine Reihe nur entfernt miteinander verwandter Miniaturstädte wirken.

Jeder Teil hat seinen eigenen Charakter. In der auf Inseln erbauten Metropole ist Wasser nie weit weg. Vor dem Schloss entlassen wir uns selbst und unternehmen einen Spaziergang durch die Altstadt. Die Sträßchen mit Kopfsteinpflaster und verwinkelten Gassen folgen dem mittelalterlichen Bauplan und sind so eng, dass die Hausgiebel fast zusammenstoßen. Den nördlichen Teil der Altstadt beherrscht das Königsschloss. Erstmals geben wir der örtlichen Reiseleiterin kein Trinkgeld, wir sind zu sehr enttäuscht von ihrer „Leistung“.

Auch am 9. Tag unserer Kreuzfahrt ist die Sonne unser ständiger Begleiter. Erst um 16.00 Uhr erreicht das Verwöhnprogramm unseres Luxusliners an der Bar bei Waffeln einen ersten Tageshöhepunkt. Und um 18.00 Uhr dürfen wir das Gala-Buffet kurz fotografieren. Wir sind in der zweiten Gruppe zum Gala-Dinner bestellt, und auch wir bestaunen den vollendeten kulinarischen Zauber. Nahtlos reiht sich der nächste Termin ein: Gala-Show-Express mit den Bordkünstlern und dem Showorchester. Die Künstler servieren einen Unterhaltungscocktail mit Musik, Tanz und Humor. Wir machen zwar noch lange nicht schlapp, hören aber auf unserer Körper, der sich nach Ruhe und Entspannung sehnt.

10. Tag

Heute ist Seetag. Unser Bordwecker lockt uns schon um 7.30 Uhr gut gelaunt aus den Träumen. Beim Studium des Tagesprogramms können wir uns nicht sogleich entscheiden, welche Termine wir wahrnehmen wollen. Zu viele Angebote erwarten uns:

10.00 Uhr Blick auf die eigenen Urlaubsfotos
10.15 Uhr Premiere des 1. Teils der Filmdokumentation „Höhepunkte der Ostsee“
10.30 Uhr Phantastisches aus Eis: Der philippinische Küchenartist zeigt, wie aus einem Eisblock bezaubernde Eisfiguren entstehen.
11.00 Uhr Frühschoppen mit Weißwurst und Brezel
12.00 Uhr VIP-Sprechstunde
12.30 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr Gemüse-Schnitzereien und Marzipan-Figürchen

Aber auch das Sportprogramm ist verlockend:

9.30 Uhr Fat-Burner mit der Sportlehrerin
10.30 Uhr Bauch-pur-Gymnastik
15.30 Uhr Bauch-Beine-Po-Gymnastik
17.30 Uhr Stretching
17.30 Uhr Walk a mile

Den Auswirkungen des Gala-Buffets kann jeder nach Herzenslust zu Leibe rücken, und außerdem steht ja auch noch der Fitnessraum jedem zur Verfügung. „Sportlich“ nehmen wir auch die Durchsicht der Bilderflut über das Gala-Buffet.

Glutrot verabschiedet sich die Sonne um 19.00 Uhr. Und nach dem Abendessen treffen wir uns noch in gemütlicher Runde an der „Lästerpromenade“. Doch noch können wir nicht unsere Kabine aufsuchen. Schon um 20.30 Uhr ist unser Kreuzfahrtschiff in den Großen Belt eingefahren. Um 23.30 Uhr soll unser Schiff die Storebelt-Brücke passieren. Doch bereits eine Viertelstunde vor „Termin“ erreichen wir die zweitgrößte Hängebrücke zwischen Sproge und Halskov. Nun erst geben wir unserer Müdigkeit nach.

11.Tag

Seit Stockholm bis Kopenhagen musste unser Schiff eine Strecke von 664 Seemeilen zurücklegen. Um 6.00 Uhr passieren wir die engste Stelle im Sund zwischen Helsinger (Dänemark) und Helsingborg (Schweden). Um 6.30 Uhr holt uns unser Bordwecker aus den Federn und verspricht uns ein Frühstück mit Butterzopf und Tatar. Mit dem Frühstück müssen wir uns heute beeilen, denn die Landausflüge beginnen bereits um 8.20 Uhr. Einem Fährschiff müssen wir den Vorrang lassen, und so verspätet sich auch die Ankunft in Kopenhagen. Gespannt sind wir auf „Die kleine Meerjungfrau“. Sie gilt als das Wahrzeichen Kopenhagens. Die 1913 geschaffene Skulptur wurde mehrmals Opfer von Anschlägen. Mehrmals schlug man ihr den Kopf ab, ein anderes Mal verlor sie einen Arm. Da jedoch die Originalformen aufbewahrt werden, waren Nach-bildungen einzelner Teile jederzeit möglich.

Unsere Reiseleiterin zeigt sich umgehend als versierte Botschafterin Dänemarks. Nach dem Besuch der erhofften Sehenswürdigkeit gibt sie uns einen Überblick über ihre Heimatstadt ebenso wie in die sozialen Verhältnisse ihrer Bewohner. Mehrfach legt sie Fotostopps ein, so dass wir mit einer reichen Ausbeute aufs Schiff zurückkehren können. Der Gefion-Brunnen stellt die Sage der nordischen Göttin Gefion dar, die ihre vier Söhne in Ochsen verwandelte, um mit ihnen die Insel Seeland aus Schweden herauszupflügen.Ein weiteres Highlight bietet das Schloss Amalienborg der Königsfamilie an einem achteckigen gepflasterten Platz. Im Mittelpunkt dieser herrlichen Rokoko-Anlage steht ein vorzügliches Reiterdenkmal für König Frederik V. Wir haben Glück. Anne hat die Besich-tigungsabfolge bestens eingeteilt und wir können der Wachablösung vor dem Schloss beiwohnen.

Am Rathausplatz verlassen wir den Bus, nicht ohne unsere Reiseführerin für ihre vorzüglichen Erklärungen und Planungen mit einem Trinkgeld belohnt zu haben. Unser Spaziergang bringt uns in Kopenhagens berühmte Fußgängerzone Strøget mit ihren zahlreichen Straßencafés, Bars und Läden. Leider sind am Sonntag die meisten Geschäfte geschlossen! Den Rückweg finden wir allein, vorbei am Straßenknotenpunkt mit dem Reiterstandbild von König Christian V. und  dem Königlichen Theater.

Ein herausragendes Ereignis am Abend ist eine Travestie-Show.

Es gelingt eine tolle Performance, die mit einem schier endlos anhaltenden Beifall belohnt wird. In unserem Treff hinter der Bar müssen wir noch lange über diese Glanzleistung reden, und es wird wiederum Mitternacht, bis wir in unsere Kabinen zurückkehren.

12. Tag

Um 6.30 Uhr weckt uns unser fröhlicher Bordwecker. Das norwegische Arandal in Sicht? Nein, dichter Nebel behindert den gesamten Schiffsverkehr. Der Hafen ist geschlossen.  Um 8.00 Uhr will der Kapitän einen weiteren Versuch starten, um dennoch am Kai festmachen zu können. Unser „Yakee-Wetter“ lässt uns auch am letzten Ausflugstag nicht im Stich. Gegen 8.00 Uhr lichtet sich der Nebel. Und die Hafenbehörde gibt ihr Okay. Das Morgenprogramm kann wie geplant starten. Wir legen am Kai neben den drei deutschen Kriegsschiffen Main, Ammersee und Feeman an.

