Kreuzfahrt Glossar: was ist eine Schiffstaufe?

Bei einer Schiffstaufe dabei zu sein, ist für viele Kreuzfahrtliebhaber ein Traum.

Warum gibt es eigentlich Schiffstaufen und wie läuft sowas ab?

Was ist eine Schiffstaufe?

Die Schiffstaufe ist, einfach gesagt, eine feierliche Namensgebung eines neugebauten Schiffes vor dem Stapellauf. Die Taufe zählt mit zu den ältesten Bräuchen der Seefahrt und soll symbolisch das Eintauchen des Schiffes ins Meer darstellen. Heutzutage, wo alles oft werbewirksamer gestaltet werden muss und möglichst viel Publikum ansprechen soll, findet eine Schiffstaufe oftmals auch erst in einem großen oder besonderen Hafen oder zu einem besonderen Event statt.

Bei einer Schiffstaufe gibt es die Taufpatin, die nach einer kurzen Rede eine Champagnerflasche am Bug des Schiffes zerschellen lässt. Und auch hier gilt das Sprichwort: Scherben bringen Glück.

Eine Champagnerflasche, die nicht zerbricht, gilt als schlechtes Omen. So geschehen zum Beispiel bei der MS Queen Victoria, deren Taufpation, die Herzogin von Cornwall, Camilla Mountbatten-Windsor, es auch nach wiederholten Versuchen nicht schaffte, die Flasche am Bug zersplittern zu lassen. Die einen sagen, es wäre Zufall, für andere ist es eindeutig auf das schlechte Omen der Taufe zurückzuführen, dass kurze Zeit nach der Taufe zahlreiche Passagiere an Bord des Schiffes an einer Infektion erkrankten.

Warum wird ein Schiff getauft?

In erster Linie soll eine Schiffstaufe dem Schiff samt Besatzung und Passagieren Glück bringen. Schiffstaufen gibt es schon seit dem vierten Jahrhundert vor Christus und waren besonders in vergangenen Jahrhunderten zum Schutz gedacht: sei es vor bösen Geistern, Seeungeheuern, Stürmen, Eisbergen etc.. Kurios: die Schiffstaufe sollte auch ein Schutz davor sein, dass das Schiff nicht plötzlich von der Erde kippt, wenn man das Ende der Erde (von der man ja früher dachte, dass sie eine Scheibe sei) erreicht hat.

Wenn ein Schiff nicht getauft wird und ungetauft in See sticht, gilt das als böses Omen. Eins der berühmtesten Beispiele dafür ist die Titanic: da sie als unsinkbar galt und damals hochmodern war, sah man keinen Grund für eine Schiffstaufe und verzichtete darauf. Der Rest ist Geschichte…

Wer kann Schiffspate werden?

Auffällig ist, dass ausschließlich Frauen Taufpaten von Schiffen zu sein scheinen. Männliche Taufpaten sollen der Überlieferung nach Unglück bringen. So gab in den letzten Jahrzehnten lediglich zwei Ausnahmen zur weiblichen Besetzung: 1998 taufte Richard von Weizäcker die MS Deutschland und der Sänger Pitbull ist Taufpate der amerikanischen Norwegian Escape. Warum für diese beiden Schiffe männliche Taufpaten gewählt wurden, ist nicht wirklich bekannt.

Mittlerweile sind es meist prominente Frauen, die Patinnen für Schiffstaufen sind. Je nach Land gibt es bestimmte, manchmal kuriose Kriterien, die die Taufpatin eines Schiffes erfüllen muss.

Die Patinnen dürfen von Natur aus keine roten Haare haben. Rote Haare sollen den (ebenfalls rothaarigen) Klabautermann herbeilocken. Auch dürfen keine grünen Kleider getragen werden, da dies ebenfalls den gefährlichen Klabautermann aufs Schiff bringen würde.

Schiffstaufe – andere Länder, andere Sitten

Nicht in allen Ländern verläuft die Schiffstaufe gleich.

In Schottland zum Beispiel wird der Champagner durch Whiskey ersetzt.

Die afrikanische Tradition sieht vor, dass die Taufpatin Palmwein trinkt und ihn gegen die Bordwand spuckt.

In Frankreich darf keine schwangere Frau Taufpatin eines Schiffes werden.

In Indien und anderen asiatischen Ländern gibt es statt einer Champagnerflasche eine Kokosnuss, die gegen den Schiffsbug geworfen wird und auf dem Bug des Schiffes liegt ein Blütenkranz aus Rosen und Nelken. Die zerbrochenen Teile der Kokosnuss sollen dem Kapitän dann als Talisman dienen.

Wird ein Polarschiff getauft, gibt es Eisblöcke statt Champagnerflaschen.

Die Namensgebung eines Schiffes

Weibliche Namen spielen bei der Namensfindung für Schiffsnamen eine große Rolle. Früher wurden Schiffe auch oft nach weiblichen Heiligen benannt, so wie zum Beispiel die Santa Maria, das Schiff von Kolumbus. Auch Frauennamen aus der Mythologie oder Namen von Göttinnen waren beliebte Schiffsnamen und sollten zum Schutz des Schiffes dienen.

Heutzutage ist die Namensgebung eines Kreuzfahrtschiffes je nach Reederei manchmal noch an diese Tradition angelehnt, aber oftmals spielen andere Faktoren eine Rolle.