Zum ewigen Eis nach Spitzbergen

 

Teil 2/3

Samstag, 25. 06.

Die Anstrengung der beiden letzten Tage sind auch bei Winfried Prinz nicht spurlos vorüber gegangen. Er wirkt etwas müde. Wir haben uns in der Zeit vertan und sind bereits um 6.45 Uhr fertig und an Deck. Die ganze Nacht sind wir an der Eiskante entlang gefahren. Kapitän John Moule hat für alle ein weiteres Highlight bereit. Er fährt nochmals ins Eis hinein, und wir können kaum glauben, was wir zu Gesicht bekommen.

Tausende von Sattelrobben liegen auf den Eisschollen. Die “Alex” nähert sich ganz vorsichtig den Tieren.  Erst kurz bevor dem Bug die Eisscholle berührt, kommt Bewegung in die Massen, und die Sattelrobben tauchen nacheinander unter, tauchen etwas später wieder auf und schwimmen in gleichem Rhythmus zu einer anderen sicheren Eisscholle. Es herrschen zwar nur 0,5° Außentemperatur, doch keiner der “Kreuzfahrer” rührt sich von seinem Beobachtungsplatz.

Fast lautlos steuert John Moulds die “Alex” durch die Eisgrenze. Immer wieder liegen kleinere und größere Gruppen von Sattelrobben auf diesen Plattformen, verharren, starren auf den nahenden Koloss, doch dann ist die Fluchtdistanz erreicht. Sie tauchen unter.

Auf der Brücke ist man sich einig, noch niemals zuvor auf den vielen Nordlandreisen eine solche Ansammlung von Robbenkolonien gesehen zu haben. Die Finger sind bei der Temperatur um den Nullpunkt klamm geworden, und wir ziehen uns kurz in unsere Kabine zurück, um uns aufzuwärmen. Der Himmel ist wieder total bewölkt. Wir nutzen nun die Zeit vor dem Mittagessen mit einem Einkaufsbummel. Isolde benötigt dringend eine Uhr und eine dicke, windabweisende Fliesjacke.

 Um 11 Uhr werden wir zu Winfrieds “Plauderstunde” gehen. Im Musiksalon angekommen, spüren wir erstmals die Bewegungen der “Alex”. Beim Blick durch die großen Fenster senkt und hebt sich der Horizont merklich. Dennoch verspüren wir noch keine unangenehmen Gefühle. In seiner “Plauderstunde” streift Winfried viele Themen wie auch die Havarie 1989 im Eis, stellt alle Schiffe – auch die neue  MS Amadea – vor.

 Die Alexander von Humboldt ist ein äußerst familiäres Kreuzfahrtschiff. Gerade die letzten Tage haben auch gezeigt, dass mit dem Expeditionsschiff viel mehr als mit den anderen zu machen ist. Für Ende Juni gab es ungewöhnlich viel Eis an der Südspitze des Eisfjords. Es gab keine Möglichkeit, in den Hornsund einzufahren. Die beiden anderen Phoenix-Schiffe. Maxim Gorki und Albatros, waren zeitweise im Eis gefangen, denn die Meeresströmung hatte den Eingang zum Eisfjord ver-schlossen. Sie verloren viel Zeit und müssen Landgänge ausfallen lassen, um die Zeit wieder einzuholen. Viel mehr Glück war aber der “Alex” beschieden. Sie weist zwar mit 1B eine hohe Eisklasse auf, ist aber kein Eisbrecher.

Das Flaggschiff Maxim Gorki genießt in Deutschland große Popularität. 1988 wurde sie von Neckermann abgegeben und nahtlos von PhoenixReisen übernommen. Es gibt wohl kein Schiff, das so viele Weltreisen unternommen hat. Derzeit werden Ge-spräche geführt, um über das Jahr 2007 einen Verlän-gerungsvertrag abschließen zu können. Die Albatros ist das günstigste Schiff bei PhoenixReisen.

Die Alexander von Humboldt bietet lediglich eine Tischzeit an. 1996 als Minerva gebaut, fuhr sie als Saga Pearl und seit Jahren bei den USA als Discovery 2. Mitte November bis März eines Jahres bleibt die “Alex” in der Antarktis. Kapitän und Besatzung bleiben aber ganzjährig.