Die malerische Hafenstadt breitet sich auf sieben Inseln aus. Ein Spaziergang bringt uns durch die Altstadt, vorbei am Marktplatz mit dem eindrucksvollen Rathaus. Leider nehmen die Geschäfte keine Euro. Lediglich der Schokoladenbäcker hat sich auf deutsche Kunden eingestellt. Unseren Blick gefangen hält die Dreifaltigkeitskirche mit ihrem 85 m hohen Kirchturm, der die Altstadt überragt.

Die Auslaufparty verbinden wir mit dem Frühschoppen an der Außen-Bar. Zur Stärkung werden Nürnberger Bratwürste und Sauerkraut gereicht. Zum Mittagessen gönnen wir uns deswegen lediglich Kalamarisringe. Nach der alkoholischen Einstimmung an der Bar und den obligatorischen zwei Gläschen Tischwein rufen die Bettfedern. Aber lange können wir uns diese Ruhephase nicht gönnen. Sporttermine und der zweite Teil der Filmdokumentation warten auf uns. Bis zum Abschiedscocktail verkürzt das „Kofferpacken“ die Wartezeit.

Das Abschiedsdinner wird in festlicher Atmosphäre um 19.30 Uhr serviert. Die Männer mögen ja wegen des Anzugszwangs gestöhnt haben, den Frauen kam die Kleiderordnung aber recht. Endlich, und dies zum letzten Male, können sie ihre Gala-Garderobe ausführen. Und nach dem Festessen erinnern wir uns an eine Aussage einer berühmten Persönlichkeit: Es ist besser, Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, dass man nichts genossen hat.

Zum letzten Mal treffen sich alle Gäste im Salon zur Abschiedsparty. Do Swidanja! Nun heißt es Abschied nehmen vom Reiseleiter-Team, vom Kreuzfahrtdirektor und von allen Künstlern. Und vor Mitternacht gehen die Bedienungen mit kleinen Appetithäppchen auf großen Platten durch alle Räumlichkeiten. Mit einem Hefenweizenbier sorgen wir für die nötige Bettschwere. Nur noch einen Termin müssen wir erfüllen. Bis spätestens 4.00 Uhr müssen unsere Koffer vor der Kabinentür stehen. Da sind kleinere Pannen vorprogrammiert. Der Schlafanzug ist längst im Koffer eingepackt! Uns passiert glücklicherweise nicht ein berichtetes Malheur, dass auch die gesamte Kleidung im Koffer liegt und dieses Versäumnis erst dann bemerkt wird, als die Koffer längst abgeholt sind. Lediglich ein Kabinenschlüssel befindet sich in dem bereits gepackten Koffer. Doch dieses Missgeschick wird noch rechtzeitig erkannt.

13. Tag

„Time to say goodbye!“ Anja bleibt es vorbehalten, uns zum letzten Male zu wecken. Und zum Frühstück fallen die Massen ein und stürzen sich aufs Buffet. Mehrmals gehen die Angebote zur Neige, doch satt wird jeder. Um 9.00 Uhr legt die unser „schwimmendes Hotel“ am Kolumbuskaje an. Es wird dauern, bis alles Gepäck zu den wartenden Bussen gebracht wird. Wir nutzen diese Zeit, um die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Daten und Auflistungen zu studieren.

Auf der Kreuzfahrt „Höhepunkte der Ostsee“ hat unser Kreuzfahrtschiff Gorki eine Strecke von 2842 Seemeilen, das sind 5264 km, zurückgelegt. Die größte Teilstrecke war die Entfernung von Stockholm nach Kopenhagen mit 123o km, die kleinste von St. Petersburg nach Helsinki mit 333 km.

Interessant ist auch der Verbrauch an Lebensmitteln während dieser Reise.

Fisch

5.560 kg

Fleisch

8.650 kg

Gemüse

11.890 kg

Obst

15.800 kg

Speiseeis

1.600 Liter

Eier

22.150 Stück

Kuchenstücke

33.700 Stücke

Tischwein rot

2.700 Liter

Tischwein weiß

1.690 Liter

Wodka

209 Liter

Fassbier

1.350 Liter

Flaschenbier

1.247 Flaschen

Mahlzeiten

38.800 Stück

Wir können uns dem Dank des Kreuzfahrtdirektors und des Kapitäns nur anschließen. Wir haben eine ereignisreiche, abwechslungsreiche, harmonische und interessante Reise erlebt. Gerne nehmen wir die chinesische Spruchweisheit aus China in uns auf:

Leuchtende Tage, nicht weinen,
dass sie vergangen,
lächeln, dass sie gewesen,
denn Ihr habt sie erlebt.

Höhepunkte der Ostsee – Teil 2/3

5. Tag

Der Bordwecker holt uns um 7.30 Uhr schwungvoll aus den Federn. Sein Motto heißt „Jeden Tag ein Lächeln verändert die Welt“. Und wir haben allen Grund zu lachen. Wir erleben eine wunderschöne Reise zu den Höhenpunkten der Ostsee. Mit ihren Beiträgen betreibt sie eine lebendige Morgengymnastik für die Seele. Der Bordpfarrer hat herzlich zu einer ökumeni-schen Morgenandacht eingeladen. Keinem wird es an diesem langweilig. Die Bordband gestaltet heute einen  „Singenden Frühschoppen“. Neben musikalischen Beiträgen hat auch das Küchenteam Extras vorbereitet: Leberkäse und Kartoffelsalat. Das Mittagessen könnten wir ja ausfallen lassen! Aber …

Um 15.15 Uhr wird unser Ausflug „Tallinn und Freilichtmuseum Rocca al Mare aufgerufen. Die Reiseleiterin stellt uns während der Busfahrt ihr Land vor. Die Stadt Tallinn, so erfahren wir, besteht aus drei Städten: dem Domberg mit der Oberstadt, der Unterstadt und jenseits eines Grüngürtels und der Mauern, die noch zu einem Großteil erhalten sind, die Neustadt. Das frühere Reval liegt am Finnischen Meerbusen. Von der Burg auf dem Kalksteinhügel des Dombergs überblicken wir das faszinierende Gewirr von mittelalterlichen Dächern und Pflasterstraßen, aus dem hier und da schlanke Kirch- und trutzige Wehrtürme ragen. Auffällig sind auch die prächtig gestalteten Wetterfahnen, sichtbares Zeichen von Macht und Anerkennung. Die UNESCO hat 1997 die sanierte Altstadt mit dem Bollwerk als Weltkulturerbe gewürdigt. Estland, so versichert uns die örtliche Reiseleiterin, hat den Aufbruch aus der sozialistischen Eiszeit gemeistert.

Und die Esten sind stolz auf ihre Fortschrittlichkeit. Allerdings gelten die ehemaligen russischen Bewohner als Esten zweiter Klasse, die teilweise verarmt sind, ausgegrenzt sind, lediglich ihre russische Sprache verstehen und heimatlos im Lande sind, da sie keinen estischen Pass erhalten. Das moderne Estland ist das Land der 1000 Stimmen. Seit der „singenden Revolution“ in den 80er Jahren, als 200 000 Esten das verbotene Volkslied „Estland – meine Heimat“ sangen, richtet Estland  bedeutende und viel beachtete  Sängerfeste aus. Und zur Mittsommernacht geraten die Esten völlig aus dem Häuschen. Dann sind die Schatten der Vergangenheit ebenso vergessen wie die Sorgen der Zukunft. Und überdeutlich drückt Maria immer wieder ihren Hohn gegenüber den einstigen Machthabern aus. Die sowje-tischen Plattenbauten tituliert sie als Trotzkisten. Und ein Denkmal beschreibt sie folgendermaßen: He, Taxi, mein Mann ist besoffen, mein Kind ist müde, ich will nach Hause. Und gar beim Straßenbau muss alles Sozialistische weg, damit die Autos nicht so hopsen müssen.

Das Freilichtmuseum Rocca al Mare, an der Küste 10 km westlich der Stadt gelegen, bietet mit originalgetreu wieder aufgebauten Fischerkaten, Windmühlen und Bauernhöfen einen guten Einblick in das estnische Landleben der letzten 150 Jahre.

Den interessanten Ausflug in die estnische Geschichte beschließt eine Volkstanzgruppe.

Nach dem Abendessen genießen wir ein russisches klassisches Konzert „Polowetzer Tänze“. Dieses Konzert bleibt uns in Erinnerung, da sind wir sicher. Virtuos beherrschen alle drei Künstler ihre Instrumente. Und dieser Abend zählt auf unserer Reise zu den besonderen Erlebnissen. Es fällt zwar schwer, nach diesem Konzert wieder auf den Boden zurückzukehren, aber die „Late night spezial“ im Captain´s Club reizt uns dennoch.  Heute haben wir es lange ausgehalten. Um 2.00 Uhr beginnt endlich die Nachtruhe.

6. Tag

Der „fröhlicheBordwecker“ rüttelt uns nach kurzem Schlaf um 7.30 Uhr musikalisch wach. Eigentlich, meint sie, sei bei der Nebelsuppe kein Grund aufzustehen. Doch wir sind nicht zum Schlafen aufgebrochen. Kaum hat sich der Nebel gelichtet, passiert unsere Kreuzfahrtschiff um 9.30 Uhr die Befestigung Kronstadt auf der Insel Kotlin vor den Toren der Stadt zum Schutz vom Sankt Petersburg. Von den Nachfolgern Peter I. wurden die Pläne für den Bau einer Befestigungsanlage weiter fortgesetzt, so dass sich Kotlin in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum wichtigsten russischen Flottenstützpunkt entwickelte. Die „traurigen“ Überbleibsel können wir bei der Vorbeifahrt erkennen.

Erst nach dem Mittagessen erreichen wir um 13.00 Uhr St. Petersburg. Der Ausflugsplan sieht für uns am Nachmittag die Besichtigung des Palastes Peterhof vor, am Abend dann einen Galaabend im Jusupovpalast. Eine Hafenband begrüßt uns mit forscher Musik. Danach heißt es: Abfahrt zum ältesten Zarensitz. Der Peterhof liegt 30 km westlich von St. Petersburg. Für Peter den Großen von Jean-Babtiste Leblond, dem Architekten Ludwigs XIV., errichtet, wurde die Anlage später von Rastrelli erweitert.

Peterhof war, so unsere russische Reileleiterin, eine Sommer-residenz der russischen Zaren, ein grandioses Park- und Schlossensemble am Ufer des Finnischen Meerbusen. Damit die Böden geschont werden, müssen alle Gäste in Überschuhe schlüpfen. Peter der Große wollte daraus eine Art Denkmal für den Sieg Russlands über die Schweden machen. So versinnlicht beispielsweise die Fontäne „Samson reißt dem Löwen den Rachen auf“ den Sieg bei Poltawa im Jahre 1709. Bevor wir uns aber m Park umsehen, werden wir durch die prunkvollen Räumlichkeiten des Peterhofes geleitet. Danach nimmt aber das prächtige Schauspiel der Großen Kaskade mit dem Samsonbrunnen im Zentrum unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Staunend verharren wir.

Wir kehren rechtzeitig um 18.00 Uhr an Bord zurück, bevor wir nach dem Essen um 19.30 Uhr zum Jusupovpalast aufbrechen. Olga übernimmt die Führung durch diesen Palast. Auf der großzügigen Freitreppe werden wir „standesgemäß“ von in Rokokokostümen gekleideten „Lakaien“ begrüßt. Das Palais der Fürsten Jusupov widerspiegelt den Glanz seiner Zeit. Olga geleitet uns durch die Prunksäle und verweilt im Zimmer des „Wunderheilers“ Rasputin, der zunehmend Einfluss auf die Zarin gewonnen hatte. Olga zeigt uns auch den Ort, wo der vermeintliche Wunderheiler und Zarenberater im Dezember 1916 von Angehörigen der Hofgesellschaft ermordet wurde. Unklar blieb lange Zeit der tatsächliche Hergang der Ermordung Rasputins. Zunächst reichte man Rasputin mit Zyankali vergifteten Kuchen, den er aber genussvoll vor der angekündigten Audienz bei der Zarin  verzehrte, ohne dass die gewünschte Wirkung eintrat. Die Verschwörer schossen danach kopflos auf Rasputin, und als er immer noch nicht sterben wollte, warf man ihn schließlich in ein Eisloch eines Nebenkanals der Mojka.

Nach einer kleinen Pause bringt uns Olga zum Sektempfang im großen Saal und danach zum kleinen Theater, wo unter der Leitung von Michael Winogradow  die Solosänger vom St. Petersburger Theater für Oper und Ballett ein Gala-Konzert für die Gäste der Maxim Gorki zelebrieren von hoher Qualität, begeisternder Stimmführung und Ausstrahlung. Ohne die Qualität der Künstler schmälern zu wollen, bleiben die Auftritte der Nina Arsentjrva mit „Sizilianische Vesper“ und „Nachtigall“ in besonderer Erinnerung.

7. Tag

Was zwitschert denn da in unserer Kabine? Liegen wir wirklich im Bett? Wir sind doch erst vor ein paar Minuten zu Bett gegangen! Ein Blick auf die Uhr belehrt uns eines Besseren. Es ist zwar erst 6.30 Uhr, und der „Störenfried“ ist wieder unser Bordwecker, der uns aus den Träumen und Federn lockt. Ein ereignisreicher zweite Tag in St. Petersburg erwartet uns: die große ganztägige Stadtrundfahrt ab 8.45 Uhr.

Wir sind die Ersten, die heute die prächtigen Gebäude, u.a. auch die Eremitage und die 47 m hohe Alexandersäule, die an den russischen Sieg über Napoleon erinnern soll, bewundern dürfen. Wie Venedig und Amsterdam ist St. Petersburg eine Wasserstadt, kreuz und quer von 65 Kanälen durchzogen und von Hunderten von Brücken zusammengehalten. Die bedeutendste Wasserstraße ist die Newa, die sich in den Finnischen Meerbusen ergießt. Innerhalb von St. Petersburg wurde sie durch Granitufer eingedämmt. Der Zauber der Stadt geht von der Anordnung der im 18. Jahrhundert entstandenen Plätzen, Parkanlagen, Paläste und Monumente aus.