Das neue Schiff mit Namen Asuka wurde 1991 gebaut. Sie ist knapp 200 Meter lang und weist eine Breite von sieben Metern auf. Von den 300 Kabinen sind 108 mit Balkon ausgestattet, was allerdings auch einen Nachteil mit sich bringt; denn das Sozialleben an Bord wird doch merklich beeinträchtigt. Die Asuka, bei Phoenix nunmehr MS Amadea, hat ein offenes Promenadendeck. Ab 7. März 2006 wird sie in Diensten von PhoenixReisen ganzjährig auch die klassischen Routen befahren. Bei der neuen MS Amadea werden günstige Preisangebote angestrebt, die zwischen Maxim Gorki und Albatros liegen werden.

Auch auf den anhaltenden Trend der Flusskreuzfahrten geht Winfried in der “Plauderstunde” ein. Allein 48 Schiffe fahren in Diensten von PhoenixReisen.

Zum Schluss seiner Ausführungen gerät Winfried nochmals ins Schwärmen. “Auf der Alexander von Humboldt  macht die Arbeit einfach Spaß. Die Antarktis ist das Schönste, das beste, was man machen kann.” Die Intensität der Erlebnisse sei nicht mehr zu toppen. Man staune nur über die gigantische Naturkulisse. Vom Eis gehe eine unvorstellbare Attraktivität und Anziehungskraft aus.

Der filmische Rückblick auf Spitzbergen von Sven Achtermann ergänzt am Nachmittag die überwältigenden Eindrücke dieser Fahrt. Auch für den Lektor Achtermann war diese Reise nach Spitzbergen gespickt mit Highlights:

  • die Beobachtung der Minkwale, die mehrfach aus dem Wasser sprangen und fast senkrecht wieder eintauchten.
  • Jagd der Belugawale
  • Bartrobbe auf einer Eisscholle
  • Kolonie der Sattelrobben – Fellwechsel – “Sattelrobben on the rocks”
  • Walrösser auf der Insel Moffen
  • Abdruck einer Bärentatze
  • Verteidigung der Brutgelege durch die Küstenmöven
  • Jagdverhalten der Schmarotzerraubmöven
  • Treibholz aus Sibirien
  • Küstenseeschwalben im Nebel
  • Färbungsvarianten der Eisschollen
  • gewandter Flug der Eissturmvögel
  • fliegende Zäpfchen in Gruppen
  • Papageientaucher mit dem markanten Schnabel

Mitten im Vortrag unterbricht Winfried Prinz für eine wichtige Mitteilung. Wir eilen an Deck und dürfen die unglaubliche Jagd zweier Buckelwale verfolgen.

Die großen Meeressäuger treiben den Fischschwarm an die Wasseroberfläche, legen einen Blasring und schlagen auch mit der Schwanzflosse auf den Fischschwarm. Das Wasser nimmt eine andere Färbung an, weithin sichtbar. Die Fische sind bewe-gungsunfähig geworden und landen größtenteils im Maul der Jäger. Die übrigen Fische werden Beute der  die Jagd begleitenden Dreizehenmöven. Immer wieder stellen wir uns die Frage, wo die Buckelwale nochmals auftauchen werden. Die Kameras sind aufs Meer gerichtet, und das Warten wird auch belohnt.

Nach der Naturbeobachtung steht auch Fußball auf dem Programm. In der Halbzeitpause widmen wir uns dem “Russischen Nachtessen”, allerdings nur dem Salatbuffet und einem Dessert.  Sehr attraktiv ist heute das Angebot ausnahmsweise nicht. Nach der zweiten Halbzeit steht es 3:2 für Brasilien. Doch die deutschen Fans sind nicht enttäuscht. Sie haben eine kämpferische und einsatzwillige deutsche Elf gesehen. Das trübe Wetter lockt uns nach der Sportschau nichts mehr nach draußen.

O mit O² ( Olga mit Oper und Operette ) schenken wir uns. In der Pianobar ist es heute besonders laut. So treffen wir die richtige Entscheidung und gehen um 22.30 Uhr ins Bett, um wieder einmal richtig auszuschlafen.

Teil 3 des Reiseberichtes „Zum ewigen Eis nach Spitzbergen“ folgt.

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Autor: Peter

alter Seebär und Kreuzfahrer

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