Unser Reiseleiter hat ein Herz für die Fotografen. An bedeutenden Stellen lässt er den Bus anhalten und Fotostopps einschieben. Nördlich der Newa beherrscht die Peter-Pauls-Festung die Szenerie. Dieses Bollwerk, das die Flussschifffahrt überwachen sollte, wurde 1703 mit Mauern aus Holz und Lehm begonnen, danach aber beeindruckende Schutzwälle aus rotem Backstein gebaut. Das dominierende Gebäude innerhalb der Festung ist die Peter-Pauls-Kathedrale. Die zierliche vergoldete Spitze des Glockenturms trägt einen Engel mit Kreuz.  Einen weiteren Fotostopp legen wir am Ende des Petrogradskaja-Kais ein. Hier liegt der Panzerkreuzer Aurora vor Anker, der 1917 mit einem Schuss das Zeichen zum Angriff auf den Winterpalast gab. Bewundern können wir auch ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, den Turm der Admiralität mit seiner goldenen Spitze, die in einer Wetterfahne in Bootsform endet.

Charakteristisch für die Silhouette der Stadt ist auch die 1858 vollendete Isaac-Kathedrale mit ihrer riesigen, von Engelsfiguren umgebenen Goldkuppel.  Die Paläste, erklärt uns unser Reiseleiter, sind vorwiegend in Privatbesitz. Mit einem Kaufvertrag haben sich die neuen Besitzer verpflichtet, die Ge-bäude zu renovieren. Uns fällt vornehmlich die dichte Bebauung auf – Gebäude reiht sich ohne Zwischenraum an das nächste Gebäude – und unser Guide berichtet, dass allein in St. Petersburg 40000 Häuser renovierungsbedürftig sind. Unser versierter Reiseleiter versteht es, seine Gäste zu unterhalten. Er fragt uns: Warum klauen die Russen in Deutschland zwei Autos? Antwort: Sie müssen noch durch Polen. Weiterhin fällt uns auf, dass wir keine Radfahrer zu Gesicht bekommen.

Das Mittagessen nehmen wir in einem Restaurant des Katharinenpalastes ein. Welche Pracht empfängt uns an diesem Ort! Nach dem gewöhnungsbedürftigen Mahl betreten wir die Parkanlage durch ein goldenes Tor. Und wiederum schlüpfen wir in leichte Überzieher, bevor uns unser Guide durch alle dem Publikum zugängigen Räumlichkeiten führt. Besondere Beachtung findet freilich das Bernsteinzimmer, das wir leider nicht fotografieren dürfen. Aber auch die Außenanlage besticht durch Eleganz und Formschönheit. Glücklicherweise müssen wir uns nicht einer höfischen Steife unterwerfen und dürfen uns frei bewegen, bis unsere Gruppe zur Besichtigung aufgerufen wird.

Fast geblendet von diesem Prunk kehren wir zu unserem Kreuzfahrtschiff zurück. Einen schwungvollen Abend gestaltet das Showballett „Vom Tango bis Kalinka“. Seit unserer ersten Begegnung mit diesem jungen Ensemble können wir einen mächtigen Fortschritt bei der Wahl der Kostüme und der Tanztechnik erkennen. Dem Angebot „Kaiserschmarren“ können heute beim Mitternachtssnack nicht alle widerstehen und lassen sich zu später Stunde noch verwöhnen. Beim obligatorischen Hefenweizenbier beschließen wir den Abend im Separee hinter der Bar. Die Uhr wird heute eine Stunde zurückgestellt, so dass wir noch vor Mitternacht ins Bett kommen.

8. Tag

Für die Strecke von St.Petersburg bis nach Helsinki muss unser Kreuzfahrtschiff 180 Seemeilen zurücklegen. Schon um 6.30 Uhr ruft unser Bordwecker den neuen Tag aus. Nur 13° beträgt die Außentemperatur. Dichter Nebel verhindert jegliche Sicht. Wir haben uns dazu entschlossen, nach dem Frühstück ab 9.00 Uhr die finnische Metropole auf eigene Faust zu erkunden. Entgegen unserer Erstplanung „Fußweg“ bringt und ein Shuttlebus ins Zentrum der Stadt. Die Haltestelle liegt dicht am Tagesmarkt, auf dem neben Gemüse und Obst auch Kunstprodukte des Landes angeboten werden. Doch nicht zu lange halten wir uns hier auf, besichtigen die Uspenski-Kathedrale und machen uns dann auf den Weg zum prächtigen Dom. Den klassizistische Dom (Entwurf:Carl Ludwig Engel ), mit nur einer Kuppel geplant, doch ab 1840 durch vier kleine Kuppeln mit vergoldeten Sternen erweitert, besichtigen wir, nachdem wir eine großzügige Außentreppe bestiegen haben. Der Fries ist mit Kopien der Kathedrale von Kopenhagen geschmückt. Das Innere des lutheranischen Gotteshauses ist schlicht und nüchtern, enthält aber Statuen von Luther, Melanchton und Agricola.

Bei der Stadterkundung treffen wir auf Aktivitäten des Roten Kreuzes und auf einen Aktionstag der Europaunion. Über die elegante Einkaufsstraße Esplanadi gelangen wir zum Konzerthaus Filandia, lassen unsere mit einer Visitenkarte versehenen Luftballone in den blauen Himmel steigen. Den Weg zum Sibelius-Park schaffen wir aber nicht mehr, kehren um und füttern am Hafen die zahlreichen Möven, die uns umschwirren und nach Futter betteln.

Pünktlich kehren wir in unser schwimmendes Hotel zurück, und um 16.00 Uhr verabschiedet sich unser Schiff von Helsinki und nimmt Kurs auf Stockholm. Erstmals gerät unser Kreuzfahrtschiff beim Ablegen in Schwierigkeiten. Der starke Wind treibt den Luxusliner immer wieder an die Kaimauer zurück. Ein Schlepper bietet seine Dienste an.

Da wir das Mittagessen ausfallen ließen, finden wir uns ausnahmsweise in der Lounge zur Tee- und Kaffeestunde ein. Wir halten uns aber bei der Kuchenwahl zurück, denn bereits drei Stunden später wird das internationale Abendessen serviert. Am Abend wartet wieder eine besondere musikalische Attraktion im Musiksalon auf uns. Andy Bünger nimmt uns auf eine „Musikalische Weltreise“ mit und stellt seine vielseitige musikalische Begabung auf Marimbaphon, Panflöte, Hawaii-Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Saxophon unter Beweis. Nach dem Konzert wollen wir im Captain´s Club bei der Dance-Night mit unserer Lieblingskellnerin ein Tänzchen wagen. Doch sieist zu beschäftigt und ausgepowert, um sich noch Dienstschluss den Gästen widmen zu können. Dafür haben wir Verständnis, zumal wir uns davon überzeugen können, dass ihre Augen am Morgen „noch schlafen“. Entschädigt werden wir aber dann noch in der Lounge mit einer Tanzeinlage des Reiseleitungsteams.

Der neue Jangtse – attraktiv wie zuvor

 

Hat der Jangtse seinen Reiz verloren? Werden gar Kreuzfahrten auf dem mit über 6 Kilometer längsten Fluss CDhinas eingestellt? Bange Fragen, aber: Der Jangtse ist keineswegs weniger attraktiv als der alte vor dem Dammbau.

Vor sieben Jahren unternahm ich mit der Yakee-travel-Gruppe die Jangtse-Kreuzfahrt. Und mehr als gerne erinnere ich mich an die erlebnisreichen Tage auf der 1400 Kilometer langen Flussstrecke von Chongqing bis Wuhan. In meinem Reisebericht habe ich die unvergesslichen Eindrücke festgehalten:

„8. November:

Zu beiden Flussuferseiten erkennen wir die Hochwasser-markierungen, beobachten das emsige Treiben auf den Sand- und Geröllbänken, machen die kleinen Felder an den Berghängen aus, sehen kleine Wege von den Bergen zu den Flussufern, blicken den vorbeifahrenden Fischerbooten und Lastkähnen nach, bewundern die abwechslungsreichen Uferzonen. Doch das Sonnenlicht durchdringt nur bedingt die Dunstglocke, so dass manches nur schemenhaft zu erkennen ist…

Um 15.30 Uhr beginnt der Ausflug zur Tempelanlage Fendu. Über hundert Treppen müssen wir emporsteigen, bis wir den Bus erreichen, der uns nach Fendu bringen wird. In wenigen Jahren wird Fendu 35 Meter unter der Wasseroberfläche liegen. Dann hat der größte Damm der Welt die Region am Jangtse planmäßig überflutet. Doch der Tempel der Höllengötter, 620 Treppenstufen über der Stadt, wird als Insel verschont bleiben…

Wir werden Zeitzeugen gewaltiger Abrissmaßnahmen. Soweit der Blick reicht, erfassen unsere Augen Trümmerberge. Der Lärm der von Menschenhand betriebenen Abrisshämmer erfüllt die Luft. Auf den Lift verzichten wir, sondern machen uns zu Fuß zum Ming-Berg und dem 1600 Jahre alten Kloster auf. Unterwegs rasten wir an der Markierungstafel, die auf einen Wasserstand nach Abschluss des Dammprojekts von 175 Metern hinweist…

9. November:

Gegen 6.30 Uhr erreicht die Victoria die Weiße Kaiserstadt Baidicheng und das Kui-Tor, den Eingang zur Qutang-Schlucht, der sog. Blasebalgschlucht, die mit lediglich 8 km Länge die kürzeste, aber auch die eindrucksvollste der drei Schluchten ist. Zu den üblichen Frühaufstehern haben sich die meisten Kreuzfahrtteilnehmer gesellt, um sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen zulassen. Bei beginnender Dämmerung genießen wir die imposanten Bergformationen und die steilen Felsen, welche den Lauf des Jangtse bestimmen. Lediglich 20 Minuten dauert die Passage…

Nach dem Frühstück macht sich unsere Gruppe für den Bootsausflug auf Sampan-Booten durch die Kleinen Schluchten in Wushan fertig. Sechs Stunden wird der Ausflug auf kleinen Booten durch die Lesser-Schluchten des Dannig-Rivers dauern. Zunächst müssen wir aber erst wieder die vielen Ufertreppen meistern, bis uns der Bus durch ein Trümmerfeld zur Bootsanlegestelle bringen kann. Wir werden an Nachkriegsbilder erinnert. Ruine reiht sich an Ruine. In den Ruinenbergen schuften die Menschen, um Steine für einen Neubau an höher gelegten Orten zu retten, die Eisen mit Hämmern aus dem Beton zu lösen und die gewaltigen Schuttberge zu beseitigen. Uns bietet sich ein Bild wie nach einem gewaltigen Bombenangriff. Zwischen den Trümmerbergen hausen immer noch Menschen in unzumutbaren Behausungen, die eher schlechten Stallungen als Wohnungen gleichen. Die Eindrücke sitzen tief! Unvorstellbare Zustände!…

An der Bootsanlegestelle mit prächtigem Blick auf den Beginn der Schlucht mit steil aufragenden Felsformationen herrscht Hochbetrieb. Händlerscharen kämpfen um jeden Kunden, reagieren aggressiv auf das Eindringen anderer Händler in ihrem Aktionsradius. Boot um Boot legt ab. Wir reihen usn in die Besucherschlange ein, bis wir endlich nach einer halbstündigen Wartezeit an die Reihe kommen und über schwankende Boote unser Ausflugsboot erreichen.  Mühsam bahnt sich der Bootsführer  durch die enge und teilweise wenige Zentimeter tiefe Fahrrinne seinen Weg. Zwei Helfer setzen immer wieder das Boot mit langen Stangen in die richtige und günstige Position. Die Gegenströmung ist bisweilen so stark, dass das Boot kaum fahrt aufnehmen kann. In der Ferne tauchen Gestalten im Wasser  mit langen Stangen auf. Doch die vermeintlichen Fischer entpuppen sich als Kinder, die im kalten Wasser stehen und mit langen Bambusstangen, an deren Ende Körbe befestigt sind, die vorbeifahrenden Boote zu erreichen versuchen. Mancher Geldschein wandert in diese Sammelkörbchen, und die meisten Mitfahrer trennen sich von ihrem Lunchpaket. Haben die Kinder mit ihren Bambusstangen ein Fenster verfehlt, rennen sie auf den Geröllfeldern nebenher, bis sie erneut eine günstige Stelle zum weiteren Anlauf, eine Spende von den Touristen zu erhaschen, gefunden haben. Auf dieser Kreuzfahrt durch die Mini-Schluchten kommen wir auch an zahlreichen Siedlungen vorbei. Wir beobachten die Bewohner bei der Bestellung der Felder ebenso wie bei der mühevollen Arbeit, die am Ufer angekommenen Waren in die höher gelegenen Wohnbereiche zu tragen. Steil ragen bisweilen die Felsen auf, und manchmal kommt es fast zur Berührung mit den Felswänden. Doch die Bootshelfer passen auf und bewahren das Boot vor einem Aufprall. An einer Kiesbank legt der Bootsführer ein Rast ein. Wie aus dem Nichts erscheinen Händler, die von den Bergen herabgestiegen sind und auf Touristen warten. Ihr Warenangebot beschränkt sich auf geschliffene Steine, Messinglocken, Schnapswärmer, Fossilien, „Antiquitäten“. Unsere Gruppe investiert einige Yuan und hinterlässt beim Ablegen des Bootes glückliche Anwohner…

10. November:

Das Tagesprogramm ist heute knapp bemessen. Lediglich zwei Stunden stehen zur Besichtigung des größten Staudamm-projektes der Welt zur Verfügung. Unmittelbar nach dem Frühstück bringt uns der Bus zur Großbaustelle. Leider hat sich wieder einmal ein Dunstschleier über die gesamte Region gelegt, so dass die Ausmaße des Projektes nur erahnt werden können. Aber allein die Materialhalden sind überwältigend. Doch in der Halle schafft ein Modell des „Drei-Schluchten-Projektes“ Klarheit, und alle Besucher können sich an Hand dieses Modells ein ausgewogenes Bild über die Anlage und deren Ausmaße machen. Der Staudamm wird 2335 Meter lang und 185 Meter hoch. An seinem Fuß bringt er es auf 130 Meter Breite. Die Baukosten werden auf 28 Milliarden US-Dollar geschätzt. Voraussichtlich soll die Fertigstellung im Jahre 2009 erfolgen. In wenigen Jahren werden 13 große Städte, 140 Orte und 1352 kleine Dörfer sowie 30 000 ha Reisfelder überschwemmt sein. Die gewaltige Umsiedlungsaktion betrifft 1,3 Millionen Chinesen…

In den letzten 100 Jahren, so Frau Zhang, sind bei Überschwemmungen des Jangtse über 700 000 Menschen zu Tode gekommen, Durch diesen Staudamm werden die Fluten des Jangtse unter Kontrolle genommen. Seeschiffe können nach Fertigstellung des Projektes bis 2500 Kilometer ins Landesinnere fahren und somit mit dem wirtschaftlichen Aufschwung auch für Millionen Wohlstand bringen. Die 26 Generatoren werden eine Strommenge von 26 Kohlekraftwerken erzeugen und damit auch die Verbrennung von 50 Millionen Tonnen Kohle jährlich vermeiden. Der Damm hebt in den nächsten Jahren den Wasserspiegel auf 175 Meter über den Meeresspiegel und schafft ein 600 Kilometer langes Wasserreservoir bis nach Chongqing mit einem Fassungsvermögen von 40 Millionen m³. Frau Zhang verschweigt aber auch nicht die Nachteile, die dieses Projekt befürchten lässt Wertvolles Ackerland wird überflutet. Die erforderliche Umsiedlung der Menschen ist mit hohen Kosten verbunden. Durch den 600 Kilometer langen Stausee werden sich Klimaveränderungen ergeben. Die Wasserqualität wegen der geringeren Fließgeschwindigkeit und dem Einleiten ungeklärter Chemieabwässer wird sinken,und auch die Gefahr der Verschlammung des Sees mit weitreichenden Folgen kann nicht verschwiegen werden. Unvorhersehbar sind auch die Gefahren bei einem möglichen Erdbeben. Kritik wird heute schon wegen der schlechten Bauqualität (Risse!) laut.“

In den Folgejahren nach meinem Jangtse-Besuch habe ich die Baufortschritte, aber auch die Bedenken mitverfolgt. Von den Nachteilen des Projekts wollte die Führung Chinas lange nichts hören. Ende 2007 meldete die staatliche Nachrichtenagentur überraschend, dass doch nicht alles nach Plan läuft. Man müsse noch mehr Menschen umsiedeln, weil sich die Umweltbedin-gungen an den Ufern des Stausees verschlechtern und es oft zu Erdrutschen kommt. Nach ersten Schätzungen wurden über zwei Millionen Menschen vertreiben. Des weiteren wurde ermittelt, dass die Entschädigung für die Zwangsumgesiedelten weit unter dem Wert ihres in Wirklichkeit eingetretenen Verlustes liegt. Auch die in Aussicht gestellten Jobs konnten den Umsiedlern nicht zur Verfügung gestellt werden. Viele der örtlichen Funktionäre, so berichteten Zeitungen, haben sich persönlich bereichert, indem sie das Geld, das für die Vertriebenen bestimmt war, in die eigene Taschen steckten und dann spurlos abtauchten. Des weiteren wurde berichtet, dass die Polizei „brutale Mittel“ eingesetzt habe, um die zahlreichen Unruhen zu unterdrücken, die durch die Probleme der Umsiedlung entstanden. Neben dem Verlust wichtiger Tempelanlagen werden auch die Folgen für das Leben im Wasser, die Wasserqualität selbst  und die Gefahren durch Krieg und Attentaten angeprangert.

Andererseits werden auch Berichte veröffentlich, die bezeugen, dass der Jangtse landschaftlich nichts an Reiz verloren hat. Da werden auf die bis zu 1500 Meter in den Himmel aufragenden Steilwände verwiesen, die eine eindrucksvolle Kulisse abgeben. Nach dem Bau des Staudammes werde die Schifffahrt auf dem Jangtse sicherer.  Der Kreuzfahrer, der in diesem Jahr und den folgenden den Jangtse besucht, wird vieles nicht mehr wiedererkennen. Ganze Städte wird der gast vergeblich suchen, denn sie in den Fluten versunken oder der Abrisshammer zum Opfer gefallen. Alte Brücken wurden demontiert, neu Brücken überspannen 150 Meter höher nunmehr die Schluchten. Und die Besichtigung des Staudammes wird zu den beliebtesten Ausflugszielen der Jangtse-Kreuzfahrer zählen.

Soweit Auszüge aus verschiedenen Berichten. Ob ich dadurch meine Bedenken beiseite schieben kann? Wahrscheinlich werde ich dem Jangtse einen zweiten Besuch abstatten und mir vor Ort ein eigenes Bild machen.

 

 

 

Höhepunkte der Ostsee – Teil 1/3

In diesem Jahr beschließt unsere Yakee travel-Reisegruppe, bei der Kreuzfahrt „Höhepunkte der Ostsee“ die Metropolen der Anrainerstaaten kennen zu lernen. Ganz besonders freuen wir uns auf den zweitägigen Aufenthalt in St. Petersburg. Als uns vor fünf Jahren die MS Maxim Gorki zum Nordkap gebracht hatte, war sich unsere Reisegruppe einig, dass es keine schönere und bequemere Art gibt, unsere herrliche Welt zu entdecken;denn wer nur durchs eigene Fenster schaut, lernt nie die Welt kennen ( russisches Sprichwort). Diese Vergangenheit ist  in diesem Jahr wieder für uns Gegenwart geworden. Auf dem Kreuzfahrtschiff fühlen wir uns wie zu Hause und können die Ereignisse und Erlebnisse der kommenden 14 Tage kaum erwarten.

1. Tag

Alle Teilnehmer/innen unserer erneuten Gruppenreise finden sich pünktlich am Treffpunkt unseres Heimatortes  ein, und auch der Busfahrer von Airport Express ist überpünktlich zur Stelle. Bereits um 5.20 Uhr sind wir in Karlsruhe und erwarten den Zubringerbus der Firma Steck nach Bremerhaven. Ohne Verzögerungen erreichen wir den Kolumbuskaje in Bremerhaven, wo uns die Reiseleitung begrüßt. können wir die Schon eine Stunde später beginnt unsere die Kreuzfahrt. Das Auslaufen genießen wir bei einem Drink an der Bar bei flotter Musik der Bordband. In legerer Kleidung finden wir uns schon um 19.30 Uhr zum „Gute-Reise-Abendessen“ ein. Schon am ersten Abend müssen wir die ersten Termine erfüllen: Buchung der Ausflüge an den drei Folgetagen. Jeder kann sich gemäß seiner individuellen Neigungen und Erwartungen entscheiden, und jeder lässt den ersten Abend auch auf seine Art ausklingen. Einige Teilnehmer bedauern allerdings, dass während der Nacht die Passage „Nord-Ostsee-Kanal“ erfolgt. Die Nordsee beginnt sich leicht zu regen und wiegt uns sanft in den verdienten Schlaf.

2. Tag

Bevor wir am Abend einschlafen konnten, hat uns die Reiseleitung noch wichtige Informationen über den Nord-Ostsee-Kanal übermittelt:

Der Kanal zwischen Nord- und Ostsee ist die drittgrößte und meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Mit rund 55000 Schiffen jährlich ist das Verkehrsaufkommen mehrfach höher als das des Suez- oder Panamakanals.  Das maritime Meisterwerk hat eine Länge von 98,7 km. Die Schleusen befinden sich in Kiel-Holtenau und Brunsbüttel. Der bekannteste Ort entlang des Kanals ist Rendsburg. Eröffnet wurde der Kanal 1895, wurde ständig erweitert und vertieft. Seine Tiefe beträgt ca. 11 m.Die Schleusenanlage von Holtenau ist mit 310 m Länge, 45 m Breite und 14 m Tiefe  weltweit die größte.

Bevor uns der „fröhlicher Bordwecker“ ab 7.30 Uhr in den neuen Tag begleitet, treffen sich die Frühaufsteher bereits um 7.00 Uhr auf den Außendecks. Fahles Licht verbreiten die Laternen, die den Uferpfad säumen. Und die Sonne bemüht sich, die dichte Wolkendecke zu durchdringen. Dann passieren wir auch schon die ersten Brücken. In einsamer Stille sitzen Fischer am Ufer und warten auf Anglerglück. Eine Schulklasse hat sich am Ufer eingefunden und begrüßt uns lautstark. Bald sind die Außendecks propervoll,  und an der Bugseite drängen sich die Massen in mehreren Reihen hintereinander. Unbeeindruckt von diesen Menschenmassen ziehen Schwäne am Uferbereich ihre Bahnen. Bald ist es 9.30 Uhr geworden. Die Brücke informiert uns über die gewaltige Schleusenanlage Kiel-Holstein, in die unser Kreuzfahrtschiff einfährt. Die kleinere Anlage bleibt den Segelschiffen und kleineren Booten vorbe-halten. Bei dem regen Verkehr hat die Crew alle Hände voll zu tun, muss sich erheblich konzentrieren. Bald fahren wir in das Hauptbecken ein, und das hintere Schleusentor schließt sich. Wenige Meter abgesenkt kann unser Schiff bald wieder ihre Fahrt in der Kieler Fjörde fortsetzen.

Wir sind beeindruckt von der gewaltigen Weite der Kieler Bucht, den zahlreichen Segelhäfen und den verschiedensten Schiffstypen, die unseren Weg kreuzen. Dann nimmt Laboe mit dem Marine-Ehrenmal und dem U-Boot-Museum sowie den langgestreckten Sandstränden unsere Aufmerksamkeit in Beschlag. Mittlerweile herrscht wieder das sprichwörtliche „Yakee-Wetter“. Die Sonne verwöhnt uns. Glatt liegt die Ostsee vor uns, als unser Kreuzfahrtschiff Fahrt zum ersten Reiseziel Gdynia aufnimmt. Zur Mittagszeit nimmt die Bewölkung leicht zu, aber wir haben ja die ersten „Verabredung“ mit dem Küchenchef, der sich mit gegrilltem Zackenbarsch und Schwäbischem Schweinenacken nicht sonderlich gut einführt.  Der Maitre de Hotel scheint über unsere „Kritik“ einigermaßen erstaunt zu sein, verspricht aber, dass der Service auf alle Fälle noch zu toppen sei, was, wie sich später herausstellt, auch zutrifft.

Für 14.15 Uhr ist ein für alle Gäste verbindliche Übungsalarm angesetzt. Dieser Alarm soll uns mit den Rettungseinrichtungen an Bord vertraut machen. Wir sollen die Schwimmwesten anlegen und vor der Kabine auf unsere Stewardess warten, die uns dann zum Bootsdeck zu dem zugewiesenen Rettungsboot führen wird. Nicht alle sind in der Lage, ihre Rettungsweste allein anzulegen. Doch die hilfsbereiten Stewardessen wissen Rat und helfen beim Anlegen. Je eine Stewardess ist jeder Gruppe am Anfang und Ende zugewiesen. Und auch an den Treppen und Gängen stehen Helfer bereit und leiten die Gruppen auf den richtigen Weg zu den Rettungsbooten. Reibungslos, so unser Eindruck, läuft dieser wichtige Übungsalarm ab.

Nach dem Übungsalarm ist keineswegs Ruhe angesagt. Ein volles Tagesprogramm erwartet uns:

15.00 Uhr Pässe mit Manifestnummer abholen (Kopie ist für den Landgang St. Petersburg)
15.10 Uhr Russisches TV_Studio „Danzig – Geschichte der alten Hansestadt und das heutige Danzig“
16.00 Uhr Landgangsinformationen über Danzig
17.00 Uhr „Auf ein Wort“; wichtige Informationen für alle Gäste rund um das Schiff und über die jetzige Reise
18.00 Uhr Persönliche Begrüßung aller Gäste in der Galerie vor dem Musiksalon durch den Kapitän und den Kreuzfahrtdirektor
19.00 Uhr Begrüßungscocktail
19.30 Uhr Kapitäns-Dinner in festlicher Atmosphäre in den Restaurants
21.45 Uhr „Welcome“: Die Künstler stellen sich vor, die uns auf dieser Reise begleiten, ebenfalls das Showorchester
22.30 Uhr Mitternachtssnack „Flambierte Früchte“
23.00 Uhr Die Nacht ist noch lange nicht zu Ende! Im Anschluss an die Willkommensshow legt ein DJ im Captain´s Club für die Nachtschwärmer Hits und Evergreens auf.

Beim Mitternachtssnack bleiben wir standhaft. Und in den Kabinen erwartet uns eine weitere Info-Flut. Nun müssen wir noch rasch alle Akkus aufladen bzw. während der Nacht die Geräte wechseln. Bevor wir zu Bett gehen, blicken wir noch aufs Meer hinaus. Der Vollmond wirft sein fahles Licht auf die Ostsee. Dann fallen uns aber doch noch die Augen zu.

3. Tag

Mit der Weckmelodie „Et les oiseaux chantaient“ aus der CD „Summer Dream“ von Sweet People stimmt uns der persönliche Bordwecker auf das Wochenende ein. Morgenmuffel haben bei ihr keine Chance. Nach aktuellen Infos über Wetter und Tagesprogramm sollen wir gut gelaunt in den neuen Tag starten. Um 7.30 Uhr treffen wir uns zum Frühstück, und um 9.00 Uhr kommen wir in Gdynia an. Überpünktlich macht sie am Kai fest. Die Sonne lädt uns zum Landgang ein.

Unsere Yakee travel-Reisegruppe ist Bus 6 zugeteilt. Aurelia ist unsere örtliche Reiseleiterin, Wittek der Busfahrer. Auf der Fahrt nach Danzig gibt uns Aurelia einen Einblick in die bewegte Geschichte dieser Stadt:

Als Ostsee-Bollwerk mit 1000-jähriger Vergangenheit ist Danzig tief in der nordeuropäischen Seefahrertradition verwurzelt, Sie liegt am Schnittpunkt der einst wichtigen Handelswege, die ihr zum wirtschaftlichen Aufschwung verhalfen. Danzig wurde von den Deutschordensrittern erobert, war Mitglied der mächtigen Hanse und Zankapfel für Preußen und Slawen. Das Tauziehen um Danzig zwischen Deutschland und Polen mit „Zwischenspielen“ auswärtiger Mächte währte Jahrhunderte. Als Danzig 1945 unter polnische Verwaltung kam, lag es beinahe in Schutt und Asche. Seither ist das glanzvolle architektonische Erbe aus stattlichen städtischen Bauten und prächtigen alten Häusern jedoch weitgehend restauriert und wieder aufgebaut worden. Heute ist das polnische Gdansk das führende Schiffsbauzentrum des Landes, und zusammen mit dem benachbarten Badeort Zoppot und Gdingen, Polens wichtigstem Seehafen, bildet es die „Dreistadt“, einen dicht besiedelten, rund 30 km langen Küstenstreifen an der Danziger Bucht.

Bald spüren wir, dass wir japanischen Besuchergruppen längst ebenbürtig sind: aussteigen, anschauen, fotografieren, ein-steigen, weiterfahren! Dennoch nehmen wir interessante Informationen auf. Humorvoll weist uns Aurelia auf die erste westliche Botschaft, Mc Donald´s, hin, zeigt uns die Plattenbaukomplexe, die zur Linderung der Wohnungsnot bis zu 7000 Personen aufnahmen, verhehlt aber auch nicht die unter westlichem Einfluss geschaffenen Neubauten. Kurzweilig gestaltet sich die Fahrt nach Danzig. Der Rundgang durch diese außergewöhnliche Stadt beginnt am Krantor.

Und wir spüren die geheime Macht, die es schafft, dass jeder Besuch in Danzig unvergessliche Eindrücke hinterlässt und den Wunsch offenbart, wiederzukommen. Bei der Marienkirche stoßen wir auf ein „Marinefest“, können in einer Seitenstraße echte Bernsteinprodukte einkaufen und individuell zum vereinbarten Treffpunkt am Neptunsbrunnen schlendern. Über die Lindenallee (1700 Bäume) kehren wir zum Hafen zurück. Aurelia lässt es sich nicht nehmen, uns musikalisch zu verabschieden. Ihrem Urteil können wir uns anschließen, einen wunderschönen Vormittag in der wunderschönen Stadt verbracht zu haben, in einer Stadt von besonderer Schönheit, reich gesegnet an historischen Gebäuden und Plätzen, von einer imponierenden Architektur geprägt. Unser Dank gilt einer Reiseleiterin, die es verstanden hat, uns Danzig, Stadt ihrer Träume, nicht nur vorzustellen, sondern auch lieben zu lernen.

Nach dem Mittagessen bleibt wenig Freizeit, denn schon um 14.30 Uhr hält Patric einen Informationsvortrag mit 264 Dias über die Ausflugsmöglichkeiten in St. Petersburg bis Kopenhagen. Zur Wodka-Probe können sich nicht alle entscheiden, und auch zur „Russischen Teestunde“ mit leckeren Süßigkeiten finden sich nicht alle ein. Wir  sind zum Cocktail- und Plauderstündchen mit dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor eingeladen. Die Zeit verfliegt wie im Nu, und nach dem „Russischen Abendessen“ werden je nach den farbigen Landgangskarten zwei Abendveranstaltungen angeboten: der Crewabend und ein klassisches Konzert „Polowetzer Tänze“.

Wir dürfen uns auf den Crew-Abend freuen, der die „Versteckten Talente“ der russischen und ukrainischen Besatzung längst entdeckt hat. Alle Mitwirkende liefern eine begeisternde Show ab. Lange bleibt die Erinnerung in uns haften, was Tamara und Svetlana gesanglich angeboten haben. Und die Tanzgruppe überzeugte durch Natürlichkeit, Witz und „Einfällen“. Bereits auf unserer Nordlandreise durften wir diese Gruppe bewundern und konnten in diesem Jahr eine wesentliche und beachtliche  Steigerung feststellen Galina führt einfühlsam in dieses besondere Programm ein und bittet alle Gäste, die Darbietungen nicht als „Profi-Show“ zu werten, sondern lediglich im Blick auf die Berufe der Akteure zu würdigen.Nach dieser erfrischenden Crew-Show gehen wir zur Black&White-Party, und bald füllt sich die Tanzfläche. Wieder ist es Mitternacht geworden, und wir sind kein bisschen müde. Bevor wir aber zu Bett gehen, müssen wir die Uhren noch eine Stunde vorstellen.

4. Tag

Ab 7.30 Uhr versucht der stets gut gelaunte Bordwecker, uns munter in den „Wahlsonntag“ einzustimmen. Zur musikalischen Morgendusche hält sie eine irische Künstlerin bereit. Ein Blick aus dem Kabinenfenster bestätigt wiederum unser „Yakee-Wetter“. Butterzopf und süße Crepes locken uns zum Frühstücksbuffet. Und danach begebe ich mich auf „Fotojagd“ an Deck. Sportliche Aktivitäten möchte ich einfangen. Doch die allermeisten unserer Gruppe halten sich äußerst bedeckt. Einige Gruppenmitglieder ziehen im Außenpool ihre Runden. Andere haben sich in den Fitness-Raum zurückgezogen. Und ganz Mutige freuen sich auf die Bauch-Beine-Po-Gymnastik. Da wird das Mittagessen um 12.00 Uhr doppelt so gut schmecken.

Die Ausflüge plündern ganz schön unsere Geldbörsen. Aber wenn wir schon zu den Metropolen an der Ostsee unterwegs sind, wollen wir auch die vielseitigen Angebote nutzen. Wir haben uns heute für den Ausflug „Jurmala & Altstadt Riga“ entschieden. Das Juwel des Baltikums wollen wir uns nicht entgehen lassen. Stolz steht die alte Handelsniederlassung Riga in der gleich-namigen Bucht an den Ufern der Daugava. Bald können wir uns davon überzeugen, weshalb die lettische Hauptstadt als eine der schönsten Städte im Nordwesten Europas gilt. Ungewöhnlich ist ihre architektonische Vielfalt: Bauwerke aus Romanik und Gotik, Renaissance und Barock, Klassizistik und Jugendstil, daneben auch die sowjetischen Plattenbauten und Wolkenkratzer.

Das außergewöhnlich schöne alte Zentrum wurde anlässlich des 800. Geburtstages von Riga im Jahre 2001 einer umfassenden Restauration unterzogen. Mit seinen Kopfsteinpflastergassen mit hanseatischen Speicherhäusern, schiefergedeckten Giebel-bauten und gotischen Kirchen zählt es zu den prächtigsten mittellterlichen Gebäudeensembles von Nordeuropa und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Kaum 20 km von Riga entfernt liegt der populärste Badeort Jurmala am Golf von Riga. Neben altwürdigen Jugendstilhäusern fallen uns aber auch die prächtigen Neubauten wohlhabender Russen auf. 35 km Sandstrand erwarten uns. Der Spaziergang an der frischen Luft und später entlang der Einkaufsstraße, in der vornehmlich Frauen selbstgefertigte Waren anbieten, bekommt uns. Nach Rückkehr müssen wir uns in eine lange Warteschlange einreihen. Alle Busse sind fast gleichzeitig zurückgekehrt.

Bald ruft auch schon wieder das Abendessen, und den Abend gestalten die Pawlowskis mit einem politischen Kabarett „Verblüffende Nebenwirkungen“. Vater und Sohn beantworten die Frage, welche Nebenwirkungen es haben könnte, wenn man sich entschließt, morgens aus dem Bett zu steigen mit der Absicht, auf einem Wahlzettel ein Kreuzchen zu machen. Ihre Beiträge „Jammerseminar“, „Wir operieren jetzt zu Haus“ und das moderne Märchen „Rotkäppchen“ lösen Heiterkeit aus, und als beide Akteure die Anti-Aging-Sucht mit dem Beitrag „Altbausanierung“ aufs Korn nehmen, quittieren Gäste diesen Beitrag mit „standing ovations“.  In der Bar beschließen wir den mit Highlights angereicherten Abend mit einem Schlummertrunk. Die Seestärke hat zugenommen. Es wird eine unruhige Nacht geben.

Erfahren Sie im nächsten Teil wie es weiter geht.